Große TLZ-Umfrage: Wie stehen die Deutschen zum Mauerfall?

Fast jeder zweite Deutsche will die D-Mark zurück und jeder sechste Deutsche die Mauer das sind zwei Ergebnisse der TLZ-Umfrage

Endlich D-Mark: Bei der Begrüßungsgeldauszahlung – hier im Hünfelder Rathaus vor 25 Jahren. Inzwischen gibt es den Euro – doch fast jeder Zweite in Thüringen wünscht sich die harte Mark zurück. Mit 46 Prozent liegen die Befragten hierzulande sogar zwei Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Foto: Karl_Heinz Burkhardt

Endlich D-Mark: Bei der Begrüßungsgeldauszahlung – hier im Hünfelder Rathaus vor 25 Jahren. Inzwischen gibt es den Euro – doch fast jeder Zweite in Thüringen wünscht sich die harte Mark zurück. Mit 46 Prozent liegen die Befragten hierzulande sogar zwei Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Foto: Karl_Heinz Burkhardt

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Weimar/Erfurt. Als die Mauer fiel, wurden die DDR-Bürger im Westen mit der harten Mark empfangen. Das Begrüßungsgeld hat Eindruck hinterlassen; der Euro wird skeptisch betrachtet. In Thüringen wünschen sich 46 Prozent der Befragten die D-Mark zurück - das ist fast jeder Zweite. Damit liegen die Menschen hierzulande im Trend: 44 Prozent aller Deutsche äußerten beim Insa-Meinungstrend diesen Wunsch. Die TLZ hatte die repräsentative Umfrage bei den Erfurter Institut Insa-Consulere in Auftrag gegeben. Bis zur Wochenmitte wurden 2020 Personen befragt - und die Antworten nach Herkunft, Alter sowie Parteipräferenz ausgewertet. Das Ergebnis ist klar: Die D-Mark weckt Sehnsüchte. Bei Ostdeutsche noch stärker als bei Westdeutschen. Bei Älteren mehr als bei Jüngeren, bei Frauen mehr als Männern, macht Insa-Chef Hermann Binkert deutlich.

Ostdeutsches Spitzen-Duo?

Hier die Ergebnisse im Einzelnen. Bei der Aussage "Ich finde es gut, dass mit Merkel und Gauck zwei Ostdeutsche an der Spitze des Staates stehen" wertschätzt nicht einmal jeder dritte Befragte das ostdeutsche Gespann an der Staatsspitze. Auffällig gering ist die Zustimmung bei den unter 30-Jährigen, die sich mehrheitlich keine Meinung zu diesem Thema gebildet haben. Im Osten ist die Zustimmung signifikant höher als im Westen. So liegt sie in Thüringen bei 44 Prozent. Nur bei Wählern der Union und der Grünen überwiegt die Zustimmung - mit 75 Prozent und 58 Prozent, wenn nur jene berücksichtigt werden, die dazu ein Meinung haben. Die Akzeptanz von Merkel und Gauck ist vor allem bei den Anhängern der Linken (31 Prozent) und AfD (27 Prozent) sowie bei den Nichtwählern (25 Prozent) gering.

Der Aussage "Die Lebensleistung der Ostdeutschen wird in der Bundesrepublik nicht gewürdigt" stimmen bundesweit 30 Prozent der Befragten zu. Männer (32 Prozent) sind häufiger dieser Meinung als Frauen (28 Prozent). Vor allem jüngere Befragte können dies aufgrund fehlender Erfahrungen nicht einschätzen - und machen dies auch durch Enthaltung einer Meinung in diesem Punkt deutlich. Mehr als die Hälfte der Ostdeutschen empfindet die eigene Leistung als nicht genügend gewürdigt. In Thüringen sagen dies sogar 65 Prozent der Befragten. Besonders die Anhänger der Linken haben das Gefühl, dass die Leistung der Ostdeutschen nicht geschätzt wird. Mehr als zwei von drei Anhängern der Linken stimmten dieser These zu.

Wieder eine Mauer zwischen Ost und West?

Insa wollte von den Befragten auch wissen, ob sie "gerne wieder die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland" hätten. Das Ergebnis: Fast jeder sechste Deutsche wünscht sich die Mauer zurück. Unter denjenigen, die sich eine Meinung gebildet haben, sind es 18 Prozent, die dies möchten. Die Zustimmung variiert nur leicht zwischen den Altersgruppen.

Auch zwischen Ost und West gibt es nur leichte Unterschiede - auffällig ist allerdings, dass sich Westdeutsche die Mauer etwas öfter zurückwünschen als Ostdeutsche. Am höchsten ist die Zustimmung unter den Wählern der AfD und der Piraten. Und: Jeder vierte Nichtwähler, der eine Meinung zu dem Thema hat, will die Mauer zurück.

Viele fühlen sich zugleich als Europäer und Ostdeutsche

Der Aussage "Die friedlichen Demonstrationen in der damaligen DDR haben zum Mauerfall und der gewaltfreien Revolution geführt" stimmt die Mehrheit (65 Prozent) der Befragten zu. Insbesondere die männlichen Befragten (72 Prozent) sehen die friedliche Demonstrationen in der DDR als Auslöser des Mauerfalls. Bei den Frauen sind es 57 Prozent. Vor allem jüngere Befragte können dies nicht einschätzen - 35 Prozent von ihnen wollen lieber keine Meinung äußern; 44 Prozent der Unter-25-Jährigen stimmen allerdings zu. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen gibt es 51 Prozent Zustimmung zu der Aussage, dass die friedlichen Demonstrationen maßgeblich für den Mauerfall waren. Befragte aus den neuen Bundesländern stimmten der These öfter zu als Befragte aus den alten Bundesländern. In Thüringen sind es 75 Prozent. Die Zustimmung variiert nur leicht zwischen den Parteien. Jeder dritte Nichtwähler lehnt diese These allerdings ab.

Und wer hätte gerne die D-Mark zurück? In dieser Frage gibt es keinerlei Unterschiede zwischen Ost und West. Mit dem Blick auf das Alter sind es vor allem die Befragten ab 45 Jahren, die der D-Mark nachtrauern.

Ist Deutschland sozialistischer geworden?

Eine These lautete: "Nach der Wiedervereinigung ist Deutschland sozialistischer geworden." Etwa jeder Fünfte meint, dass dies zutrifft. Viele der jüngeren Befragten (47 Prozent) können dies nicht einschätzen und gaben keine Meinung dazu ab. Während im Westen fast jeder Vierte so empfindet, ist es im Osten nur jeder Achte. Vor allem Anhänger der CDU/CSU und der FDP stimmen dieser These zu. Das linke Lager lehnt diese These eher ab.

Gefragt wurde auch nach der Verortung. "Ich fühle mich als Europäer", sagen fast sieben von zehn Befragten. Vor allem Personen ab 45 Jahren können dem zustimmen, während jeder fünfte Befragte unter 25 Jahren dazu keine Meinung dazu hat. Anhänger der Linken (62 Prozent) und der AfD (52 Prozent) fühlen sich am seltensten als Europäer. Die größte Zustimmung kommt von den Anhängern der SPD (81 Prozent) und der Grünen (83 Prozent). Wer sich der FDP nahe fühlt, sagt in vier von fünf Fällen ebenfalls, dass er sich als Europäer fühlt. "Ich fühle mich als Deutscher", bestätigen acht von zehn Befragten. Auch hier steigt die Zustimmung mit dem Alter, während jüngere Befragte (16 Prozent) hier häufiger eine Angabe verweigern. Ihre Zustimmung liegt bei 73 Prozent; bei den Über-55jährigen jedoch bei 86 Prozent (keine Angaben machen hier nur 5 Prozent). Besonders hoch ist die Zustimmung bei CDU/CSU-Anhängern. Für mehr als ein Drittel der Befragten ist die Einteilung in Ost- und Westdeutschland noch aktuell. Dies gilt vor allem für Befragte in den neuen Bundesländern. Für die Mehrheit der Unter-34-Jährigen existiert diese Einteilung nicht mehr. Während die Hälfte der Linken- und AfD-Anhänger die Differenzierung als relevant empfinden, lehnen sie vor allem Anhänger von SPD und Grünen ab.

Lesen Sie am Montag, was die Thüringer auf die Thesen "Deutschland sollte auf gute Beziehungen zu Russland setzen" und "Deutschland sollte fest in die Nato und die Europäische Union integriert sein" antworten.

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Hier finden sich alle Grafiken zur Umfrage

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