Thüringen sagt Ja zu Kindern: In Gummistiefel durch den Geraer Wald

Gera Karin Senf sprüht vor Ideen und Elan. Kein Wunder, dass es der gelernten Kindergärtnerin, die gerade ihren 50. Geburtstag gefeiert hat, nach 15 Jahren in der Stadtverwaltung von Gera zu eng wurde und sie im März 2011 an die Spitze des Kreisverbandes der Volkssolidarität wechselte.

Kleine Forscher: Im Geraer Kindergarten "Am Walde" schließen Kinder wie Elias, Henry, Ivy, Jannis und Lisa an der Seite von Erzieherin Katrin Pesl täglich Bekanntschaft mit der Natur. Foto: Peter Michaelis

Kleine Forscher: Im Geraer Kindergarten "Am Walde" schließen Kinder wie Elias, Henry, Ivy, Jannis und Lisa an der Seite von Erzieherin Katrin Pesl täglich Bekanntschaft mit der Natur. Foto: Peter Michaelis

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Gera. Eine "sehr spannende Aufgabe", wie sie findet - allein schon deshalb, weil der Geraer Verband 300 Mitarbeiter zählt. Ihr neuestes Projekt hat sich Karin Senf zusammen mit den Leiterinnen der neun Kindertagesstätten unter dem Dach des Kreisverbandes ausgedacht: das Projekt "Ab in den Wald", das sich nur im ersten Moment nach einer Aufforderung anhört, wie sie auch die Eltern von Hänsel und Gretel an ihre Kinder gerichtet haben könnten.

"Ab in den Wald" soll ein Angebot insbesondere an Familien mit geringem Einkommen sein, für die an Urlaub, an eine Auszeit vom Alltag nicht zu denken ist. "Vor Jahren", sagt Karin Senf, "war ziemlich eindeutig, welches die sozialen Brennpunkte in der Stadt sind. Doch längst sind das nicht mehr nur Plattenbausiedlungen wie Lusan, große Armut trifft man inzwischen auch mitten in der Stadt an.

Mit Gummistiefeln durch den Wald

Die Kita-Leiterinnen berichten immer häufiger davon, wie schwer es manchen Eltern zum Beispiel fällt, das Essengeld für ihre Kinder zu bezahlen. Von solchen Sorgen und Nöten erfahren die Erzieherinnen immer als Erste." Wo jeder Cent dreimal umgedreht werden müsse, sei an einen Urlaub nicht zu denken. Es falle auf, dass immer mehr Kinder den ganzen Sommer über in der Kita bleiben, weil sich ihre Eltern keine Ferienreise leisten können. Karin Senf: "Unsere Kitas organisieren zwar auch ein schönes, abwechslungsreiches Programm, trotzdem wäre es für die Kinder sehr wichtig, mal rauszukommen und vielleicht auch gemeinsam mit ihren Eltern etwas Schönes zu unternehmen, unbelastet von den Alltagssorgen. Und seien es auch nur ein paar Tage."

Weil das gar nicht viel kosten muss, Kinder kleine Abenteuer lieben und es ohnehin klasse finden, wenn sie mitten in der Natur sind, hat sich die Runde Folgendes überlegt: Der Kindergarten im Geraer Ortsteil Dürren­ebersdorf trägt nicht nur den Namen "Am Walde", er liegt auch tatsächlich mitten im Grünen. Warum nicht auf der großen Freifläche gleich neben dem Kindergarten die der Heimatverein nutzt, zwei, drei Zelte aufbauen, die Infrastruktur der Kita nutzen und dorthin Kindergruppen und Familien zu ein paar Ferientagen einladen? "Das müsste doch zu machen sein", würde Karin Senf am liebsten sofort mit der Umsetzung anfangen, zumal sie um die engagierte Unterstützung der Kita-Leiterin und ihres Teams weiß.

Eine große Blockhütte wäre schön

Und schon sprudelt es aus ihr heraus: "Man könnte Ausflüge zum nahe gelegenen Tierpark und zum Kletterwald unternehmen, eine Schatzsuche mit dem Revierförster organisieren, mit Gummistiefeln und Regencape die Gegend erkunden, die Familien könnten gemeinsam kochen, zum Beispiel Pellkartoffeln mit Quark. Und bei all dem sollen sich die Kinder ruhig mal dreckig machen dürfen." Abends könnte man am Lagerfeuer sitzen, Knüppelkuchen backen, in den Sternenhimmel schauen und nach Sternschnuppen Ausschau halten. Für das Projekt fehle es aber an einer Anschubfinanzierung.

Deshalb setzen Karin Senf und ihre neun Kita-Leiterinnen große Hoffnungen in die Aktion "Thüringen sagt Ja zu Kindern": "Wir als Träger leisten unseren Eigenanteil in Gestalt der Personalkosten, weil eine solche Freizeit natürlich auch betreut werden muss, aber zum einen entstehen Betriebskosten, zum anderen brauchen wir Zelte und am besten auch eine Blockhütte oder einen Container, damit wir einen Gemeinschaftsraum vor allem bei nicht so schönem Wetter haben", sagt die Chefin der Geraer Volkssolidarität, die auch versichert: "Wir setzen das auf alle Fälle um. Denn wenn wir was machen, dann machen wir es richtig."

Im Sommer 2013 soll es mit dem Angebot losgehen. Der Bedarf, da ist sich Karin Senf bei insgesamt 1000 betreuten Kita-Knirpsen in Gera und Ronneburg sicher, ist groß. "Ab in den Wald" soll es zunächst einmal für Familien heißen, die bereits die Sozialkarte haben und bei denen die Erzieher in den Tagesstätten spüren, dass die Sorgen der Eltern auch die Kinder sehr belasten. Doch auch für Kindergartengruppen und Schulklassen ist das Projekt gedacht, in dem es um Gemeinschaft, das Erleben von Natur und darum geht, wieder Kraft für den Alltag zu sammeln.

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