Die TLZ im Lauf der Zeit: Eine Zeitung mit vielen Gesichtern

Weimar  Im Lauf von 75 Jahren hat die TLZ mehrfach ihr Erscheinungsbild geändert - von der Anmutung des Titelkopfes bis zur Anzahl der Textspalten auf den Seiten.

Endlich war es geschafft: Nach den Querelen um die Lizenzvergabe für parteieigene Zeitungen und dem Rücktritt des LDP-Landesvorsitzenden Waldemar Koch war der Weg ab Mitte Dezember 1945 frei. Die Thüringische Landeszeitung konnte drei Mal in der Woche erscheinen. Der Start wurde sogleich mit einer optischen Auffrischung gefeiert. Mit den Ausgaben Ende 1945 zeigte sich die Schrift deutlich geschwungener, runder - und damit weit freundlicher.

Der Wandel hat funktioniert, der Kopf blieb über Jahrzehnte unverändert. Erst zur politischen Wende 1990 erschien im Kopf das TLZ-Kürzel, das wenige Jahre später seine hellblaue Farbe bekam. Mitte der neunziger Jahre kam das Blau dann endgültig ins Spiel. Das TLZ-Logo wurde auffällig am linken Rand platziert. Der Kopf erhielt hingegen wieder eine einheitliche Schriftart.

Europäischer Preis für Zeitungsdesign

Gut 20 Jahre sollte das Gesicht der Zeitung bleiben, die sich vor sechs Jahren erfolgreich einen neuen Anstrich verpasste - ein dunkleres Blau, dazu als Zweitfarbe ein Rotbraun. Die Umstellung wurde belohnt, die TLZ erhielt einen "European Newspaper Award" für dieses Design.

Eine Debatte führte die TLZ im Jahr 1946 indes über die Inhalte der Zeitung. Neben der umfangreichen eigenen Berichterstattung über die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher über das ganze Jahr wurde auch eine "Demokratische Diskussion" durch die TLZ angestoßen.

Journalismus unter staatlichem Druck

Thematisiert wurde der Wandel der Zeitung in den vorangegangenen Jahren. Deutliche Kritik wurde dabei am Umgang der Nationalsozialisten mit der Presse geübt. Lautstark sei damals die Freiheit des Journalismus gefordert worden. "Aber nie ist die politische Meinungsäußerung unterdrückter und gefesselter gewesen", schreibt die TLZ. Alles habe unter dem geistigen Druck des Reichspressechefs gestanden.

Die Meinungsäußerung in der TLZ der Nachkriegszeit war indes wieder eine starke. Noch wenige Wochen zuvor ist in den ersten Ausgaben wenig zu lesen über etwaige Aufarbeitung der Gräueltaten des Nationalsozialismus. Mit der ersten Ausgabe des Jahres 1946 änderte sich das hin zu einer offensiven Herangehensweise. Für Dr. Wilhelm Becker stellte sich somit Monate nach Ende des Krieges die Frage nach der Zukunft. Zurückblicken wollte er dabei nicht, das Kernproblem war in seinen Augen vielmehr der Wiederaufbau.

Jugend entscheidend für Neubeginn

"Das furchtbarste Jahr der deutschen Geschichte ist zur Neige gegangen und mit ihm die schmachvollste Epoche des staatlichen Daseins", findet Becker deutliche Worte. Jener Abschnitt habe den Völkern der ­Erde "und uns selbst" das Höchste an denkbarem Leid und Elend gebracht. Die Herrschaft der Nationalsozialisten bedeute zudem den tiefsten Punkt der gesamten bisherigen materiellen und staatlichen Existenz.

Entscheidend für eine gute Zukunft in der Stunde des zeitlichen Neubeginns sei Becker zufolge die deutsche Jugend. "Ihr gilt darum in dieser entscheidungsvollen Stunde des Jahres unser erster Gedanke und unsere ganze Sorge und Liebe."

In Thüringen boomt das Handwerk nach dem Krieg

Offensichtlich weniger Sorgen mussten sich die Thüringer zu Beginn des Jahres 1946 um die heimische Wirtschaft machen. Unter der Rubrik "Wirtschaft schafft Werte" verkündet die TLZ, dass in Thüringen nicht weniger als 50.000 Handwerksbetriebe angemeldet seien. Im Jahr zuvor waren es noch 37.000. Seit der Kapitulation und dem Ende des Zweiten Weltkrieges habe es demnach 3000 Neugründungen gegeben. 10.000 weitere Betriebe nahmen indes die Arbeit nach Kriegsende wieder auf, was in der Hauptsache mit der Rückkehr von Arbeitern aus der Wehrmacht oder aus der Gefangenschaft zu begründen ist.

Nach dem Willen der Arbeiter selbst hätte es derweil aber noch weit mehr Betriebsneugründungen gegeben: "Das Handwerk hat goldenen Boden", schreibt die TLZ vor fast 70 Jahren. So wurden sogar 14.000 Anträge auf Neugründungen eingereicht, nur ein kleiner Teil habe aber wegen Rohstoff- und Maschinenmangel nicht bewilligt werden können. Zu tun gab es für die Betriebe allerdings genug, denn der Wiederaufbau in den vom Krieg gezeichneten Thüringer Städten musste vorangetrieben werden. Auch aufgrund der Zerstörung Nordhausens, das zu etwa 80 Prozent ­zerbombt worden sei, ist ein Sonderbeauftragter für den Wiederaufbau bestellt worden, heißt es im Bericht zu den Schäden.

600 beschädigte Gebäude in Weimar

Weimar ist damals verhältnismäßig glimpflich davongekommen, nur von einem Kratzer zu sprechen, käme aber zu kurz: "9000 m³ Schutt am Weimarer Markt" titelt die TLZ 1946.

Im Stadtgebiet habe es demnach über 600 beschädigte Gebäude gegeben. Ein dreiviertel Jahr nach Kriegsende wurden in der Klassikerstadt knapp 1400 Lkw-Fuhren mit Baumaterial zum Wiederaufbau gezählt. 1400 Bomben und zwei schwere Luftminen haben die Stadt getroffen, heißt es weiter. Von den mehr als 600 beschädigten Gebäuden seien 341 total zerstört worden. Ferner hatte der Landkreis Weimar Kriegsschäden von 1.850.000 Millionen Reichsmark zu beklagen.

Die TLZ widmet sich 1946 aber auch der Kultur: In zahlreichen Ausgaben machen sich die Autoren Gedanken über die Lesekultur, über die Pflege der Musik, über Bücher und über Operetten. Ein großer Beitrag galt etwa Johann Sebastian Bach. Thüringen habe Bach viel zu verdanken, heißt es dort. Und andersherum habe Bach durch seine Thüringer Zeit an immenser Bekanntheit gewonnen. "Eisenach - Ohrdruf - Arnstadt - Mühlhausen - Weimar als Stationen seines Aufstiegs", titelte die TLZ.

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