Klenke-Quartett: Vier Bögen feiern die alten Klassiker

Kaum haben sie den 20. Ensemble-Geburtstag gefeiert, schon steht das nächste Jubiläum ins Haus: In die 10. Saison ihrer Weimarer "auftakt"-Konzerte starten Annegret Klenke (Violine), Beate Hartmann (2. Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Cello), die gemeinsam das Klenke-Quartett bilden, kommende Woche Freitag in der Jakobskirche.

"Die sieben letzten Worte": Mit Haydns Quartett, 2006 in der Herderkirche live aufgenommen, hatte das Klenke-Quartett großen Erfolg. Nun rückt der Wiener Klassiker ins Zentrum der Saison. Foto: Haberland

"Die sieben letzten Worte": Mit Haydns Quartett, 2006 in der Herderkirche live aufgenommen, hatte das Klenke-Quartett großen Erfolg. Nun rückt der Wiener Klassiker ins Zentrum der Saison. Foto: Haberland

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Weimar. Diesmal wird‘s klassisch, Joseph Haydn, der "Erfinder" des Streichquartetts, stiftet das Alpha und Omega der Programmreihe. Vom beschaulichen, biederen Nimbus, der "Papa" Haydn der Tradition nach anhaftet, will Primaria Annegret Klenke schier gar nichts wissen. Im Gegenteil: "Der ist sooo witzig", schwärmt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. "Kein anderer baut so viele Gags ein."

Und hat mit dem "Hexen-Menuett" aus dem "Quinten-Quartett", ihrem ersten Auftakt-Stück, gleich den besten Beweis auf dem Bogen. Aber auch ohne den widerborstigen Hexen-Kanon mit dem "teuflischem" Übergang ins derb-komische Trio würde dieses opus 76/2 des Wiener Altmeisters zu den humorvollsten Werken der Gattung überhaupt zählen. Geschickt versteht dieser sich auf die Kunst, mit geweckten Erwartungen zu spielen: "Was man zu hören glaubt, tritt nicht ein", erklärt Klenke. Kombiniert wird der Haydn mit Schuberts "Rosamunde"-Quartett, dessen Menuett an "Die Götter Griechenlands" erinnert, und Mendelssohn Bartholdys D-Dur-Quartett von 1838.

Das Ende von "auftakt" ‘12/‘13 im nächsten Mai beginnt wieder mit Haydn - dem "Lerchenquartett" - im Verein mit Schostakowitschs Elftem und dem c-moll-Quartett op. 51/1 von Brahms. Für dieses Konzert haben sich die vier Quartett-Schwestern etwas Besonderes ausgedacht und einen Workshop "Wie Musik entsteht" für avancierte Hörer vorangestellt.

Dabei können die Gäste morgens im Kammermusiksaal der Weimarer Musikhochschule die Künstlerinnen bei Proben erleben und mit ihnen etwa über Intonation und Motivführung diskutieren. "Dann sehen sie mal, wie viel Arbeit mitunter in ei­nem einzigen Takt steckt", verrät Annegret Klenke. Aber keine Bange, gezankt wird nie, und öffentlich schon gar nicht. Aber erst aus dem Vergleich von Probe und Konzert kann etwas Unerklärliches kenntlich werden: Wie die Magie des Augenblicks in der Aufführung entsteht.

Exerzitien auf alten Instrumenten

In den beiden Konzerten dazwischen machen die Klenkes ihre längst stattliche Thüringer Fan-Gemeinde mit "Künstlerfreundschaften" bekannt: So ist auch der unter Schirmherrschaft des schwedischen Botschafters im Goethe-Nationalmuseum annotierte Abend des 18. Januar betitelt, wenn die vier Frauen im Verein mit Kolja Lessing der Verbindung zwischen dem in den 1920er Jahren berühmten Pianisten und Tonschöpfer Philipp Jarnach und dessen Kölner Schüler Werner Wolf Glaser nachspüren. Das Programm wird ein paar Wochen später in Köln wiederholt und vom Westdeutschen Rundfunk aufgezeichnet.

Für das andere Konzert haben die Klenkes sich wirkliche, alte Freunde - und Freunde des Alten - eingeladen: Das Casal-Quartett musiziert bei den Thüringer Bachwochen in der Jakobskirche Werke Haydns und Mozarts, aber auch von Bach, Telemann und Fasch, um auf praktisch-musikologischer Zeitreise "Die Geburt des Streichquartetts" zu revitalisieren - und dies auf authentisch alten Instrumenten des Tiroler Geigenbauers Jakob Stainer. "Das sind ganz alte Kollegen von uns", sagt Annegret Klenke über die vier Schweizer Freunde. "Die kennen wir schon seit 1996, als wir in mehreren Wettbewerben gespielt haben." Auf historische Instrumente und Spielweisen würden die Thüringer Quartett-Frauen sich selber trotzdem nicht einlassen. "Wir haben solche Experimente mal gemacht - eine schwierige Angelegenheit."

Außer den Auftritten in Weimar ist der Konzertkalender der Vier diese Saison mit Auftritten u."a. in Erfurt (26. November, Kaisersaal), Frankfurt/Main, Berlin (zum 90. Geburtstag der Komponistin Ursula Mamlok), Saulgau, Düsseldorf und Essen gut gefüllt. Für eine Tournee bleibt da keine Zeit, denn jetzt heißt es, auch neue, ambitionierte Projekte vorzubereiten: Etwa von einem Literaturkonzert erzählt Annegret Klenke, das Klaus Manns Tschaikowsky-Roman "Symphonie Pathétique" in den Mittelpunkt stellt. Der Schauspieler David C. Bunners bestreitet den Wortteil u."a. mit Auszügen aus dem Roman, und die Musikerinnen bringen sich auf Augenhöhe mit dem 3. Streichquartett Tschaikowskys ein. Außerdem werde man 2013 - zu dessen 50. Todestag - eines vorzüglichen Bratschers gedenken, der nicht zuletzt eine erkleckliches Oeuvre an hörenswerter Quartettmusik hinterließ: Paul Hindemith.

Fr., 21. Sept., 20 Uhr, Jakobskirche Weimar

Homepage Klenke-Quartett

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