Immer auf der Suche nach Abenteuer: Ein Weltenbummler aus Eisenach im TLZ-Interview

Eisenach  Am 3. Oktober moderiert Konstantin Arnold einmal mehr die Deutsche Meisterschaft im Wellenreiten, die in St. Girons in Frankreich ausgetragen wird. Der Eisenacher ist selbst Surfer und ein Weltenbummler. Seit Herbst 2009 studiert er an der Sporthochschule in Köln (Sportmanagement und -journalismus). Seit knapp acht Jahren surft der reiselustige Eisenacher an den Küsten dieser Welt. Im TLZ-Interview erzählt er von seinen Abenteuern.

Surfer Konstantin Arnold dürfte der erste Mensch sein, der es zum Fototermin mit seinen Brettern auf den Metilstein geschafft hat, einen Kultplatz für (junge) Eisenacher. Diese Mischung gefällt ihm, so verschmelzen Hobby und Heimat Foto: Jensen Zlotowicz

Foto: zgt

Sie machen gerade ein paar Wochen Station in Ihrer Heimatstadt Eisenach. Spüren Sie schon wieder Fernweh?

Ja. Aber ich genieße auch die Zeit zu Hause bei meiner Mutter, bei meinen Kumpels, die „Einfachheit“. Eisenach ist für mich der einzige Platz auf der Welt, wo ich alle Fünfe gerade sein lassen kann, wo ich keinerlei Verpflichtungen habe. Eisenach ist mein schönstes Urlaubsziel.

Sie sind also ein heimatverbundener Weltenbummler?

Ja. Ich bin da ambivalent. Zum einen mag ich das rasante Leben an verschiedenen Plätzen der Welt, das Surfen, die Freiheit und Abenteuer. Andererseits mag ich die kleine Scholle, den Ankerplatz und Klöße mit Rotkohl bei Muttern. Wenn ich von irgendwo nach Hause komme, dann bin ich oft fertig, kaputt, von den Reisen gezeichnet. Hier regeneriere ich mich und tanke auf.

Für einen Thüringer liegt Surfen nicht auf der Hand. Wie kamen Sie zu diesem Metier?

Niemand hat mir in meiner Kindheit ein Surfbrett gegeben. Ich habe mit meinen Freunden Fußball gespielt und geskatet. In Portugal kam ich spät, mit 17, zum ersten Mal mit Surfen in Berührung. Das hat mich gepackt. Dann hab ich mich in Frankreich sofort als Surflehrer beworben. Die haben aber bald gemerkt, dass ich das noch gar nicht kann. Da musste ich erst mal einen Bus fahren.

Sie haben sich das Surfen dann also selbst beigebracht?

Mehr oder minder. Ich habe bei einigen namhaften Surfern gearbeitet. Man muss sich Dinge abschauen und dann üben. Beim Surfen gibt es ständig wechselnde Bedingungen, nicht wie beim Fußball, wo die Ausgangslage beim Elfmeterschießen immer dieselbe ist. Surfen bedeutet, 5000 Mal den gleichen Fehler zu machen und es dann vielleicht zu beherrschen.

Um die Welt reisen und studieren. Wie funktioniert das?

Jeder hat doch die Möglichkeit, zeitweise im Ausland zu studieren. Der Pool an Auslands-Universitäten ist groß. Die Zahl der Bewerber freilich auch. Das Bewerbungsverfahren ist mit viel Bürokratie verbunden und schon das Bewerbungsgespräch wird auf Englisch geführt. Da muss man aber durch und am besten auch den Auslandsamtsleiter an der Uni gut kennen (grinst). Das Urlaubssemester dauert von Juli bis Dezember und häufig hänge ich gerne ein paar Monate hinten dran. Ehrlich gesagt weiß ich momentan gar nicht, in welchem Semester ich bin. Ich weiß aber, dass ich nur noch meine Bachelor-Arbeit schreiben muss.

Sie haben an der University of Waikato in Neuseeland und der Sunshine Coast-Uni in Australien studiert. Ist das nicht alles irre teuer?

Für mich war es nur durch ein Stipendium meiner Uni möglich und es gibt Auslands-Bafög. Ansonsten muss man Mittel und Wege finden, um preiswert zu leben. Man braucht den Flug und etwas Startkapital. Eine Bude auf dem Campus-Gelände der Uni ist schnell zu finden, aber davon rate ich ab, denn sie ist sehr teuer. Ich habe zum Beispiel über Facebook in bestimmten Gruppe und bei Bekannten von Bekannten nach einem Schlafplatz angefragt. Es gibt auch eine „Couch-Surfing“-Plattform. Auf diese Weise kommt man preiswert zum Schlafplatz. Mittlerweile habe ich ein ganz gutes Netzwerk aufgebaut. In Australien habe ich übrigens keinen einzigen Deutschen getroffen, der das so macht.

Trifft man da unten viele Deutsche?

Ja, extrem viele. Aber viele reisen und leben auf tradierten Bahnen. Sie besuchen die selben Plätze, machen die gleichen Fotos und führen ein mehr oder minder gleiches Leben. Die Touri-Straße Great Ocean Road habe ich nicht gesehen und hab es nie bereut. Dafür lebe ich „lost“ – ohne Netz und doppelten Boden.

Surfer gelten als coole Typen, die braun gebrannt sind, Mädchen haben und Party feiern. Ist das eine Mär?

Das Surfer-Boy-Image hat für mich keine Bedeutung. Stattdessen geht es mir um den Sport, hinter dem trotz Sonne, Palmen und scheinbarer Leichtigkeit auch eine Menge Arbeit steckt Denn auch in diesem Metier gilt: Ohne Moos nichts los.

Und womit tun Sie das?

Ich hatte zum Beispiel einen Studentenjob beim Fernsehsender RTL. Ab Oktober arbeite ich als Moderator für die Münchner Agentur Moving Adventures auf der European Outdoor Filmtour – bis Dezember. Ich habe vier Jahre für eine Agentur aus Hamburg (Island Collective) gearbeitet. Und die Deutsche Meisterschaft im Wellenreiten, Hochschulmeisterschaften, Surf & Skate Festivals, Filmpremieren und Events moderiert. Das ist ein guter Job.

Auf Ihren Surfbrettern steht „WACHS“. Was hat es damit auf sich?

Seit drei Jahren betreibe ich mit zwei Mitstreitern das momentan einzige deutsche Surfmagazin mit diesem Titel. Wir produzieren alles selbst und verzichten auf übermäßige Werbung. Bisher haben wir „Wachs“ über Crowdfunding (Geld von Sympathisanten im Vorfeld) finanziert. Fans vertreibt das Magazin jetzt deutschlandweit in ihren Stores. Und dann gibt es da noch den Internet-Blog ( www.bynd-mag.com ), in dem ich meine Erfahrungen aus der großen weiten und geilen Welt aufschreibe und das durch die Brille eines Spätpubertären.

Warum spätpubertär?

Na ja, ich will doch nie erwachsen werden ...

Wie hoch liegt denn die Messlatte bei einem Auslandssemester, etwa im Vergleich zur Hochschule in Köln?

Das Studium (in Englisch) ist mitunter hart. Da werden fünf Präsentationen, drei Examen, fünf Tests und zig Hausarbeiten verlangt – pro Fach. Da sollte das Zeitmanagement stimmen.

Ein Tennisschläger lässt sich einfacher transportieren als zwei Surfbretter mit Beiwerk. Wie kompliziert ist das?

Oft ist der Transport sehr problematisch, ab und zu auch chaotisch, zum Beispiel auf Bussen in Südamerika und nicht selten teuer – vor allem im Flugzeug.

Wer so viel zu erzählen hat, der könnte glatt ein Buch schreiben.

Das tue ich auch. Im vergangenen Jahr habe ich ein Buch zusammen gezimmert. Im September soll es veröffentlicht werden, im Selbstverlag. Es wird 34 Geschichten über das (Surfer)-Leben enthalten und auch etwas meine Generation reflektieren. Dabei nehme ich mich aber nicht so ernst. Die Leser sollen vor allem Fernweh kriegen (blödes Wort). Am Ende steht dann auch für alle die Frage: Was macht eigentlich glücklich?

Sie haben Eindrücke aus vielen Teilen der Welt gewonnen. Gibt es besondere Momente?

Surfen auf einem großen Süßwassersee in Nicaragua zum Beispiel, der Offshore-Wind produziert (das Bonbon für Surfer/d. Red.). Oder die Dominanz der Asiaten in der Karibik. Dort ist fast alles in chinesischer Hand. Und die wirtschaftliche Lage in Neuseeland, wo aus meiner Sicht der Kollaps droht. Die Preise sind exorbitant. Besonders sind immer die Menschen, die man unterwegs trifft.

Macht ein so buchstäblich bewegtes Leben eigentlich eine Freundin mit?

Oh, ganz schwierige Kiste.

Was steht für den Sportkommunikationsstudenten demnächst an?

Mein Studium in Köln natürlich. Nach Weihnachten geht es dann wieder nach Kalifornien, weil das neben allem gelogenen „Reisen erweitert den Horizont“-Kalendersprüchen wirklich eine Hausnummer war, die mich an meine Grenzen gebracht hat. Ab Mitte nächsten Jahres gehe ich dann nach Stockholm.

Da ist es aber etwas kalt zum Surfen.

Dort absolviere ich mein Master-Studium. Und ich weiß noch nicht mehr, als dass es in Englisch läuft. Hinter diesem Kapitel stehen bisher nur Fragezeichen. Ich bin selbst gespannt.

Es macht nicht den Eindruck, dass Sie später bei einem Sportausstatter Surfbretter verkaufen wollen. Was stellen Sie sich denn noch so alles vor?

Keine Ahnung. Ich habe den Traum von San Sebastian (Spanien) als Lebensmittelpunkt. Dort hat es mit bisher am besten gefallen.

Also nicht zurück ins Eisenacher Mariental?

Eisenach bleibt immer ein Teil meines Lebens. Ich werde nie weg sein. Und wer weiß, vielleicht schließt sich in meiner Geburtsstadt in ferner Zeit mal wieder der Kreis.

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