Gesamtes Ausstellungsprogramm der Erfurter Kunstmuseen gefährdet

Erfurt  Es scheint, als sei die Kultur in der Thüringer Landeshauptstadt auf bestem Weg in Richtung Stillstand: Das gesamte Ausstellungsprogramm der Kunstmuseen Erfurt stehe für dieses Jahr auf der Kippe, sagte Kai Uwe Schierz, Direktor der Erfurter Kunstmuseen.

Trübe Aussichten für das kulturelle Jahr in Erfurt: Kai Uwe Schierz musste die Planung auf Eis legen.. Foto: Paul-Philipp Braun

Trübe Aussichten für das kulturelle Jahr in Erfurt: Kai Uwe Schierz musste die Planung auf Eis legen.. Foto: Paul-Philipp Braun

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Es scheint, als sei die Kultur in der Thüringer Landeshauptstadt auf bestem Weg in Richtung Stillstand: Das gesamte Ausstellungsprogramm der Kunstmuseen Erfurt stehe für dieses Jahr auf der Kippe, sagte Kai Uwe Schierz, Direktor der Erfurter Kunstmuseen, gestern. Die Vorbereitungen für elf geplante Ausstellungen im Angermuseum, in der Galerie Waidspeicher, im Forum Konkrete Kunst und im Schloss Molsdorf seien bis auf Weiteres auf Eis gelegt. „Wir können keine Aufträge auslösen, keine Rechnungen schreiben, wir sind zur Untätigkeit verdammt“, sagte der Direktor.

Grund ist der nicht beschlossene Haushalt der Stadt – und die damit verbundenen, ausstehenden Genehmigungen. Mit dem derzeitigen vorläufigen Haushalt könne man eben nur für das „Unausweichliche“ grünes Licht geben, sagte Karola Pablich, Finanzdezernentin der Stadt, auf Nachfrage der TLZ.

Wie unausweichlich die Situation tatsächlich ist, macht ein Blick in den Kalender klar: Noch 17 Tage sind es bis zur nächsten geplanten Ausstellungseröffnung. Unter dem Titel „Heat Exchange“ soll in der Galerie Waidspeicher internationale Emaillekunst zu sehen sein. Die Ausstellung ist eine Übernahme aus London, erweitert um regionale Künstler. Bevor die englischen Kollegen jedoch anfangen, die Werke für den Transport einzupacken, ist eine Zusage der Stadt Erfurt nötig.

Pablich: „Ich kann nichts genehmigen, wo die Drittmittel nicht sicher sind.“ Die seien aber schon lange zugesagt, sagt Schierz. Wie im Übrigen für einen großen Teil der für 2016 geplanten Ausstellungen auch: „Wenn die Gelder nicht hundertprozentig sicher sind, dann sind sie zumindest in Aussicht gestellt.“

Die Kunstmuseen Erfurt finanzieren sich zu zwei Dritteln aus Zuwendungen, die von der Sparkassen Finanzgruppe, dem Freistaat und der Thüringer Kulturstiftung kommen. Die Stadt stellte bisher ein Drittel der Kosten. Im Falle der „Heat Exchange“-Ausstellung in der Galerie Waidspeicher würde sich der Eigenanteil der Stadt auf 500 Euro belaufen; davon würden unter anderem Einladungen gedruckt und eine kleine Eröffnungsfeier arrangiert. Doch eine Genehmigung kommt nicht.

Und noch ein Termin rückt immer näher: der für die größte Ausstellung in diesem Jahr in Erfurt. Eine Schau der Kunsthalle soll sich ab April „Maria Gräfin von Gneisenau und Schloss Molsdorf“ widmen. Teilnehmen sollten internationale zeitgenössische Künstler. „Wir konnten keinem der Künstler zusagen. Die Vorarbeiten sind gestoppt“, sagt Schierz – auch die Produktion einer Broschüre.

Doch der Direktor hat die Hoffnung nicht ganz aufgegeben: Die Kulturdirektion setze sich hoffentlich für außerordentliche Freigaben der Vorhaben ein. So habe es auch im Jahr 2015 geklappt, Ausstellungen doch stattfinden zu lassen, obwohl der Haushalt erst im September beschlossen wurde. In diesem Jahr aber scheint die Lage dramatischer: Das Haushaltsloch ist einfach zu groß. Pablich konnte zu dessen Höhe nichts sagen. Hinter vorgehaltener Hand spricht man aber von über 30 Millionen Euro.

Etwa 50 000 Euro bräuchten die Kunstmuseen Erfurt als Eigenmittel in diesem Jahr, schätzt Schierz. Alleine, um den Status quo zu halten, um mit Sonderausstellungen ins Museum zu locken, um im Gespräch zu bleiben. Das ist, gerade im Hinblick auf das 2013 erdachte „Kulturkonzept“, ein bescheidener Anspruch. Das sah zum Beispiel vor, das Angermuseum zu einem „überregional wahrnehmbaren und modernen Kunstmuseum“ zu machen.

Die derzeitige Situation widerspreche diesen Ideen, sagt Schierz. Zwar könne er verstehen, dass man mit der Umsetzung dieses Konzepts warte, bis der Haushalt ausgeglichen ist. Doch bezweifle er, dass es gerechtfertigt ist, die „kulturelle Substanz in Frage zu stellen“.

„Es tut mir auch weh“, sagt Pablich zur Lage der Kunstmuseen. „Aber es ist ja nicht so, dass das Museum die Türen schließen müsste.“ Immerhin gebe es ja noch eine Sammlung und eine Dauerausstellung. Wann eine Entscheidung über die Ausstellungsprojekte zu erwarten sei, darüber könne sie nichts sagen, auch nicht darüber, in welchem Umfang Projekte finanziert werden könnten. Was die Umsetzung des „Kulturkonzepts“ angehe, sei im Grunde nichts sicher; „wann und wie und ob, wird man noch sehen“, sagte sie gestern.

„Ich möchte einmal ein großes Lob aussprechen an die Direktoren, die kreativ sind und versuchen, was sie können, um Drittmittel einzutreiben.“ An Kreativität fehlt es für die nächste Ausstellung „Heat Exchange“ ohnehin nicht – lediglich an 500 städtischen Euro.