Schmalkaldener bemalt graue Wände in Erfurt

"Das beste Wetter für Wandmalerei ist bedeckter Himmel und Temperaturen von 20 Grad Celsius", erklärt Andreas von Chrzanowski, klettert in die Arbeitsbühne und entschwindet in zehn Meter Höhe. Nun ja, bedeckt ist der Himmel - aber die Temperaturen lassen doch sehr zu wünschen übrig.

Michael Ritzmann ist mit seinem großflächigen Bild fast fertig. Grundlage war ein altes Foto aus den Kindertagen seiner Schwester. Foto: Maik Ehrlich

Michael Ritzmann ist mit seinem großflächigen Bild fast fertig. Grundlage war ein altes Foto aus den Kindertagen seiner Schwester. Foto: Maik Ehrlich

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Erfurt. Andreas von Chrzanowski nimmt's gelassen und schützt sich gegen die Kälte mit warmen Sachen, mit Mütze, Kapuze und mit einem Schal, den er weit ins Gesicht zieht.

Seit ein paar Tagen bemalt Andreas von Chrzanowski eine Wand an einem Haus in der Straße Zum Güterbahnhof: Auf rund zehn Metern Breite und gut 14 Metern Höhe will der Frankfurter Künstler mit den Thüringer Wurzeln vier Hände zaubern. "Hände sind ein internationales Verständigungsmittel", sagt der 34-Jährige. Er muss es wissen - der gebürtige Schmalkaldener ist in der Welt zu Hause und hat in letzter Zeit große Wände in Brasilien, USA und Russland gestaltet.

In Erfurt möchte er sich überlagernde Hände auf dunklem Grund malen, die verschiedene Symbole darstellen - welche möchte der Künstler noch nicht verraten. Farblich wird es noch zu starken Kontrasten kommen, von einer wahren "Farbexplosion" spricht der Künstler.

Graue Wände zum Leben erwecken

Ins Leben gerufen hat das Wandgestaltungsprojekt der Verein Plattform zusammen mit Akteuren der Galerie 7A / 7B. Das Projekt "OQ-Paint" soll graue Wände zum Leben erwecken und zu einer großflächigen Freiraumgalerie in Erfurt werden. "Wir möchten zeigen, welche künstlerischen Potenziale in Erfurt stecken. Damit die Kunst wahrgenommen wird, darf sie nicht in einer Galerie bleiben, sondern muss großformatig in der Öffentlichkeit zu sehen sein", erklärt Karina Hal­bauer vom Verein Plattform.

Die Kulturstiftung des Freistaates Thüringen und die Sparkassenstiftung Erfurt fördern das Projekt, das immerhin einen niedrigen fünfstelligen Betrag benötigt: für Wandfarben, Farbdosen, Mieten für Arbeitsbühnen, Verpflegung der Künstler. Die Künstler selbst arbeiten unentgeltlich. Einen Beitrag am Gelingen des Projekts leisten mit ihrer Hilfe auch zwei lokale Immobilienbüros: Andreas Müller Hausverwaltung und Cornelia Hopf Immobilienverwaltung.

"Ich ziehe den Hut vor der künstlerischen Leistung. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man so etwas hinbekommt. Das Bild sieht total gut aus", sagt Cornelia Hopf-Lonzen, während sie vor dem Haus Weimarische Straße Ecke Wilhelm-Busch-Straße steht.

Seit gut einer Woche tobt sich dort Michael Ritzmann aus. Auf der Hauswand sind zwei Kinder zu sehen, die von allerhand Fantasie-Figuren umgeben sind und die sich der Betrachter teilweise durch aufmerksames Studium erschließen muss. Grundlage für das Werk ist ein altes Foto aus den Kindertagen seiner Schwester. Ein Junge schiebt ein kletterndes Mädchen ein Stück nach oben.

"Er schiebt sie so weit nach oben, dass sie über die Lärmschutzwand auf die vorbeifahrenden Züge lunzen kann", erklärt Michael Ritzmann den ganz aktuellen örtlichen Bezug: 50 Meter von der Wand entfernt verläuft nämlich die Bahntrasse.

Eigentlich sollten mit dem Projekt "OQ-Paint" drei Hauswände kunstvoll gestaltet werden. Doch eine Wand kann leider kurzfristig nicht bemalt werden. "Wir suchen daher dringend eine neue Wand", sagt Karina Halbauer. Möglichst in der Nähe des Schmidtstedter Knotens - schließlich hängen in einer Galerie die Werke auch nicht weit auseinander.

Nach den Vorstellungen der Initiatoren sollen in den nächsten Jahren weitere Wände dazukommen, so dass man sich dann die verschiedenen Wandbilder mit einem kleinen Stadtrundgang erlaufen kann.

Wer seine Hauswand zur Verfügung stellen möchte: karina.halbauer@deine-plattform.info .

Erfurter Künstler gibt 'immer 200 Prozent'

Wie ein Erfurter seinen Ausstellungsmarathon bewältigt

Weimars Symbiose mit Künstlerkolonien an der Ostsee

Weitere Infos unter:

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.