Junge Israelis überwinden in Erfurt vielerlei Hürden

Erfurt  Was in Israel beschwerlich bis gar nicht funktioniert, läuft in Erfurt wie am Schnürchen. Juden, Muslime und Christen aus Haifa spazieren gemeinsam durch die Stadt. Sie witzeln, lachen, fotografieren sich gegenseitig und zusammen vor der Alten Synagoge und dem Dom.

In nur zwei Wochen möchten die Studenten aus Haifa Erfurt und Berlin kennenlernen, die Gedenkstätte Buchenwald besuchen und eine Ausstellung erarbeiten. Professorin Birgit Schäbler leitet das Programm, das von der Bosch-Stiftung gefördert wird. Foto: Martin Moll

Foto: zgt

Auch die Moschee in der Krämpfervorstadt werden die rund fünfzehn jungen Frauen und Männer dieser Tage besuchen.

Die Studenten aus Erfurts Partnerstadt am Mittelmeer sind Teilnehmer einer Summer School, organisiert vom Lehrstuhl für Geschichte Westasiens der Universität. Eine Woche lang erkunden sie Erfurt, anschließend geht‘s für ein paar Tage nach Berlin. „An der Universität Haifa nehmen wir alle am Projekt ‚Classmates for Coexistence‘ teil“, erzählt die 22-jährige Manar Kattoura. Dieses fördert den Kontakt zwischen Studenten mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen – jüdische Israelis, muslimische und christliche Palästinenser und Angehörige der Minderheit der Drusen.

Diejenigen, die derzeit in Erfurt sind, kommen alle aus Israel, nicht aus dem Westjordanland oder dem Gazastreifen. Doch die Konflikte in ihrem Land und die Zerrissenheit der Bevölkerung erleben sie alle seit Kindheitstagen.

Rokaya Adawi ist Muslima, Adi Ozdoba Jüdin. Seit einiger Zeit sind die beiden Frauen ein Tandempaar an der Universität Haifa. Die eine lernt Englisch und Hebräisch, die andere versucht sich im Arabischen. Sie laden sich gegenseitig zu ihren Familien ein; sie kochen, schauen Filme, sprechen über all das, was Menschen zwischen 20 und 30 so interessiert. „Meine Mutter ist sehr glücklich, dass ich an diesem Programm teilnehme und wir dadurch Kontakt zu jüdischen Familien bekommen“, sagt Rokaya Adawi.

In dem Land, wo Vorurteile, Angst und Hass das Zusammenleben erschweren, ist dies keine Selbstverständlichkeit. „Die Teilung der Gesellschaft in Israel wird nicht besser“, sagt Professorin Birgit Schäbler. Auch in Haifa bleiben Juden und Palästinenser überwiegend unter sich – auch aufgrund von Sprachbarrieren. „Die Schulbildung in den Dörfern ist nicht gerade gut“, sagt Schäbler. „Dementsprechend schlecht sprechen Palästinenser Hebräisch, wenn sie zum Beispiel ihr Studium beginnen.“

Auch hier soll „Classmates for Coexistence“ helfen. Viele der Teilnehmer geben sich Nachhilfe in ihren Muttersprachen. Neben Hebräisch, Arabisch und Englisch, kommt in diesen Tagen noch ein wenig Deutsch hinzu. Denn die Teilnehmer werden auch zusammen arbeiten. Neben Gesprächen mit Vertretern verschiedener Religionen, erforschen sie, wie die jüdische Minderheit in Syrien bis in die Neunzigerjahre hinein lebte – und welch hohes Ansehen jüdische Kunsthandwerker genossen. Ihre Ergebnisse werden anschließend ausgestellt.

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