Weimar: Hoffnungsschimmer bei den Hababusch-Bewohnern

Unterliegen Immobilien in 1A-Lagen ausschließlich den Gesetzen des Marktes? Oder können vornehmlich junge Menschen billigen Wohnraum schaffen und Häuser vor Verkauf und Spekulation bewahren? Nach einem Gespräch mit dem Besitzer sind die Bewohner des Hababusch-Hauses verhalten optimistisch.

Hababusch-Family: Die Bewohner des Hauses hoffen auf ein gutes Ende des Streits. Foto: Thomas Müller

Hababusch-Family: Die Bewohner des Hauses hoffen auf ein gutes Ende des Streits. Foto: Thomas Müller

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Weimar. Die Städte sind austauschbar, der Konflikt nicht. "Wir haben ein Kaufangebot unterbreitet, das geringfügig unter dem Verkehrswert liegt", sagte Gregor Biastoch. Keiner der Bewohner wollte etwas zu den Chancen sagen. Alle waren sich jedoch einig, erstmals vom Bonner Rechtsanwalt Eberhard Kemmann ernst genommen worden zu sein. Keine Selbstverständlichkeit in einem Konflikt, der seit Anfang des Jahres 2013 schwelt und der nicht immer mit sachlichen Argumenten geführt wurde. So nimmt es nicht wunder, dass Yann Colonna einräumte, bislang keinen wirklichen Zugang zum Eigentümer gefunden zu haben. Bis gestern.

Das Konzept fußt im Kern auf eine Wiederbelebung des Hostel-Betriebes auf 190 Quadratmeter und mit 30 Betten im ersten Obergeschoss, denn die derzeit 18 Bewohner des Hauses wollen vor allem mit diesen Einnahmen den Kredit zurückzahlen. Während das erste und zweite Dachgeschoss als Wohnraum mit seinen 320 Quadratmetern für etwa 15 Menschen ausgebaut werden soll, sind im Erdgeschoss ein Kulturcafé und ein Seminarraum geplant: für Lesungen, Konzerte und Infoabende. Auch der Keller bietet Platz, zum Beispiel für die Initiative "Solidarische Landwirtschaft", die dringend Räume in der Innenstadt benötige.

Andere Szene-Treffs sind verschwunden

Colonna vermied es, ideologische Ansichten zu vertreten. Deutlich wurde aber auch, dass das Hababusch-Haus eine der wenigen unangepassten Bastionen in der Innenstadt ist, nachdem in der Szene beliebte Treffs in der Humboldtstraße, Schwabestraße oder Jenaer Straße verschwunden sind.

Der Kaufpreis ist nicht die einzige Summe, die die Gemeinschaft aufbringen will: Nach Schätzungen des Tonndorfer Architekten Thomas Meier beliefen sich die Kosten für eine Sanierung auf 700.000 Euro. Parallel dazu hat der Verein seine Fühler zu potentiellen Kreditgebern ausgestreckt: Nach Angaben der Bewohner habe die GLS-Gemeinschaftsbank das Projekt als kreditwürdig eingestuft, die Thüringer Aufbaubank stufe das Vorhaben als förderfähig ein, zum Beispiel über das so genannte Thüringer Innenstadtstabilisierungsprogramm.

Dreh- und Angelpunkt ist jedoch die Zusammenarbeit mit dem "Mietshäuser Syndikat". Was nach Gangstern und Verschwörung klingt, genießt allerdings Vereinsstatus nach dem bürgerlichen Recht. "Mietshäuser Syndikat" und Hababusch-Verein gründen eine GmbH, wobei die Bewohner über alle Belange ihres Lebens frei entscheiden dürfen. Einzige Ausnahme: Ein Verkauf der Immobilie ist nur möglich, wenn das Syndikat zustimmt. So könnten die Hababusch-Leute Vermieter und Mieter zugleich werden. Und wer keine Lust mehr hat, zieht einfach aus, ohne Gewinne auf dem Markt erzielen zu können.

Eher anderer Natur waren hingegen die Probleme der Nachbarn, die gestern auf der improvisierten Pressekonferenz deutlich wurden: Sie beschwerten sich über den regelmäßigen Party-Lärm, der bis in die frühen Morgenstunden andauern würde. "Ich schlafe bestens", sagte Hartmut Tuckermann vom Spielzeugladen Steinboss. "Sie sind ja auch schwerhörig", sagte eine ältere Frau. Tuckermann bangt um seinen Spielplatz hinter dem Haus, da Kemmann für seine geplante Gastronomie und Ferienwohnungen Parkplätze benötigt.

Kemmann hat vor 18 Jahren das Haus gekauft. Sein Sohn gründete den Verein mit, um das erste Hostel Ostdeutschland zu eröffnen. Viele Auflagen wurde nicht erfüllt, der Verein zerstritt sich, das Hostel schloss 2012 und die Wohngemeinschaft breitete sich aus.

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