Meckfelder Haushalte sind gezwungen eigene Kläranlagen zu bauen

2011 ergingen die ersten Bescheide, wonach jeder Haushalt in Meckfeld bis 2013 seine private Kläranlage zu bauen habe. Wie der kleine Ort bei Blankenhain mit dem erzwungenen Bau von Kleinkläranlagen umgeht.

Die durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie ausgelösten Anpassungen an das geltende Abwasser-Recht sorgen gerade auf den Land für Missfallen. Die Situation in Meckfeld bei Blankenhain "ist ein krasses Beispiel, aber eben auch kein singuläres". Foto: Eckhard Jüngel

Die durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie ausgelösten Anpassungen an das geltende Abwasser-Recht sorgen gerade auf den Land für Missfallen. Die Situation in Meckfeld bei Blankenhain "ist ein krasses Beispiel, aber eben auch kein singuläres". Foto: Eckhard Jüngel

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Weimarer Land. Gewässerschutz ist unverzichtbar. Er ist das Ziel der Europa-Politik. Der Weg dahin verlangt Opfer, von manchem weniger, von anderen mehr. Ohne klare Regelungen ließe sich die Europäische Wasserrahmenrichtlinie nicht umsetzen. Die Regeln gelten für alle, und doch sind einzelne Familien davon höchst unterschiedlich betroffen. Auf dem Land meist stärker als in der Stadt.

Besonders tiefe Einschnitte bringt die Anpassung an geltendes Abwasser-Recht für Menschen mit sich, die so weit ab vom Schuss wohnen, dass ihr Anschluss an zentrale Kläranlagen mittelfristig, also für die nächsten 15 Jahre, ausgeschlossen ist.

Auf viele Dorfbewohner trifft das zu. Je kleiner ihr Ort und je abgelegener, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewohner zum Bau privater vollbiologischer Kleinkläranlagen verpflichtet werden. Das führt in einzelnen Fällen zu Konstellationen, die so absurd erscheinen, dass die Betroffenen sich in ihrer Not an den Landtag gewandt, beim Landesverwaltungsamt Widerspruch eingelegt und die Thüringer Bürgerbeauftragte angerufen haben.

Dienstagabend hatte Alf Schmutzler, Ortsteilbürgermeister von Keßlar, Lotschen und Meckfeld, an den runden Tisch geladen: die Betroffenen, den Abwasserbetrieb, die untere Wasserbehörde, die Bürgerbeauftragte Sylvia Liebaug. Schmutzler verband damit die Hoffnung , einen Weg zu finden, die hohen Investitionskosten für den Einzelnen erträglicher zu gestalten. "Wir hatten eigentlich auf Vertreter der Landespolitik gehofft, den Umweltminister und Landtagsabgeordnete aller Fraktionen eingeladen", sagt Schmutzler. Er musste aber einsehen, dass vier Wochen Frist jedem von ihnen zu wenig Bedenk- und Terminabstimmungszeit waren. Keiner erschien. Vielleicht lag es aber auch an der Art des Problems.

Meckfeld ist ein krasses Beispiel, aber eben auch kein singuläres. 2011 ergingen die Bescheide, wonach jeder Haushalt bis 2013 seine private Anlage zu bauen habe.

Aussitzen ist keine Alternative

Mit seinen 30 Einwohnern ist das winzige Dorf ein Stadtteil von Blankenhain. Die Kernstadt selbst verfügt über eine sehr teure und nur zu einem Drittel ausgelastete Kläranlage - von der man in Meckfeld, zehn Kilometer weiter, rein gar nichts hat. Der Anschluss: zu teuer für die Solidargemeinschaft, erklärt René Luthe von Jenawasser.

Der Zweckverband hatte alle Haushalte aufgefordert, Kleinkläranlagen zu bauen. Je nach Modell kostet so eine Anlage bis zu 5000 Euro, mit Hof-Um- und Technik-Einbau stehen den meisten Investitionen von acht- bis zehntausend Euro bevor.

Auch den Eheleuten aus Meckfeld, die beide weit über 80 sind, ihren Hof allein bewohnen und keinen Anlass zur Hoffnung haben, dass nach ihnen dort neues Leben einziehen wird. Margit Lärz, Ortsteilbürgermeisterin von Drößnitz und Wittersroda, kennt auch solche Fälle. Ein betagtes Ehepaar, sagt sie, habe beschlossen, gar nicht erst auf die Aufforderung zu reagieren.

Für jüngere Familien ist das Aussitzen keine Alternative. Drei Familien aus Keßlar waren voriges Jahr vor den Petitionsausschuss gezogen. Seither habe sich nicht viel bewegt. Alle Fraktionen hätten zugesagt, das Problem zu prüfen.

Eine weitere Familie legte Widerspruch gegen den Bescheid ein. Auch hier bislang keine Reaktion aus dem Landesverwaltungsamt, das den Widerspruch seit einem Jahr prüft.Meckfeld, so René Luthe, sei eines der ersten Dörfer, in denen der Thüringer Kleinkläranlagenerlass vollstreckt werde.

Viele Leute fühlen sich allein gelassen

Dass die Meckfelder erst vor vier Jahren zur nachträglichen Zahlung von Straßenausbaubeiträgen verdonnert wurden, ist zwar nicht die Schuld des Abwasserzweckverbandes, verschärft das konkrete Problem aber. "Es trifft immer die gleichen Leute", fasste Peter Wagner aus Kottenhain, der die Runde am Dienstag moderierte, die Lage zusammen: "Die Politik muss begreifen, dass es in dem Tempo nicht weitergehen kann".

Viele Leute fühlen sich allein gelassen mit den Forderungen von oben. Dass zwei oder drei Familien sich zusammentun und gemeinsam eine Kleinkläranlage anschaffen können, statt zweien oder dreien, wird in keinem Bescheid mitgeteilt. Möglich ist es aber: "Man muss dafür eine Grunddienstbarkeit eintragen lassen und hat keinen Anspruch auf Fördermittel des Landes", sagt Luthe.

Selbst dass es möglich ist, bei Jenawasser um eine Fristverlängerung zu bitten, hörten viele am Dienstag zum ersten Mal. Und auch, dass nicht ausschließlich eine technische Kläranlage für sie in Frage kommt: Unter bestimmten Voraussetzungen könnten auch Pflanzenkläranlagen die bauaufsichtliche Zulassung erhalten, erklärte Constanze Igney von der Unteren Wasserbehörde.

Für Haushalte mit einem sehr geringen Wasserverbrauch unter 20 Kubikmetern pro Jahr und "bei ganz alten Leuten lassen wir auch mal die abflusslose Grube zu", sagte Igney.

Ein Ergebnis immerhin zeitigte die Zusammenkunft: Jenawasser wird mit den Meckfelder Familien beraten, auf welchen Wegen den Forderungen nachgekommen werden kann.

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