Kreis Gotha: Gemeindezentrum eröffnet

Grabsleben hat nun ein modernes Gemeindezentrum. Die Entwicklungsgesellschaft fördert zudem ein Projekt im ländlichen Raum

Die Walnuss-Zwerge feierten mit einem kleinen Programm die Fertigstellung des Gemeindezentrums Grabsleben. Auch sie profitieren vom neu geschaffenen Multifunktions­zentrum. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Foto: zgt

Gotha/Grabsleben. Vier Bauabschnitte und insgesamt 683 000 Euro machten aus dem ehemaligen Dreiseithof in Grabsleben ein Gemeindezen­trum. Am Sonntag konnte Jens Leffler, Bürgermeister der Drei-Gleichen-Gemeinde, das Objekt übergeben.

Wie schon zuvor gibt es hier wieder einen Friseur, aus der alten Turnhalle entstand ein Multifunktionsraum, die Jugendlichen konnten ebenso ein Zimmer in Besitz nehmen wie die Grundschüler. "Ein ringsum gelungenes Objekt, auf das die Grabslebener stolz sein können", resümierte Leffler. Über das Dorferneuerungsprogramm flossen rund 317.000 Euro aus europäischen Fördermitteln in das Projekt. Wie in viele andere landwirtschaftliche Projekte im Landkreis Gotha auch.

"Rückblickend", sagt Helmut Marx, "ist mir die Umgestaltung des maroden Hörselgauer Gummiwerkes liebstes Kind. Als ich es zum ersten Male besuchte, war mir klar: Wenn es hier brennt, müssen wir das ganze Dorf evakuieren." Zum Glück blieb Hörselgau von diesem Schreckensszenario verschont und zum Glück gibt es die Regionale Arbeitsgruppe Gotha, Ilmkreis und Erfurt, kurz RAG, genannt, die mit EU-Fördermitteln für die Revitalisierung dieses Geländes sorgte.

Helmut Marx ist erster Beigeordneter im Landratsamt Gotha und stellvertretender Vorsitzender dieser RAG. Der eingetragene Verein gründete sich 2007 mit Bedacht. War bis 2006 Leader ein Programm, das projektbezogen förderte, änderte sich dann der Anspruch. Ab 2007 konnte in Thüringen auf alle geeigneten Fördermaßnahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (kurz ELER) zurückgegriffen werden. Die Regionalen Arbeitsgruppen fungieren hier als Entscheidungsgremium und Träger zugleich. "Wir haben dann als erstes - unter Mitwirkung einer breiten Öffentlichkeit - eine Entwicklungsstrategie für den ländlichen Raum erarbeitet, auf dessen Grundlage über die Vergabe der Subventionen in diesem Zeitraum entschieden wurde", sagt Marx und erläutert zudem, welche Facetten die Entwicklung des ländlichen Raumes einschließt: Lebensqualität, Stärkung der Wirtschaft und Tourismus. Eingebunden sind neben dem ländlichen Raum der beiden Landkreise die südwestlichen dörflich geprägten Räume der Landeshauptstadt. Im gesamten Gebiet leben, so Helmut Marx, rund 175.000 Einwohner auf 1747 Quadratkilometern.

Ohne entsprechendes Management kann der Verein seine Aufgaben nicht lösen. Dafür hat er sich einen externen Dienstleister ins Boot geholt, der das Geschehen lenkt. Diesen hat die RAG in der Thüringer Landgesellschaft gefunden, die sich die Entwicklung der Agrarstruktur auf die Fahnen geschrieben hat. Heike Neugebauer und Manuela Schade als Regionalmanagerinnen haben in der zurückliegenden Förderperiode knapp zehn Millionen Euro für ausgewählte Vorhaben zur Verfügung, allein knapp sechs davon flossen in den Landkreis Gotha. Dabei entscheiden nicht etwa die beiden Damen, wohin wie viel Geld fließt, sondern ein Fachbeirat, dessen Zusammensetzung die Struktur der Region widerspiegelt.

Die Liste der geförderten Projekte sei erfreulich lang, sagt Helmut Marx und nennt Beispiele: Der Bau des Nessetalradweges gehört ebenso dazu wie die Sanierung des Edelhofes in Brüheim, auch den Bau des Ausstellungspavillons der Menantes-Gedenkstätte förderte die RAG mit mehr als 40"000 Euro. In Georgenthal konnte die Gestaltung der Ursaurierfundstätte und der Erlebnispfad mit mehr als 38.000 Euro unterstützt werden. Die Familienkommunität Siloah in Neufrankenroda riss dank dieser Gelder ein marodes landwirtschaftliches Gebäude ab und konnte auch den Schutt entsorgen. "Besonders stolz bin ich darauf, dass es dem Verein gelungen ist, die Hotelruine oberhalb von Catterfeld verschwinden zu lassen", sagt Marx. Nachdem der Rohbau fertig war, ging dem Investor die Luft aus, zurück blieb über viele Jahre ein beklagenswerter Anblick. "Wir haben uns mit dem Waldbesitzer, auf dessen Grund die Ruine stand, in Verbindung gesetzt, gemeinsam gelang es uns, die nötigen Mittel für die Abriss zu bekommen." In Tambach-Dietharz unterstützte die RAG den Bau des Basislagers am Kletterfelsen Monte Arturio. Viel Geld floss auch in den ländlichen Wegebau. In der Verwaltungsgemeinschaft Nesseaue konnten allein für den ersten und zweiten Bauabschnitt des Bienstädter Weges knapp 280.000 Euro bereit gestellt werden. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang der Obstraritätenpfad im Gothaer Land, auf dem seltene und historische Obstsorten für künftige Generationen erhalten werden, für den sich die RAG stark macht.

In der neuen Förderperiode bis 2020 fließen die Gelder nicht mehr so üppig wie zuvor. Marx sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Dass wir nicht mehr zu jenen gehören, die höchste Priorität genießen, ist auch Beleg für unser Arbeit, für die positiven Veränderungen im ländlichen Bereich Thüringens." Gleichwohl kann der Freistaat noch über nicht unerhebliche Summen aus EU-Fördertöpfen verfügen. "Wenn ich beispielsweise an den Nessetalradweg denke, können wir hier in den nächsten Jahren Projekte unterstützen, die ihn touristisch aufwerten", sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Dabei denkt er an Hofläden entlang des Radweges, in denen landwirtschaftliche Projekte angeboten werden, an Imbissstationen oder auch Fahrradreparaturwerkstätten.

Zu den Projekten der Zukunft gehört die Waldrandroute, ein Radweg, der von Rudolstadt nach Eisenach führt, immer am Rand des Thüringer Waldes entlang. "In unserer Region betrifft das den Bereich zwischen Crawinkel und Schmerbach. Hier ist noch viel neu zu schaffen, auch wenn es schon einige Abschnitte gibt, die dafür genutzt werden können", sagt Marx.

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