Jahresempfang des Paritätischen: Aufforderung zu mehr Mitmenschlichkeit

Neudietendorf  Emma Mai singt mit Flüchtlingskindern in der Krügervilla Neudietendorf zum Neujahrsempfang des Paritätischen. Die Chormitglieder stammen aus dem Weimarer Flüchtlingsheim, in dem die Musikerin seit Oktober 2016 ehrenamtlich tätig ist.

Jum Jahresempfang des Paritätischen in der Krügervilla Neudietendorf sang der Habibi-Chor mit Emma Mai (rechts). Die Kinder stammen aus dem Weimarer Flüchtlingsheim. Foto: Wieland Fischer

Jum Jahresempfang des Paritätischen in der Krügervilla Neudietendorf sang der Habibi-Chor mit Emma Mai (rechts). Die Kinder stammen aus dem Weimarer Flüchtlingsheim. Foto: Wieland Fischer

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Es war der vorerst letzte Auftritt der Gruppe, wie Maria Antonia Schmidt (die als Emma Mai agiert) erklärte. Sie hofft darauf, dass gestellte Förderanträge genehmigt würden und so eine Weiterführung des Projektes möglich werde.

Der Auftritt ist gelebtes Miteinander und entspricht dem Jahresmotto des Paritätischen, der in Neudietendorf seinen Sitz hat, und dem Leitspruch des Empfangs: „Mitmenschlich denken und handeln.“ Unterstützer und Akteure des Dachverbands waren dazu gekommen. Denen sicherte Rolf Höfert, Vorstandsvorsitzender der Parität, zu: „Wir wollen weiter auf Menschen in Not ein Auge haben.“ Das gelte aber nicht nur für Flüchtlinge.

Rolf Höfert verwies auf die mehr als 350 000 Menschen in Thüringen, die an oder unterhalb der Armutsgrenze leben. „Auch die brauchen Unterstützung“, betonte er und überreichte dazu Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linke) den aktuellen Armutsbericht der Parität.

„Wir wissen, was gemeinsam zu tun ist, um der Armut zu begegnen“, nahm sie diesen Anstoß auf. Die Ministerin würdigte das Engagement der im Paritätischen vereinten Verbände. Für einen funktionierenden Sozialstaat bedürfe es einer kritischen Zivilgesellschaft. Die Landesregierung setze nur den Rahmen dafür. Sie forderte zu kritischer Begleitung von Seiten der Wohlfahrtsverbände auf. „Wir müssen es aushalten.“ Von einer gerechteren Gesellschaft sei man noch „recht weit entfernt“, stellte sie fest. Sorge bereite ihr die Zunahme menschenverachtender Haltungen und Worte.

Ähnlich empfindet das Rolf Höfert. Auch mit Blick auf den anwesenden AfD-Landtagsabgeordneten Jürgen Henke sagte Höfert: „Die AfD bereitet uns mit ihren Aussagen und ihrer Politik große Sorgen und macht uns Angst.“ Der Paritätische stelle dem sein Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit und zum Dialog entgegen.

Ein Mittel gegen Fremdenfeindlichkeit könne nur mitmenschliches Handeln sein, sagte die Ministerin. „Gemeinsam müssen wir das leisten.“

Heike Werner trat auch dem Vorwurf entgegen, die Landesregierung und ihr Ministerium würden sich jetzt nur um Flüchtlinge kümmern. „Kein einziges Projekt ist wegen der Flüchtlingsarbeit gestrichen worden.“ Sie habe auch den Anspruch, die Zuwanderer in die Gesellschaft zu integrieren.

Zwei von zahlreichen gelungenen Beispielen und Akteuren dafür stellte Moderator Hartmut Kaczmarek vor: Susanne Zwiebler vom Deutschen Familienverband und Jürgen Rauschenbach von FAU Sondershausen. Am Drosselberg in Erfurt, einer klassischen Plattenbausiedlung, haben sich Ehrenamtler unter der Regie des dortigen Family-Clubs aufgemacht, um Flüchtlingen bei ihren ersten Schritten in Deutschland zu helfen.

In Nordthüringen haben sich vier Träger in vier Kreisen aufgemacht, Flüchtlingen mit einer guten Bleibeperspektive bei der Arbeitssuche zu helfen. Im Kreis Sondershausen wird das Projekt von der Gemeinnützigen Förderungsgesellschaft Arbeit und Umwelt (FAU) betreut.

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