In Weimar soll "Haus der Demokratie" entstehen

Carsten Schneider gibt sich keinen Illusionen hin. Derzeit sieht der Bund keinen Anlass, Themen wie das Haus der Demokratie respektive Weimar als Geburtsort der ersten Demokratie finanziell zu unterstützten. Der neu gegründete Verein "Weimarer Republik e.V." soll das ändern.

Rückblick 2009: Im Weimarer Stadtmuseum stand die von dem Künstler Georg Kolbe geschaffene Bronzebüste von Friedrich Ebert in der Ausstellung "Weimar 1919 - Chancen einer Republik". Foto: AP

Rückblick 2009: Im Weimarer Stadtmuseum stand die von dem Künstler Georg Kolbe geschaffene Bronzebüste von Friedrich Ebert in der Ausstellung "Weimar 1919 - Chancen einer Republik". Foto: AP

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Weimar. Seine Mitglieder wollen den Beweis antreten, dass der Diskurs über die Jahre von 1918 bis 1933 von weiten Teilen der Zivilgesellschaft geführt wird.

Im Residenz-Café trafen sich am 14. Februar die Akteure, die zunächst hinter dem Verein stehen: Neben dem SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider als Vorsitzendem gehören sein Stellvertreter Alf Rößner als Leiter des Stadtmuseums sowie der Historiker Stephan Zänker als Schatzwart dazu. Daneben gehören Ulrike Köppel, Geschäftsführerin der Weimar GmbH, Bernhard Post, Direktor des Thüringischen Hauptstaatsarchivs, Jens Riederer, Leiter des Stadtarchivs, Moritz Kilger, Leiter der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte, sowie Manfred Ochsenfarth zu den Gründungsmitgliedern.

2019: Weimarer Verfassung feiert 100. Geburtstag

Alle haben das Jahr 2019 im Blick. 100 Jahre ist es dann her, dass in Weimar die Deutsche Nationalversammlung tagte und mit der Weimarer Reichsverfassung die modernste und fortschrittlichste Verfassung der damaligen Zeit erarbeitet. "Dieses Thema wollen wir nicht nur in Thüringen bekannter machen, sondern in Deutschland", erklärte Schneider. "Zweck des Vereins ist die Förderung des demokratischen Staatswesens in Deutschland unter besonderer Beachtung der Geschichte und der Erfahrungen der Weimarer Nationalversammlung, der Weimarer Verfassung und der Weimarer Republik", heißt es unter anderem in der Satzung des Vereins, der die Schaffung eines "Hauses der Demokratie" in Weimar sowie eine angemessene Erinnerungsstätte in Schwarzburg als Ort der Verfassungsunterzeichnung anstrebt.

So habe man den unrunden 90. Geburtstag der Verfassung vor vier Jahren zwar gebührend gefeiert und auch die Friedrich-Ebert-Stiftung hat mit einer ehrgeizigen Veranstaltungsreihe die Weimarer Republik in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, seitdem ist es allerdings still geworden. "Mir geht es nicht um das Museum und dessen Standort. Das soll die Stadt entscheiden. Aber wenn ich den Bund ins Boot holen will, benötige ich einen Vorlauf." Schneider verhehlte nicht, dass das Thema eine nationale Aufgabe sei. Auch wenn der Bundestag juristisch nicht der Rechtsnachfolger des Reichtages sei, "politisch ist er es".

2014 wird Sonderaustellung im Stadtmuseum eröffnet

Dass hinter den Kulissen die Vorbereitungen für das Jahr 2019 längst begonnen haben, verdeutlichte Alf Rößner. Im Obergeschoss des Stadtmuseums werkeln die Maler, dort wird in einem Jahr eine Sonderausstellung "Demokratie aus Weimar - die Nationalversammlung 1919" eröffnet. Vieles gehört zu den Beständen des Stadtmuseums, andere Exponate werden noch beschafft.

So fährt der Weimarer Maler Dieter Weidenbach nach Berlin, um in der Eingangshalle des Schlosses Bellevue jenes Porträt von Reichspräsident Friedrich Ebert zu kopieren, das Emil Orlik 1920 gemalt hat. "Die Klassik, das Bauhaus, Buchenwald: Vieles, was die Stadt prägte, ist gut aufgearbeitet und dargestellt. Die Weimarer Republik fehlt", sagte Rößner. Auch aus touristischer Sicht würde es sich lohnen, das Thema besser aufzubereiten. Gerade auf dem internationalen Markt sei das Interesse an der Weimarer Republik mindestens genau so große wie am Bauhaus, sagte Ulrike Köppel.

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