Schloss ist Sorgenkind der Gemeinde Friedrichswerth

Mit seinen knapp 500 Einwohnern liegt Friedrichswerth rund 15 Kilometer von der Residenzstadt Gotha entfernt, inmitten eines fruchtbaren Tales. Grund genug für Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg, um hier sein Landschloss bauen zu lassen. Aber das bereitet der Gemeinde heute Sorgen.

Jörg Möller, Vorsitzender des Heimatvereins, steht vor dem größten Sorgenkind der Gemeinde, dem Schloss Friedrichswerth. Noch immer hat sich kein Kaufinteressent für das Areal gefunden. Fotos (4): Conny Möller

Jörg Möller, Vorsitzender des Heimatvereins, steht vor dem größten Sorgenkind der Gemeinde, dem Schloss Friedrichswerth. Noch immer hat sich kein Kaufinteressent für das Areal gefunden. Fotos (4): Conny Möller

Foto: zgt

Friedrichswerth. Herzog Friedrich I. ließ die Wasserburg Erffa, so hieß das Dorf damals noch, schleifen. Das war im Jahre 1689. Sein Baumeister Jeremias Tütleb setzte des Herzogs Ideen um und schuf hier ein Thüringer Versailles. Allerdings hatte der Herzog nur wenig Freude an seinem Prachtbau, er verstarb bereits im August 1691 auf Schloss Friedrichswerth an den Folgen eines Schlaganfalls. Heute, 326 Jahre später, steht zwar das Schloss immer noch, doch es blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Dabei könnte es doch noch viele Geschichten erzählen, weiß Jörg Möller, Vorsitzender des ortsansässigen Heimatvereins.

"Das Schloss ist unser großes Sorgenkind", sagt Jörg Möller. Der Vereinsvorsitzende kennt sich in der Geschichte seines Heimatortes aus. Nicht ohne Grund steht er seit Vereinsgründung am 25. Januar 1995 dem Friedrichswerther Heimatverein als erster Vorsitzender vor. Damals hatte er sich mit weiteren elf Heimatfreunden zur Aufgabe gestellt, die Tradition und Brauchtumspflege des Ortes zu bewahren. Der Heimatverein, der am kommenden Sonntag sein 20-jähriges Bestehen feiern will, hat noch viel vor. Im Mittelpunkt steht natürlich das vereinseigene Heimatmuseum, welches Mitte der 1990er Jahre im Waisenhaus eingerichtet wurde.

In der ersten Etage des Hauses, welches 1712/14 von Otto Christoph Schulze errichtet wurde, findet der interessierte Besucher zahlreiche historische Stücke aus der Geschichte Friedrichswerths. Nach und nach hat der Heimatverein diese Exponate, wie Trachten, Fotos und Dokumente von Zeitzeugen gesammelt, um sie hier dementsprechend zu präsentieren. Zu finden ist hier auch die Geschichte von Eduard Meyer, der 1885 als Pächter die Domäne in Friedrichswerth übernahm und mit der Saatgutvermehrung, Edelschwein- und Schafzucht begann.

"Der Meyer war ein Glücksfall für den Ort", weiß Jörg Möller. So setzte er sich für den Bahnanschluss, den Bau einer Poststelle und die Versorgung Friedrichswerths mit elektrischem Strom ein. Seine Zucht des "Weißen Edelschweines" wurde bis 1965 betrieben, allerdings gibt es heute wieder Versuche, diese Schweineart nachzuzüchten.

Ein weiterer großer Mann war Kartograph Hermann Haack, der in Friedrichswerth geboren wurde. Ihm zu Ehren hat der Heimatverein eine Haack-Stube eingerichtet. 18.000 Euro investierte der Heimatverein in den Ausstellungsort. Des Weiteren setzte sich der Verein dafür ein, dass die Außenanlagen gepflastert und der Keller im Waisenhaus saniert wurde. Auch um die zahlreichen Denkmäler, wie den Bismark-Stein auf dem Leichberg, kümmern sich die 23 Vereinsmitglieder.

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