Tabarz ist auf dem Weg zum Kneipp-Heilbad

Tabarz  TLZ-Gastbeitrag: Wie der Tabarzer Kneipp-Arzt und Botschafter des Landkreises Gotha, Sigurd Scholze, seinen Heimatort sieht.

Der Kneipp-Arzt aus Tabarz, Sigurd Scholze, ist seit November 2015 zugleich Botschafter des Landkreises Gotha. Foto: Ute Rang

Der Kneipp-Arzt aus Tabarz, Sigurd Scholze, ist seit November 2015 zugleich Botschafter des Landkreises Gotha. Foto: Ute Rang

Foto: zgt

Ich hatte mich an meine Mitbürger gewandt, als wir vor genau 15 Jahren die erste Stufe eines Wegs beschritten, der uns vom Erholungsort zum Kneippkurort ab dem Jahr 2001 führte. Jetzt steht ein erneuter Schritt an, der es uns ermöglichen kann, im Rahmen der Qualitätsstandards des Deutschen Heilbäderverbandes in der Bädersparte Kneipp das Höchstprädikat Kneipp-Heilbad zu erhalten. Mit dem einstimmigen Votum des Gemeinderates wurden bereits 2014 die Weichen gestellt.

Sicher wird es alle interessieren, welche Voraussetzungen die Bezeichnung Kneipp-Heilbad erfordert. Es sind dies vor allem allgemeine und spezielle Anforderungen an Kurorte beim Umweltschutz, ein zehnjähriges unbeanstandetes Bestehen als Kneippkurort, ein durch Erfahrung bewährtes Bioklima sowie eine ausreichende Luftqualität, dazu die artgemäße Durchführung der Physiotherapie nach Kneipp, die Feststellung der gesicherten Qualität von Kneippkuren durch ein medizinisch-balneologisches Gutachten.

Kein anderer Ort ist ein Kneipp-Heilbad

Beginnen wir mit den Begutachtungen, die uns allesamt bereits zum Jahresende vorlagen. Es werden Tabarz uneingeschränkt luftkurorttypische lufthygienische Gegebenheiten bescheinigt und hinsichtlich der bioklimatischen Anforderungen an ein Kneipp-Heilbad alle gestellten Bedingungen ohne Einschränkungen erfüllt.

Gleichfalls erfüllt der Kneippkurort Tabarz laut medizinisch-balneologischer Begutachtung nach aktuellem Stand die Voraussetzungen, die nach dem Kurortegesetz des Freistaates Thüringen für die staatliche Anerkennung als Kneipp-Heilbad erforderlich sind.

Es ist ein anspruchsvolles Attribut, das im Freistaat bisher noch nicht verliehen wurde, uns Tabarzer aber zu konsequentem Mittun auffordert. Sei es in der Durchsetzung der gesetzlichen Vorschriften über den Umweltschutz, in den Maßnahmen zur Ausweitung der touristischen Attraktivität durch Klassifizierung der Mehrzahl der Gästebetten, zu buchbaren Pauschalen, Angeboten für Menschen mit Behinderung, Senioren und Kinder oder ganz allgemein bei der Durchsetzung von Ordnung und Sauberkeit im Ort. Die Vermeidung von Umweltbelastungen und die Beseitigung von Schadstoffimmissionen sollten immer vorrangig sein.

Dies gilt für die Beschränkung des Verkehrslärms, wie für den Lärm durch Gewerbebetriebe, Baulärm und für die Gewährleistung von Nachtruhe. Der Kurortcharakter ist nicht durch entsprechende Raumordnungs-und Bauleitplanung zu vermitteln, sondern auch Ausdruck der Beziehung aller Beteiligter, seien es nun Vermieter, Gaststättenbetreiber, Hoteliers, Gewerbetreibender oder eben alle Bürger, die ihren Ort lieben und schätzen, das heißt zu Tabarz stehen.

Jeder von uns kennt Mängel, deren Beseitigung möglich ist. Deshalb rufe ich alle Tabarzer dazu auf, jeder an seiner Stelle nach seinen Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass unser Ort das Ambiente erhält, das unserem künftigen Prädikat zusteht.

Nur durch entsprechende Qualität unserer Kurortstruktur, ein gepflegtes Ortsbild, Sauberkeit, Rücksichtnahme, Ruhe, Umweltbewusstsein und ein solches, bereits weitgehend in Kukuna und Galerie Ringelnatz verwirklichtes kulturelles Angebot werden wir unseren Kurgästen und Besuchern solche Eindrücke vermitteln, die sie zur Wiederkehr anregen.

Ich bin mir sicher, dass es uns gelingen wird, gemeinsam das gesteckte Ziel zu erreichen, denn wir sind auf einem guten Weg. Das zeigt die große Bereitschaft vieler Tabarzer für ihren Ort freiwillig ehrenamtlich etwas zu tun, zum Beispiel durch Sorge um die Flüchtlinge und den Mitbürger, durch Fair-Trade, die Bienenfreunde, Umweltaktionen mit Frühlingsblüher- und Baumbepflanzung und vieles mehr. So kann ich auch feststellen, dass das große Engagement der Kneipp-Protagonisten zugenommen hat. Dies spiegelt sich in einer Reihe von Entwicklungen wider, die in den letzten Jahren die Kneipp-Idee in Tabarz profiliert haben.

Hervorzuheben ist die Kita Villa Kunterbunt als erster Kneipp-Kindergarten Thüringens, die Ausbildung von Dienstleistern zum Kneipp-Gästecoach sowie der eingeschlagene Weg der Gemeinschaftsschule zur Kneipp-Schule. Die jahrelange Aktivität des Kneippvereins, die 1994 begann, im Verbund mit dem ebenfalls im Tabarzer Kneippzentrum ansässigen Landesverband bedarf einer Würdigung.

Ein kneippkurörtliches Highlight und unverzichtbar für den Gesundheit suchenden Gast ist das Tabarzer Bad „tabbs medical wellness and kneipp resort“ als eine therapeutische Einrichtung zur Rehabilitation und Vorbeugung. Dort werden in einem rundum positiven Ambiente ambulante Reha-Kuren/Kneipp-Badekuren und eine Vielzahl physikalischer Behandlungen durchgeführt.

Gemeinsam mit den Kliniken auf gutem Weg

Mein Resümee beinhaltet natürlich ebenso unverzichtbar unsere beiden Hauptträger kurspezifischer Tätigkeit, heute im Sinne von stationärer Rehabilitation und Sekundär-/Tertiärprävention bewertet, die sich als Inselsberg-Klinik für die Onkologische Rehabilitation sowie Lymphologie und als Klinik am Rennsteig für Orthopädie, Herz-Kreislauf, Diabetes sowie Neurologie etabliert haben und unserem künftigen Kneipp-Heilbad wiederum das Gepräge geben. Eine noch bessere Vernetzung mit unserem vielfältigen Angebotsspektrum darf ich mir dennoch wünschen.

Wir sind auf einem guten Weg. Gehen wir ihn deshalb gemeinsam an! Im April ist es soweit, dann ist die Ortsbegehung durch den Landesfachausschuss für Kur und Tourismus, der die Erfüllung der Kriterien eines Kneipp-Heilbades überprüft.

Sebastian Kneipp stellt uns ein Rezept in Aussicht, das mir oftmals schlüssig erscheint. Es lautet: „Das Einfache ist oft das Wirksame, das Milde ist oft das Starke. Das Einfühlsame ist oft das Nachhaltige. Das Natürliche ist oft das Erfolgreiche“.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.