Bunte Kulturszene in Erfurt bei "Kultur flaniert"-Tag

Ideen sprießen in Erfurt zwischen Gärten und Gebälk: Hunderte Neugierige lernen beim "Kultur flaniert"-Tag die vielfältige Erfurter Kulturszene abseits des Mainstreams kennen.

Erholung in der Lagune in der Löbervorstadt genossen am Samstag auch Stephanie Schulze und Frank Mittelstädt. Foto: Martin Moll

Erholung in der Lagune in der Löbervorstadt genossen am Samstag auch Stephanie Schulze und Frank Mittelstädt. Foto: Martin Moll

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Erfurt. Kultur findet ihren Raum - unter Brücken, in leer stehenden Gemäuern, zwischen Rotkohl und Kartoffeln, unter Birken und neben Wäschereien. Wer sich am Samstag, 19. Juli 2014, aufs Fahrrad schwang oder einen Spaziergang bei hohen Temperaturen nicht scheute, konnte sie erleben: die Vielfalt der soziokulturellen Szene der Landeshauptstadt.

"Kultur flaniert" haben die Organisatoren - verschiedene Akteure, Initiativen und Vereine - das Angebot genannt, mit dem sie Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche kulturellen Lebens gewähren; knapp zwanzig an der Zahl. Dass die schattigen Orte besonders beliebt sind, verwundert nicht - und freut diejenigen, die mit der Lagune in der Werner-Uhlworm-Straße schon vor acht Jahren eine grüne Oase inmitten der Krämpfervorstadt angelegt haben.

"Früher stand hier mal eine Kfz-Werkstatt, dann war es eine wilde Wiese, und jetzt ist das hier daraus geworden", sagt "Lagunaut" Frank Mittelstädt und zeigt auf Bäume, Bühne, Bar und Sandkasten. "Die Lagune ist durchaus etwas anderes als ein klassischer, geordneter Garten." Das Interesse an Natur und alternativen Formen von Freizeitgestaltung habe sich in den vergangenen Jahren in Erfurt gewandelt, sagt Mittelstädt. "Man merkt es gut bei jungen Familien, die das Wunder des Lebens gerade kennengelernt haben und ihr Leben generell bewusster gestalten möchten."

Von kreativer und tatkräftiger Gestaltung braucht den Mitgliedern des Vereins "Nordbahnhof" niemand etwas zu erzählen. In jeder freien Minute hämmern, schrauben und bohren sie am Gebäude neben der Bahnstrecke, das lange Zeit größtenteils nicht genutzt wurde - und einer gründlichen Sanierung bedarf. Musikfreak Joschi, der bislang noch im Woodstock-Plattenladen in der Michaelisstraße über aktuelle Trends und zeitlose Sounds fachsimpelt, möchte im Norden der Stadt eine Anlaufstelle für Kultur abseits des Mainstreams schaffen. Dreizehn junge Leute helfen ihm dabei - und hoffen, dass im nächsten Jahr die erste Band im Nordbahnhof spielen kann. "Wir wollen etwas anderes anbieten als das, was man in Erfurt schon kennt und findet," sagt Christopher Zobel. "Auch Kinoabende oder andere kulturelle Veranstaltungen sind denkbar."

Keine Grenzen gesetzt werden der Kreativität auch in der Saline 34. Im vierstöckigen Eckhaus in der Salinenstraße haben Fotografen, Medienberater, Rapper, Modedesigner und Tontechniker Arbeitsräume gefunden. "Hier finden sie Platz für 1,80 Euro pro Quadratmeter, damit werden die Betriebskosten gedeckt", sagt Steffen Präger vom Plattform-Verein, der das Gebäude nutzbar gemacht hat. Die kulturinteressierten Spaziergänger erleben hautnah, was die Saline 34 und die anderen Kulturorte der Stadt auszeichnen: Sie sind nicht nur Werkstätten, sondern bieten Raum für Geselligkeit, Visionen, Motivation für die Umsetzung der Ideen - und für viel Heiterkeit.

Friedrich Ernst von Garnier: ,Thüringens Städte brauchen mehr Farbe'

Künstler beleben ungenutztes Gelände in Erfurt

Erfurt mit neuen Augen sehen: Hereinspaziert: ,Kultur flaniert!'

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren