Jenaer Förderverein Johannisfriedhof macht Frühjahrsputz

Frühjahrsputz auf dem Johannisfriedhof: Förderverein plant weitere Arbeitseinsätze in diesem Jahr, um den Park zu erhalten.

Der Vorstand des Fördervereins Johannisfriedhof Jena: (von rechts) Eckart Bock, Ralf Kleist, Bertram Flößner, Stefan Danz, Theo Peschke und Christian Weiß an einem Brunnen, den der Jenaer Maler und Bildhauer Frank Rub gestaltet hat. Fotos (3): Lioba Knipping

Der Vorstand des Fördervereins Johannisfriedhof Jena: (von rechts) Eckart Bock, Ralf Kleist, Bertram Flößner, Stefan Danz, Theo Peschke und Christian Weiß an einem Brunnen, den der Jenaer Maler und Bildhauer Frank Rub gestaltet hat. Fotos (3): Lioba Knipping

Foto: zgt

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Jena. "Hier in Jena ist ein sehr schöner Friedhof, durch den jetzt unerhörterweise eine Straße gelegt werden soll; allerdings besteht der Reiz weniger in besonders schönen Grabmälern als in dem Gewirr von Büschen und Bäumen ..." Das schrieb Ricarda Huch über den Johannisfriedhof in einem Brief an den Verleger Martin Hürlimann, mit dem zusammen sie ein Buch über bedeutende Friedhöfe plante ("Briefe an die Freunde", herausgegeben von Marie Baum, Tübingen 1955).

Der Johannisfriedhof, der 1307 erstmals urkundlich als Friedhof für das Dorf Leutra erwähnt wurde, hat in der Tat eine wechselvolle Geschichte, bis er 1947 als Friedhof geschlossen wird. Seit 1978 wird er als Park genutzt und ist zu einer 1,5 Hektar großen grünen Oase mitten in der Stadt geworden. Zu Beginn des vergangenen Jahres drohte ihm die Schließung: Kranke Bäume drohten umzustürzen, Äste abzufallen. Die evangelische Kirche als Eigentümerin konnte die Sicherheit nicht mehr gewährleisten, die Pflegekosten in Höhe von 30 000 Euro pro Jahr konnten nicht aufgebracht werden.

Im Mai 2014 gründete sich als Retter in der Not der "Förderkreis Johannisfriedhof Jena e.V.", dem inzwischen mehr als 80 Mitglieder angehören. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, den Friedhof, seine Gräber und Mauern sowie Flora und Fauna zu pflegen, um dieses Kleinod erhalten zu können.

Am ersten Arbeitseinsatz in diesem Jahr beteiligten sich am Samstag mehr als 30 Männer und Frauen. Am späteren Vormittag waren auch noch einige Mütter mit ihren Kindern, die ihre eigenen kleinen Harken und Rechen mitgebracht hatten, dazugekommen. Laub wurde zusammengefegt, Totholz beseitigt. Die ersten Frühlingsblüher - Primeln, Schneeglöckchen und Blausterne - stehen nun frei, bekommen Luft.

Doch der Verein hat sich weit mehr vorgenommen als die Pflegearbeiten. "Wir wollen in diesem Jahr, wenn es möglich ist, ein großes Projekt angehen und das ist die Erneuerung der Grabstätte von Friedrich Gottlob Schulze, dem Gründer und ersten Rektor der Agrarschule in Zwätzen", sagt Vorstandsmitglied Ralf Kleist. Dazu solle unter anderem das Geld verwendet werden, das beim Opernball "pro Jena" des Kirchbauvereins Ende vergangenen Jahres zusammengekommen war. Schulze starb 1868 und liegt mit seiner Familie unmittelbar hinter der Friedenskirche an einer großen Mauer begraben. "In dem Zusammenhang müssen wir auch zumindest die Platte oben auf der Mauer erneuern", so Kleist.

Ein weiteres Projekt des Vereins: Für zehn Grabstätten berühmter Persönlichkeiten, die dringend pflegebedürftig sind, werden Paten gesucht, die dies übernehmen. Die ersten beiden haben sich bereits gemeldet: Die IGS Grete Unrein wird sich um das Grab von Johann Jacob Griesbach kümmern, der 1812 in Jena starb. Und Ilona und Frank Behlert pflegen und erhalten die Grabstätte von Caroline von Wolzogen.

Doch Ralf Kleist hat auch noch einen Traum: "Ich würde mir wünschen, dass wir diesen Brunnen, den der Jenaer Bildhauer Frank Rub schuf, als er zwischen 1981 und 1985 den Johannisfriedhof restauriert hat, wieder so instandsetzen können, dass das Wasser wieder fließen kann."

Meinung: Gedächtnis der Stadt

Es tut gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren. Erst recht dann, wenn es um die Geschichte und damit auch um das Gedächtnis eines Ortes geht. Denn dies ist der Johannisfriedhof: ein Teil des Gedächtnisses der Stadt Jena - nicht nur, weil dort berühmte Persönlichkeiten, die einst hier lebten und wirkten, begraben sind. Verfiele der Friedhof, wäre dieses Gedächtnis zerstört. Damit hätten auch das Gedenken und die Erinnerung keinen Ort mehr. Die Vergänglichkeit ist dort ebenfalls präsent, das Werden und Vergehen der Natur wie des Menschen. Auch daran muss Mensch erinnert werden. Dass dieses Gedächtnis weiter gegenwärtig ist, darum kümmert sich der Förderverein. Danke dafür!

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