Kritik an Schulpolitik: „Auf Engpässe viel zu spät reagiert“

Erfurt  Interessenvertretungen und Opposition kritisieren das Land für die Personalprobleme in Schulen.

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Die aktuellen Probleme bei der Besetzung frei werdender Lehrerstellen in Thüringen sind aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) „das Ergebnis einer Mischung aus einer geradezu naiven Personalpolitik früherer Landesregierungen und teils zu spät ergriffener Maßnahmen durch die heutige“.

Die jetzige Landesregierung hätte „viel eher und deutlicher“ gegen die zu erwartenden Engpässe vorgehen müssen, betont GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum. So hätten bereits mit der Verabschiedung des ersten rot-rot-grünen Landeshaushaltes Lehrer aller Schularten gleich bezahlt werden müssen, um die Attraktivität des Standortes Thüringen erhöhen. Wäre zudem die Zahl der Lehramtsanwärter frühzeitig erhöht worden, gäbe es das selbst geschaffene Nadelöhr in der Lehrerausbildung nicht und eine geringere Abwanderung potenzieller Lehrer in andere Bundesländer .

Vitzthum beklagt zudem, dass es trotz der Tatsache, dass so viele Stellen im Schuldienst besetzt werden wie noch nie, „kein zusätzliches, unbefristet angestelltes Personal“ gibt. Denn auch die 289 zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten seien kein Aufwuchs im eigentlichen Sinne, sondern kämen dadurch zustande, dass die Stellen der in Altersteilzeit gegangenen Lehrer mit ihrem Ausscheiden nicht weiter abgebaut werden.

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Vor Schulbeginn: Noch hunderte Lehrerstellen in Thüringen unbesetzt

Der Thüringer Lehrerverband (tlv) begrüßt es, dass der Bildungsminister die Probleme klar benannt hat, kritisiert aber, dass erst eine Woche vor Schulbeginn die Anweisung herausgegeben wurde, zur Absicherung des Unterrichts in allen Klassenstufen und Fächern die Lehrerwochenstunden außerhalb des eigentlichen Unterrichts zu kürzen. „Wesentlich zielführender wäre ein Dialog mit den Beteiligten gewesen“, sagt tlv-Vize Frank Fritze. Bereits 2016 habe der tlv gemeinsam mit einigen Schulleitern eine neue Regelung zur Vermeidung von Unterrichtsausfall vorgeschlagen, an der das Ministerium aber scheinbar kein Interesse habe.

Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag hält die Einstellungsoffensive des Bildungsministerium für eine „Mogelpackung“. So sei ein gutes Drittel der für 2019 beabsichtigten Einstellungen noch nicht vollzogen, sagt Christian Tischner, bildungspolitischer Sprecher. Zur Lösung der Misere spricht sich Tischner unter anderem für ein Anreizsystem für Lehrer aus, die dringend benötigt werden: So sollten Bewerber mit einer gefragten Fächerkombination ein höheres Anfangsgehalt erhalten. Die AfD-Landtagsfraktion glaubt, dass „Rot-Rot-Grün mit dem neuen Schulgesetz völlig falsche Prioritäten gesetzt“ hat. Zum Ende der Legislaturperiode könne der Landesregierung insbesondere in der Bildungspolitik nur „ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt werden“.

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