Rechtsextremer zeigt Interesse an Kauf eines Schlosses bei Eisfeld

Erfurt/Eisfeld/Waren an der Müritz.  Schloss Bockstadt bei Eisfeld steht zum Verkauf. Ein Mittelsmann soll für Tommy Frenck Interesse gezeigt haben.

Tommy Frenck soll mit dem Gedanken spielen, Schloss Bockstadt kaufen zu wollen. Frenck betreibt einen Gasthof in Kloster Veßra (Bild), etwa zwanzig Kilometer von Eisfeld entfernt

Tommy Frenck soll mit dem Gedanken spielen, Schloss Bockstadt kaufen zu wollen. Frenck betreibt einen Gasthof in Kloster Veßra (Bild), etwa zwanzig Kilometer von Eisfeld entfernt

Foto: Hanno Müller

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Viele Jahre schon steht Schloss Bockstadt bei Eisfeld leer und verfällt langsam. Jetzt gibt es offenbar einen Interessenten, der nicht erwünscht ist. Dabei war die Euphorie in Südthüringen groß, als sich im Sommer ein Investor für die Immobilie mit ihrem etwa 60 Hektar großen Parkgrundstück gefunden zu haben schien. Inzwischen scheint klar, dass der Investor seine Zusagen nicht einhalten kann – was zu großer Enttäuschung der geweckten Hoffnungen geführt hat.

Nun kommt es für die Stadt allerdings noch schlimmer: Denn nach Informationen unserer Zeitung hat das Hin und Her um das Schloss das Interesse des Rechtsextremisten Tommy Frenck geweckt, der offenbar mit dem Gedanken spielt, die Immobilie zu erwerben. Er hat wohl bereits mit einem Vertreter der Verkäufer Kontakt aufgenommen.

Frenck habe ihn über einen Mittelsmann kontaktiert und sich danach erkundigt, ob das Schloss nun wieder zum Verkauf stehe, bestätigt Rechtsanwalt Benjamin C. Richert unserer Zeitung. Die Kanzlei des Juristen hat ihren Sitz in Waren an der Müritz und vertritt die Interessen der Verkäufer des Immobilie. Mehr als ein Telefongespräche zwischen ihm und dem Mittelsmann habe es gegeben, sagt Richert. Dabei habe dieser Mittelsmann im Namen von Frenck ernsthaftes Interesse an der Immobilie bekundet und sich auch nach dem Kaufpreis erkundigt. „Der wollte konkrete Summen wissen und war dann auch nicht abgeneigt“, sagt Richert. Mit Frenck selbst habe er nie gesprochen. Allerdings habe der Mittelmann den Namen Frencks ohne zu zögern genannt.

Hildburghausen spielt zentrale Rolle in der Rechtsrock-Szene

Frenck betreibt einen Gasthof in Kloster Veßra, etwa zwanzig Kilometer von Eisfeld entfernt, und gilt als eine zentrale Figur der rechtsextremen Szene in Thüringen und darüber hinaus. Nach Informationen aus Thüringer Sicherheitskreisen wissen die Behörden seit Längerem, dass Frenck auf der Suche nach weiteren Immobilien in Südthüringen ist – mutmaßlich, um aus ihnen Treffpunkte für die regionale und überregionale Neonazi-Szene zu machen. Sein Gasthof hat sich inzwischen zu einem solchen Szeneort entwickelt. Eine Entscheidung darüber, an wen das Schloss verkauft werden soll, gibt es nach Angaben von Richert noch nicht. Auch seien bislang keinerlei entsprechende Verträge oder Papiere unterschrieben worden. Es gebe noch eine „seriöse“ Interessentin für die Immobilie, sagte Richert. Wenn die sich bis zum Wochenende allerdings nicht bei ihm zurückmelde, werde er auf seine Mandanten zugehen und mit ihnen darüber reden, ob sie grundsätzlich auch bereit seien, das Schloss an Interessenten wie Frenck zu verkaufen.

In Eisfeld selbst wissen bereits einige der kommunalpolitisch Verantwortlichen von den Bestrebungen des Rechtsextremen. Auch das Thüringer Innenministerium ist inzwischen mit der Angelegenheit befasst. Dort gibt es seit einiger Zeit eine eigene Task Force, die Kommunen zum Umgang mit rechtsextremen Veranstaltungen und Immobiliengeschäften berät. Beides ist ein Ausdruck dafür, dass die unter Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) geschaffenen neuen Strukturen des Staates im Kampf gegen Rechtsextremismus sich zumindest ein Stück weit in der Praxis bewähren. Eisfelds Bürgermeister Sven Gregor, der selbst in Bockstadt lebt, sagte, die Stadt sei „auf alles vorbereitet“, wenn es tatsächlich dazu komme, dass Frenck versuchen sollte, die Immobilie zu kaufen. „Wir werden nicht zulassen, dass Rechtsextreme dieses Schloss kaufen.“ In der Vergangenheit hatten Kommunen solche Geschäfte oft erst bemerkt, wenn der Kaufvertrag unterschrieben war – teilweise mit gravierenden Folgen. Nach Einschätzung der Demokratieberater von Mobit sind Immobilien, die in der Hand von Rechtsextremen sind, zentrale Stützpunkte der Szene besonders im ländlichen Raum.

Die inzwischen mutmaßlich gescheiterten Investoren für das Schloss hatten im Sommer angekündigt, etwa 2,5 Millionen Euro in die Sanierung des Denkmals sowie dessen Um- und Ausbau zu einer Senioren-Residenz investieren zu wollen. Was ein Käufer für die Immobilie bezahlen müsste, ist unklar. In der Region schätzen einige ihren Wert auf etwa 500.000 bis 700.000 Euro.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.