Max Reschke ist Thüringens jüngster Bioland-Imker

Thüringens jüngster Bioland-Imker will sein Hobby, das er mit elf begann, jetzt auch zum Beruf machen.

Mit dem rapsgelben Dreirad-Roller ist Max Reschke aus Apolda, mit 18 Jahren jüngstes Bioland-Mitglied, zu den Märkten unterwegs, auf denen er seine Bienenprodukte verkauft. In Thüringen einzigartig ist sein Korbbienenhonig. Foto: Peter Michaelis

Mit dem rapsgelben Dreirad-Roller ist Max Reschke aus Apolda, mit 18 Jahren jüngstes Bioland-Mitglied, zu den Märkten unterwegs, auf denen er seine Bienenprodukte verkauft. In Thüringen einzigartig ist sein Korbbienenhonig. Foto: Peter Michaelis

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Apolda. Max Reschke stellt alles auf den Kopf, was man über Imker im Allgemeinen zu wissen glaubt: Er ist blutjung - gerade mal 18 Jahre alt -, äußerst kommunikativ und auch keiner, der sein Wissen um die Imkerei wie ein Staatsgeheimnis hütet. Im Gegenteil: Der Apoldaer legt los wie die Feuerwehr, sobald er zu seinem Hobby befragt wird: "Ich weiß, ich weiß", meint er beinahe entschuldigend. "Ich bin ein echter Laberklaus. Aber meine Begeisterung für die Imkerei ist nun mal so groß, dass ich mich schwer bremsen kann, wenn jemand etwas dazu wissen will."

Reine Nachtmusik

Schon mit elf kam der Gymnasiast, der vor wenigen Tagen jüngstes Mitglied des Öko-Anbauverbandes Bioland geworden ist, auf die Idee, es mit der Imkerei zu versuchen. Sein Großvater, der indes wegen einer Allergie selbst keine Bienen halten konnte, hatte ihm bis dahin immer mal wieder von der Immenzucht erzählt, der sich seine Vorfahren seit den 1940er Jahren gewidmet hatten. "Und weil ich zu denen gehöre, die immer gut zuhören, wenn der Opa etwas erzählt, war ich bald Feuer und Flamme."

Max Reschke machte seinen Eltern klar, dass er Imker werden will, kaufte sich ein Bienenvolk, ließ sich ein zweites zum Geburtstag schenken und fragte passionierte Imker nach Strich und Faden aus. "Das Problem ist, dass viele Imker das Wissen, das sie sich natürlich selbst mühsam angeeignet haben, nicht gerne weitergeben", so Max Erfahrung. Aber davon ließ er sich nicht einschüchtern.

Er insistierte tapfer weiter, las, was er an Fachliteratur in die Finger bekam, und fand in Torsten Kern einen erfahrenen Imker, der ihm Starthilfe gab. Unter anderem auch damit, dass er ihm einen alten Bienenwagen überließ, den Max Reschke mit seinem Vater - einem Tischler - restaurierte. "Ich habe das große Glück, dass meine Eltern alles fördern, was mir in den Sinn kommt", sagt der Apoldaer. Und zumindest an dem Elan, mit dem er sich in den Wiederaufbau des Bienenwagen gekniet hat, in den ein Baum gekracht war, hätten seine Eltern ablesen können, wie ernst es ihm mit der Imkerei war.

Mit dem Bienenwagen wandert der 18-Jährige nicht nur neue Gebiete an, wenn sich dort eine bessere Tracht für seine Bienenvölker bietet, im Sommer schlägt er darin auch sein Nachtlager auf. "Das ist herrlich", schwärmt er. "Man darf sich das ja nicht so vorstellen, dass es darin nur so von Bienen wimmelt. Nein, der Wagen wird mit Bienenkästen bestückt und ich habe daneben Platz zum Schlafen. Das Brummen der Bienen ist friedlich, nicht aggressiv - für mich die reinste Nachtmusik."

"Schafloser Hirte"

Jahr für Jahr hat Max Reschke die Anzahl seiner Bienenvölker vergrößert, 25 waren es vor dem Winter - und kein einziges davon ist zur Freude des Jungimkers in der Kälte eingegangen. Als er Mitte letzter Woche nachsah, "flogen die Bienen wie die Weltmeister". Ein unbeschreiblich schönes Gefühl, denn den Winter über fühle er sich wie ein "schafloser Hirte", so dass er froh ist, dass nun wieder Leben in der Bude ist.

Seine Bienenprodukte - dazu gehören acht verschiedene Honige - verkauft Max Reschke vor allem auf Märkten: Akazien-, Sonnenblumen-, Raps- und Waldhonig, aber auch den Korbbienenhonig, den er, so der Jungimker, als einziger Thüringer Imker anbietet. Mit 14 hat sich Max Reschke zum ersten Mal am Flechten eines Bienenkorbes versucht, wie ihn die Altvorderen benutzten.

Seither hält er einen Teil seiner Bienen in drei Körben, aus denen sich nur einmal im Jahr Honig ernten lässt, während bei den Bienenkästen fünf Ernten möglich sind. Der Korbbienenhonig schmeckt kräftig, weil er von vielen Trachten stammt, zudem hat er ein leicht rauchiges Aroma, das von dem selbst gesammelten und getrockneten Rainfarn stammt, mit dem Max Reschke seinen Smoker stopft.

Anderer Blick auf die Natur

Sein Hobby hat dem 18-Jährigen zu einem ganz anderen Blick auf die Natur verholfen, als ihn Menschen seines Alters gemeinhin haben. Max Reschke kennt sich nicht nur gut in der heimischen Flora und Fauna aus, er stört sich auch an den Monokulturen in der Landschaften, die den Bienen und vielen anderen Insekten nur kurze Zeit Nahrung bieten und sie durch Pestizide belasten, stört sich auch an Massentierhaltung und einer Geiz-ist-geil-Mentalität beim Kauf von Lebensmitteln, die letztlich immer wieder Skandale wie etwa jenen um Pferdefleisch heraufbeschwört.

Max Reschke hat sich bewusst dafür entschieden, rückstandsfreien Honig zu produzieren: Er achtet zum Beispiel sehr genau darauf, wo er seine Bienenkästen und -körbe aufstellt, er hat sich neue Bienenkästen aus Holz ohne schädliche chemische Anstriche gekauft und stellt an die Wabenhygiene hohe Ansprüche.

Um Mitglied beim Öko-Anbauverband Bioland zu werden, hat er zudem einen Lehrgang in Würzburg besucht und sich im Selbststudium weitergebildet. Dass die erfahrenen Imker ihr Wissen oft für sich behalten, hält er auch deshalb für einen großen Fehler, weil es sie daran hindert, ihre Erfahrungen kritisch auf den Prüfstand zu stellen und festzustellen, dass sich manches von dem, was sie für richtig halten, längst überholt hat.

Im Sommer will Max Reschke, der derzeit noch die Bertuchschule in Weimar besucht, daran gehen, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er beginnt dann eine Lehre bei Michael Grolm, dem Bioimker und bekannten Gentechnik-Gegner vom Tonndorfer Schloss. "Eine Flitzpiepe wie mich hat er noch nie bekommen", stellt der junge Apoldaer selbstironisch fest und meint damit, dass er Grolms erster Lehrling mit so großem Vorwissen ist. Was er in der Ausbildung überhaupt noch lernen will? Max Reschke ist um eine Antwort nicht verlegen: "Als Bioland-Imker im größeren Stil selbstständig tätig zu sein und auch die Vermarktung zu beherrschen."

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