Ortsteilzentrum "Rautenkranz" in Kleinfahnern eröffnet

"Ein Dorf braucht eine Seele. Diese benötigt ein Zuhause", findet Stephan Müller, Chef der Verwaltungsgemeinschaft "Fahner Höhe". Im Fall von Kleinfahner bietet ein neues "Multifunktionales Ortsteilzentrum" der "Dorfseele" jetzt ein Obdach - besser bekannt als "Rautenkranz".

Der "Rautenkranz" in Kleinfahner ist jetzt ein "multifunktionales Ortsteilzentrum". Stolz zeigen Kulturvereinsvorsitzender Hartmut Lipprandt (rechts) und Heinz-Jürgen Hofer (Traditionsfeuerwehr) das von Grund auf sanierte Gebäude von 1744. Foto : Wieland Fischer

Foto: zgt

Gotaher Kreis. "Multifunktionales Ortsteilzentrum kann keiner aussprechen. Wir sagen kurz: Rautenkranz", erklärt Bürgermeister Ulf Henniger. Seit 1995 stand das Gebäude leer. Ein Rechtsstreit mit dem Vorbesitzer, der nach der Wende den Hauschlüssel unter dubiosen Umständen bekommen haben soll und ihn nicht mehr herausgeben wollte, verhinderte die Sanierung des Gebäudes.

"Ein ewiger Rechtsstreit liegt hinter der Gemeinde, um unser Zugangs- und Eigentumsrecht durchzusetzen", sagt Bürgermeister Henniger. "Wir haben den Prozess durch alle Instanzen gewonnen", sagt VG-Chef Müller über das Ende des Verfahrens. Das eröffnete den Weg, 2009 den Umbau in die Wege zu leiten. Nun bietet der "Rautenkranz" wieder die Möglichkeit zur Einkehr mit Saal, Vereinszimmern, behindertengerechtem Zugang sowie einem Raum für ein Obstbau-Museum.

Das Einrichten eines Museums, das an Pfarrer Johann Volkmar Sickler (1742-1820), den Begründer des Obstbaus im Fahner Land, erinnern soll, war der ausschlaggebende Punkt, um überhaupt Fördermittel zur Sanierung des 1774 errichteten Gasthofes zu bekommen, sagt Architektin Angela Wust. Damit sei ein "Alleinstellungsmerkmal" gegeben, ergänzt Kreisbeigeordneter Helmut Marx (SPD). Denn Zuschüsse zum Bau neuer Ortsteilzentren, wie sie in Nachwendejahren noch freigiebig verteilt wurden, gebe es kaum noch.

Im Fall des "Rautenkranzes" konnte die Kommune auf Mittel des Leader-Programms bauen, insgesamt 265.000 Euro Fördermittel. Ursprünglich sei mit Gesamtkosten in Höhe von 400.000 Euro gerechnet worden, sagt Bürgermeister Henniger. "Jetzt sind wir bei 440.000 Euro. Am Jahresende, wenn die Außenanlagen hergerichtet sind und die Inneneinrichtung angeschafft ist, werden wir bei 550.000 Euro landen", schätzt er ein und fügt hinzu: "Ohne den Einsatz der Gemeindearbeiter wäre es noch teurer geworden."

Als vor dreieinhalb Jahren VG-Chef Müller auf Architektin Angel zukam, wurde der Antrag zur Förderung gestellt, das Vorhaben in drei Bauabschnitte geteilt, um der Gemeinde Kleinfahner die Möglichkeit zu geben, ihren Anteil zu bezahlen, erinnert Angela Wust. "Außer der Hoffnung 'Es wird werden' hatten wird nicht viel in Händen." Dann stellte sich heraus, dass die Sanierung umfangreicher wird als erwartet. Das historische Fachwerk sei zuvor "in Heimwerkermanier" umgebaut worden, sagt die Architektin. Hinter Trockenbauwänden kamen Schäden zum Vorschein.

Statisch galt es, einiges grundlegend zu reparieren. Eine zweite Treppe wurde eingebaut, zusätzlich Schallschutzfenster. Nach jahrelangem Leerstand war der Saalstatus verfallen, es mussten Vorkehrungen zum Schallschutz eingefügt werden. Sie habe Höhen und Tiefen erlebt, blickt Angela Wust auf den dreieinhalb Jahre währenden Bauablauf zurück. Zufrieden mit dem Werk, übergibt sie den Hausschlüssel symbolisch an Bürgermeister Henniger.

Kleinfahner stehe nun ein Gebäude zur Verfügung, das für Veranstaltungen von Jung und Alt genutzt werden könne. Feuerwehr und Kulturverein gehören dazu. Mit historischer Steintafel, die an den Bau des Hauses 1744 erinnert, und Wappen derer von Seebach über dem Eingang setzten die Mitglieder des Kulturvereins um ihren Vorsitzenden Hartmut Lipprandt ein Zeichen. Sie begleiteten die Wiedereröffnung mit Gesang und sorgten für eine reich gedeckte Kaffeetafel. Anfragen zur Nutzung gebe es bereits reichlich, sagt Bürgermeister Henniger. So ist gesichert, dass die Seele des Dorfes mit Leben erfüllt wird.

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