Nach Querelen mit Erfurter Stadtrat: Reiterhof findet neues Domizil

Totgesagte leben länger: Der Reit- und Therapiehof Kinderleicht in Stotterneim hat nach zweijährigen Verhandlungen mit dem Stadtrat nun eigenständig einen neuen Standort gefunden und ungezählte Stunden in die Sanierung einer alten Stallanlage investiert.

Viel gibt es im Außenbereich noch zu tun – einen neuen Platz für das Schild der Reitschule will Juliane Schmoll, die Vorsitzende des Fördervereins, am neuen Domizil noch vor der Einweihung finden. Foto: Hartmut Schwarz

Viel gibt es im Außenbereich noch zu tun – einen neuen Platz für das Schild der Reitschule will Juliane Schmoll, die Vorsitzende des Fördervereins, am neuen Domizil noch vor der Einweihung finden. Foto: Hartmut Schwarz

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Stotternheim. Es gab keine Alternativen, keine Kompromisse - nachdem der Verein Reit- und Therapiehof Kinderleicht im Frühjahr im Stadtrat letztmals Thema war, war für die Vereinsmitglieder klar, dass mit einer Unterstützung seitens der Stadt nicht zu rechnen ist. Man habe gespürt, dass kein Interesse bestand, erinnert sich Juliane Schmoll, die Vorsitzende des Fördervereins. Sie habe sich deshalb selbst auf die Suche nach Alternativen gemacht. Und dies mit Erfolg - am 8. November wird Einzug gefeiert.

Bereits seit zwei Jahren währt die Auseinandersetzung mit der Stadtverwaltung - seit von der Bauordnung die Statik der Dachkonstruktion der Reithalle in Frage gestellt wurde. Das beim Erfurter Sportbetrieb gepachtete Domizil des Vereins wurde damals gesperrt - inklusive Sanitär- und Stallanlagen. Das vom Verein bis dahin angebotene Spektrum, vom Reiten als Breitensport über Reitschule für Kita und Schule, pferdegestützte Therapie oder Stall- und Pferdepflege und mehr war seitdem in Frage gestellt. Es musste in Notunterkünfte und auf Reitplätze unter freiem Himmel ausgewichen werden. Zu einer Sanierung der Halle gab es wegen der erheblichen Kosten keine Zustimmung im Stadtrat, die vom Verein angebotene Eigeninitiative fand keine Beachtung.

Dies alles sei jetzt Geschichte, seit am 30. Juni die Schlüssel an den Sportbetrieb übergeben wurden, erklärt Juliane Schmoll. Dieser letzte Akt sei fast gleichzeitig mit dem ersten Akt des Neubeginns passiert - mit dem Angebot von Reinhard Brühheim, der im ehemaligen Hengstdepot vier Stallboxen zur Verfügung stellen wollte.

Aus vier Stallboxen wurden sieben - und letztendlich wurde dem Verein das gesamte Gebäude zur Verfügung gestellt. "Es war Rettung in letzter Minute", erinnert sich die Vereinsvorsitzende - und Antrieb zugleich. Nahezu täglich wurde seitdem von früh bis spät saniert. Die Ställe wurden komplett neu verputzt und gemalert, die Gitterstäbe entrostet und gestrichen - in den künftigen Vereins- und Büroräumen wurde Laminat verlegt. Und auf dem Dachboden wurde bereits Stroh für die Stallungen deponiert.

Inzwischen gibt es Wasser, Strom und demnächst auch eine Heizung. Das Gröbste sei geschafft. Wenn das Wetter umschlägt, sind die Boxen sofort bezugsbereit. Für insgesamt zehn Pferde sei Platz. Für die acht Pferde des Vereins und für zwei Untermieter - um einen Teil der Unkosten decken zu können.

Im kommenden Jahr sollen dann auch die Außenanlagen in die Kur genommen werden. Nach Möglichkeit soll es davor neben einem eigenen Brunnen wieder einen kleinen Reitplatz geben, wofür die Genehmigung allerdings noch aussteht. Die Vereinsmitglieder hoffen, dass dies von der Stadtverwaltung nicht durch die Sichtung neuer Gefahren verzögert wird. Zumal das neue Domizil jetzt abgelegen am Ortsrand, am Rande des Gewerbegebietes, fern jeder Wohnbebauung liegt. Lediglich die Kühe von der benachbarten Weide könnten sich durch den Reitbetrieb gestört fühlen.

Verbessert habe sich am neuen Standort auch die Nähe zur Bushaltestelle. Der Reitstall ist zudem auch mit dem Auto gut zu erreichen, wovon man sich für einen ersten Blick auf die (Noch-)Baustelle am Samstag, 8. November, ab 14 Uhr überzeugen könne. Nachdem der Verein in Stotternheim fast totgesagt war, sind vor allem die Zweifler (auch die aus der Verwaltung) eingeladen. Bereits vor dieser Terminankündigung, sagt die Vereinsvorsitzende, habe die Nachfrage enorm zugenommen. Den derzeit 50 Vereinsmitgliedern werden sich demnächst mit Sicherheit weitere anschließen.

Auch Sponsoren werden weiterhin gesucht, für die es jetzt, nach der Trennung vom Sportbetrieb der Stadt, noch bessere Möglichkeiten gebe. Die zwei Miet-Boxen sind übrigens auch noch nicht belegt. Kontakt: www.reitverein-kinderleicht.de, Tel. (0176) 35294689.

Dazu schreibt Hartmut Schwarz in einem Kommentar:

Sie sind enttäuscht vom Erfurter Stadtrat, was ich gut nachvollziehen kann. Denn nachdem bekannt wurde, dass die Reithalle des Vereins gesperrt werden muss, haben fast alle Fraktionen erklärt, dass eine Lösung gefunden werden müsse und dass die Arbeit des Vereins wichtig sei. Vor allem, was die Arbeit mit Kindern betreffe. Bei diesem Bekenntnis blieb es dann auch. Denn als es später um die Sanierungskosten ging, mussten die Stadträte einsehen, dass ohne Moos nun mal nichts los ist. Regelmäßig wurde dabei die ominöse Prioritätenliste zur Sprache gebracht, zu deren Entstehung nur vage Gerüchte kursieren. Die Kommentare, die es in den nächsten Tagen zur erzwungenen Eigeninitiative des Kinderleicht-Vereins regnen wird, sehe ich jetzt schon voraus: Am Rand der Stadt wird auch 20 Jahre nach der Eingemeindung weiter gespart. Und Stotternheim steht dabei nicht allein. Aus Vieselbach, Ermstedt und weiteren Ortsteilen wird es Zustimmung geben. Es wird eine ganze Reihe Beispiele geben, wo mit wenig Geld viel erreicht worden wäre... Ganz automatisch wandern meine Gedanken bei dieser Vorahnung in Richtung Nordhäuser Straße: Für zehn Millionen Euro soll dort ein Kilometer Straße um einen Radweg bereichert werden...

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