„Live Music Now“ gedenkt Menuhins zum 100. Geburtstag in Weimar

Weimar/New York  Mit einer Reihe von Konzerten feiert am heutigen Freitag die weltweite „Live Music Now“-Bewegung den 100. Geburtstag ihres Gründers, des berühmten Geigers und Dirigenten Yehudi Menuhin (1916-1999).

Yehudi Menuhin, hier 1979 in der Frankfurter Paulskirche. Foto: M. Rehm

Yehudi Menuhin, hier 1979 in der Frankfurter Paulskirche. Foto: M. Rehm

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Mit einer Reihe von Konzerten feiert am heutigen Freitag die weltweite „Live Music Now“-Bewegung den 100. Geburtstag ihres Gründers, des berühmten Geigers und Dirigenten Yehudi Menuhin (1916-1999). In Weimar erzählt GMD George Alexander Albrecht von seinen Begegnungen mit dem Jahrhundertmusiker, und Stipendiaten des Vereins spielen Kammermusik.

„Live Music Now“ existiert seit 1992 in Deutschland und hat sich zum Ziel gesetzt, kostenlos für bedürftige Menschen zu spielen, ihnen damit eine Freude zu schenken und vielleicht sogar eine heilsame Wirkung der Musik hervorzurufen. Das ist so recht typisch für einen wie Menuhin, der sich zeitlebens voller aufrichtigem Humanismus für Nächstenliebe, Frieden und Versöhnung einsetzte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er als einer der ersten jüdischen Musiker 1945 wieder Konzerte in Deutschland. Das konnten viele in seiner US-amerikanischen Heimat und schon gar in Palästina nicht verstehen. Menuhin aber überwand alle Schelte kraft seiner Güte. Er war ein Brückenbauer par excellence. Wer je die Gnade genoss, ihm persönlich zu begegnen, fand sich überrumpelt vom Charisma dieser so unverstellten, authentischen Persönlichkeit.

Unvergesslich ist mir ein Konzert in Siegen, als Menuhin, bereits jenseits der 80, ein Gastspiel der Philharmonia Hungarica dirigierte. Die Geige hatte er, der einen so noblen, mitunter auch harschen Ton spielte, aber stets das innere Wesen eines Werks zu erspüren verstand, beiseite legen müssen, weil die Fingergelenke nicht mehr konnten, wie er wollte. Also avancierte er zum musikalischen Leitwolf für das Orchester, das sich 1956 nach dem Ungarn-Aufstand aus Exilmusikern formiert hatte; damals hatte Menuhin den Flüchtlingen, was halt fehlte – eine Har­fe! – geschenkt. Und wenn man ihn dann auf seinen alten Lehrer, den zu Lebzeiten berühmten Adolf Busch ansprach, der wie seine Brüder allein aus Gründen der Haltung aus Nazi-Deutschland emigriert war, da – ging prompt ein so unvergleichliches Leuchten über Menuhins Gesicht, und er, dieser Weltstar, erzählte voll Demut und Dankbarkeit von alten Zeiten.

Einen wie Yehudi Menuhin – als Geiger vielleicht der Größte aller Zeiten – kann es gewiss nie mehr geben. Ecce homo! Sein Geist aber wirkt lebendig fort bis heute – Live Music Now!

l Heute, 19.30 Uhr, Festsaal Fürstenhaus der Liszt-Hochschule

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