Theater im Palais begeistert in Erfurt auf Englisch mit der Komödie „Two like Bonnie and Clyde“

Altstadt  Die beiden kennt man irgendwie. Bonnie und Clyde waren ein Gangsterduo, das während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre durch den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten reiste und mit anderen bandenmäßig Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen und kleinere Banken auf dem Land überfiel und dabei 14 Morde (hauptsächlich an Polizisten) verübte.

Manni und Chantal alias Bonnie und Clyde träumen vom großen Geld, einer Hochzeit in Las Vegas und einem Rentnerdasein in Südamerika. Ihr grandioses Scheitern bringen Sabine Henn und Heinrich Kus zwerchfellerschütternd auf die Bühne. Foto: Sylvia Obst

Manni und Chantal alias Bonnie und Clyde träumen vom großen Geld, einer Hochzeit in Las Vegas und einem Rentnerdasein in Südamerika. Ihr grandioses Scheitern bringen Sabine Henn und Heinrich Kus zwerchfellerschütternd auf die Bühne. Foto: Sylvia Obst

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Ihre Verbrechen sorgten in den USA für erhebliches Aufsehen; das wilde Leben des Gangster-Pärchens wurde mehrfach verfilmt und bot mannigfach Anregungen für Songs von Eminem und Bushido ebenso wie einst von Brigitte Bardot und Serge Gainsbourg.

In Erfurt sorgt das Pärchen am Dienstag für einen Abend der absolut heiteren Sorte. Denn das Theater im Palais in der Michaelisstraße stellt eine Krimikomödie, die von den beiden handelt, auf den Spielplan und feiert damit – in englischer Sprache – eine vom Publikum begeistert aufgenommene Premiere. „Es ist ausverkauft!“, betont Heinrich Kus, der künstlerische Leiter des Hauses, gleich zu Beginn des Abends. Denn es sei mittlerweile schon zu einer Tradition geworden, dass jedes Jahr im Februar auf dieser Bühne ein englischsprachiges Theaterstück seine Premiere erlebe.

„Dieses Jahr verlassen wir erstmals die Welt der Märchen und geben die Bühne frei für die witzige Kriminalkomödie ‚Two like Bonnie und Clyde‘ (Zwei wie Bonnie und Clyde) von Tom Müller und Sabine Misiorny. Für alle Englischfans ein absolutes ‚must‘“, betont der Theaterleiter, der gleichzeitig in den meisten der dort gespielten Stücke selbst auf der Bühne steht. Auch an diesem Abend gestaltete er selbst sowie seine Mitstreiterin Sabine Henn das neue Stück.Gekommen sind mehr als hundert Gäste im Alter zwischen 14 und 74 Jahren. Das wundert schon, denn der größere Teil des Publikums ist eindeutig über 50: Ehepaare sowie Damen-Grüppchen. Das bewirke die Englisch-Lehrerin an der Volkshochschule Erfurt, meint Heinrich Kus gelassen. Bereits seit vielen Jahren.

Vor Beginn des Spiels werden noch einige Vokabeln aufgefrischt, für die zuvor eine Liste verteilt ward. „I need a loo“ („Ich muss aufs Klo“) gehört dazu. Alle lachen herzlich. Heinrich Kus berichtet auch noch gern davon, dass man inzwischen mit dem Märchenprogramm auf Englisch an immerhin hundert Schulen in Deutschland und Österreich gastiere. Im vergangenen Jahr gab es sogar ein Gastspiel in Peru.

Sieben Märchen sind dabei im Angebot und der „Froschkönig“ (ab 5 Jahren bereits) einer der großen „Renner“. Das Stück des Abends würde er empfehlen ab 14 Jahren, man gastiere damit ja auch in den 9. und 10. Klassen der Gymnasien. Eine Empfehlung dafür ist der Abend allemal, denn alle amüsieren sich köstlich bei dieser Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde – denn sie wissen nicht, wo sie sind!“ von Sabine Misiorny und Tom Müller. Dabei versucht ein dilettantisches Gaunerpärchen, seinen Vorbildern nachzueifern. Aufgrund mangelnder Intelligenz und geringer krimineller Energie gelingt es ihnen jedoch nicht, eine Bank auszurauben.

Manni und Chantal alias Bonnie und Clyde träumen vom großen Geld, Heirat in Las Vegas, Rente in Südamerika. Dafür muss aber erst mal eine Bank geknackt werden. Ein Kinderspiel! Zumindest, wenn die Beifahrerin auf der Flucht Straßenkarten lesen könnte und nicht ständig rechts und links verwechselte. Dass sie schließlich in einem ehemaligen Schuhlager landen, ist noch das geringste Übel für die Möchtegern-Ganoven. Viel schlimmer ist, dass Chantal anstatt der Beute die Einkaufstüte einer Bankkundin mitgenommen hat. Also muss ein neuer Versuch gestartet werden, doch die Tücke liegt im Detail: sprich – in einem enormen Umweg zur Bank, einer plötzlich geballten Konkurrenz weiterer Bankräuber, in blickdichten Strumpfmasken und einem leeren Tank. Trotz umfangreicher Generalproben scheitern auch die nächsten Versuche, ans große Geld zu kommen. Dass schließlich zumindest für Chantal ein Happy End in Sicht ist, verdankt sie natürlich eher dem Zufall als ihrer Intelligenz.

„Zwei wie Bonnie und Clyde“ ist wahrlich eine Tour de Force für die Lachmuskeln, ein groteskes Abenteuer, bei dem ein Gag den nächsten jagt und die Lage für das dilettantische Gaunerpärchen immer verzwickter und verrückter wird. Perfekt dargeboten in 60 Minuten von Sabine Henn und Heinrich Kus in etlichen Slapstick-Szenen und fröhlich-mitmachend ergänzt durch drei Akteure aus dem Publikum.

„Herrlich schräg…, eine wunderbare Screwball-Komödie…, exzellente Unterhaltung...“, sind die ersten Kommentare des Pu­blikums. „Wir haben (fast) alles verstanden!“, gesellt sich hinzu. „Und wenn ich mal was nicht verstanden habe, gibt es so viel Spaß, der es erklärt.“, meint eine weitere Besucherin. „Es ist ohne Längen und mit einem Spannungsbogen, der keine Atempause ließ. Slapstick, Comedy und feinsinniger Humor ergänzten sich perfekt.“

Uraufgeführt wurde die Komödie 1999 von den beiden Autoren Misiorny und Müller selbst. Seit Herbst 2007 ist die Komödie auf vielen deutschen Bühnen zu sehen. Mit der englischen Variante stechen die Erfurter aber aus dem Aufführungsreigen eindeutig heraus.

Nächste Vorstellung: 17. Februar, 20 Uhr, Theater im Palais, Michaelisstraße 30. Individuelle Termine sind per Internet buchbar: www.theaterimpalais.de

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