Pläne für Radlerbrücke des Werratal-Radweges vorgestellt

Über zwei Varianten der geplanten Radfahrerbrücke zwischen Ebenau und Buchenau können die Stadträte in Creuzburg entscheiden. Eins wird aber nicht verarbeitet: Holz.

Creuzburgs Stadträte entschieden sich für diese Fachwerkvariante, die der alten Brücke ähnelt. Zeichnung: Ingenieurbüro Probst

Creuzburgs Stadträte entschieden sich für diese Fachwerkvariante, die der alten Brücke ähnelt. Zeichnung: Ingenieurbüro Probst

Foto: zgt

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Creuzburg. "Im August sollen die Bauarbeiten beginnen und ein Jahr später soll dann alles fertig sein", informiert Creuzburgs Bürgermeister Ronny Schwanz (CDU) seine Stadträte zur Sitzung am Dienstagabend im "Klostergarten". Ohne Gegenstimme entschieden sich die Räte für die Errichtung einer Radfahrerbrücke auf den alten Pfeilern der Eisenbahnbrücke zwischen Ebenau und Buchenau. Zuvor stellten zwei Vertreter eines Meininger Ingenieurbüros den Stadträten die Vor- und Nachteile von zwei ausgearbeiteten Brückenvarianten vor. Da sich die Stadt eine nachhaltige Brücke mit zukünftig geringem Wartungs- und Instandsetzungsaufwand wünscht, wurde Holz als Material nicht in Betracht gezogen. Die Vertreter des Ingenieurbüros stellten in ihrer Präsentation zwei Stahlbrückenkonstruktionen vor - eine als gevouteter Hohlkasten und die andere als Dreiecksfachwerk. Die geschätzten Baukosten liegen bei beiden Varianten bei etwas mehr als 1,3 Millionen Euro brutto.

Creuzburg käme zum Nulltarif zu dieser Werraüberführung. Das Bauprojekt werde über das Förderprogramm zur Beseitigung der Flutschäden des Jahres 2013 vollumfänglich gefördert. "Der Förderbescheid liegt bereits vor", sagt die Gemeinschaftsvorsitzende Carola Hunstock (CDU) zur Creuzburger Stadtratssitzung. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Instandsetzung des jetzigen Abschnittes des Werratal-Radweges von der Liboriuskapelle bis zum Steinbruch genauso, wenn nicht sogar teurer werde als ein Brückenbau. Zudem ergäben sich hohe Folgekosten, da der Radweg nach Hochwassersituationen immer wieder repariert werden müsste. Allein die Anfahrt mit Baumaschinen gestaltet sich auf dem engen, meist nur 1,50 Meter breiten Radweg-Abschnitt sehr problematisch.

Felsen abtragen oder Werra zuschütten

Eine Radweg-Verbreiterung sei in dem stark überflutungsgefährdeten Abschnitt schwierig auszuführen. Hangseitig müssten mehrere Felspartien zum Naturschutzgebiet abgetragen werden oder uferseitig müsste Terrain aufgeschüttet und die Werra verlegt werden. "Während der Bauzeit müssten zudem die Radler über die Landesstraße bis zur Buchenauer Brücke umgeleitet werden", zählt Projektleiter Jan Zwerger einen weiteren Nachteil der Wegereparatur auf. Ferner biete der Radweg auf dem ebenen Bahndamm kaum Gefälle und Steigungen gegenüber dem flutgefährdeten Uferweg. Umweltbehörde und Naturschützer seien froh, dass die Radfahrer durch den Brückenbau aus dem Naturschutzgebiet verschwinden. "Zudem wird auch unsere Mountainbike-Strecke direkt an den Werratal-Radweg angebunden", freut sich Stadtrat Lutz Kromke (SPD), der das Projekt seinerzeit maßgeblich vorangetrieben hat.

"So würde auch der Bund bauen - beide Konstruktionen sind auf Langlebigkeit ausgelegt", warb der Geschäftsführer des Ingenieurbüros, Thomas Probst, für die ausgearbeiteten Variantenvorschläge. Beide Stahlbauvarianten würden die Dauerhaftigkeit der neuen Radbrücke bei Frankenroda übertreffen. Die Stadträte entschieden sich für die Fachwerkversion eines auf dem Kopf stehenden Dreiecks. "Diese Brückenform erinnert von der Seite an die alte Eisenbahnbrücke", sagt der Bürgermeister. Die Fachwerkvariante kommt auf ein Gesamtgewicht von 120 Tonnen Stahl, bei der Hohlkastenvariante wären es 200 Tonnen geworden. Obwohl im Rohrfachwerk mit Verschmutzungen durch Vogelnestbau gerechnet werden muss, bietet diese Konstruktion aber einen Vorteil bei Wartungsarbeiten. Für neue Anstriche kann der Unterbau einfach durchstiegen werden, während bei einer Hohlkastenbrücke immer ein Behelfsgerüst erforderlich wird. Aufgrund der langen Stahlsegmente ist eine Verzinkung nicht möglich.

Bis zur Sprengung im Jahr 1983 verlief die Eisenbahnbrücke im leichten Bogen über die Werra. Um jetzt kostengünstig zu bauen, wird die Radbrücke in gerader Linie auf den vorhandenen Pfeilern den Fluss überspannen. "Die Brücke sitzt so nicht mittig auf jedem Pfeiler auf", sagt Jan Zwerger.

Alte Brückenpfeiler in gutem Zustand

Da die alten Brückenpfeiler enorme Tragwerksreserven aufweisen, sei dies nicht problematisch. Alle Pfeiler seien in gutem Zustand, wurde bei intensiver Voruntersuchung festgestellt. "Auch der mitten im Fluss stehende Strompfeiler weist keine Ausspülungen auf", sagt der Projektleiter. Einige wenige Steine müssten getauscht und Fugen wieder geschlossen werden. Bei der Fachwerkbrücke mit Rohren im Durchmesser von 20 Zentimetern muss einer, der alten Pfeiler nicht saniert werden, da dieser für die Konstruktion nicht benötigt wird. "Wir haben uns für ein untenliegendes Tragwerk entschieden, da wir hier in der komfortablen Lage sind, recht hoch die Werra überspannen zu können", sagt Probst. Trotz der untenliegenden Konstruktion werde der Hochwasserschutz für ein hundertjähriges Hochwasser eingehalten. Mit den vorhandenen Pfeilern mache der Aufbau einer Pylonbrücke wenig Sinn.

Die Radbrücke soll eine Asphaltdecke als Tragschicht erhalten. Das Oberflächenwasser werde komplett abgeleitet, verspricht Probst. An beiden Widerlagern seien Ausweichpunkte vorgesehen. Da die Brücke nicht breiter als 2,50 Meter werden darf und eine Geländerhöhe von 1,30 Meter vorgeschrieben ist, fahren die Radfahrer auf der Brücke dann in eine Art Schlauch, der rund 200 Meter lang wird. "Wenn sich zwei Radlergruppen auf der Brücke begegnen oder wenn eine Familie mit Kleinkindern auf einen Wanderer mit großen Hunden trifft, sind unliebsame und riskante Situationen nicht ausgeschlossen", meint Zwerger. So schlugen die Planer vor, auf dem flussmittigen Strompfeiler eine Kanzel für Ausweichmanöver vorzusehen. Bei beiden Brückenvarianten kämen Zusatzkosten von rund 29"500 Euro hinzu. "Ende März werden wird die genauen Projektkosten bei der Aufbaubank einreichen", sagt Creuzburgs Bürgermeister. Falls die Kosten für die Kanzel, die die Form des Strompfeilers aufnehmen soll, nicht genehmigt wird, soll die Brücke ohne diesen Ausweichpunkt errichtet werden.

Zufahrt für Baufahrzeuge gestaltet sich schwierig

Probst freut sich, dass sich Creuzburgs Stadträte für die Fachwerkkonstruktion entschieden haben. Denn für das Einheben der Hohlkastenprofile sei noch größere Krantechnik erforderlich.

Dennoch werde sich die Anfahrt des Krans auf Buchenauer Seite schwierig gestalten. Obwohl der Radweg schon von Bauhofmitarbeitern aus Creuzburg und aus Mihla entbuscht wurde, ist er dennoch zu eng für die Passage eines Schwerlastkrans. Probst sprach sich dafür aus, die Zufahrtsstraße zum Steinbruch zu nutzen und den Wall zum Radweg noch einmal zu öffnen. Der Bürgermeister betrachtet diesen Vorschlag als problematisch. Dort erfolgten bereits zahlreiche Anpflanzungen, die der Abschlussbetriebsplan für die zum Jahresende stillgelegte Schottermine verlangt.

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