Typisches Machtgehabe unter den Erfurter Elefanten

Roter Berg  Seit Montag teilen sich Jungbulle Kibo und Elefantendame Chupa für ein paar Stunden das Gehege. Sie sollen irgendwann einmal Erfurts Elefantenherde vergrößern. Bis dahin zeigt sich der weibliche Part noch etwas eingeschüchtert.

Elefantenbulle Kibo (links) trinkt gerade Wasser. Gemeinsam mit Kuh Chupa (rechts) soll er für Nachwuchs sorgen. Im Moment müssen sich die beiden erst aneinander gewöhnen. Im Hintergrund ist Elefantendame Safari zu sehen, sie wird erst später mit Kibo zusammengeführt. Foto: Marie Neubauer

Elefantenbulle Kibo (links) trinkt gerade Wasser. Gemeinsam mit Kuh Chupa (rechts) soll er für Nachwuchs sorgen. Im Moment müssen sich die beiden erst aneinander gewöhnen. Im Hintergrund ist Elefantendame Safari zu sehen, sie wird erst später mit Kibo zusammengeführt. Foto: Marie Neubauer

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Wo gibt‘s denn sowas? Elefantendame Chupa genießt gerade ihr Mittagessen, da kommt Bulle Kibo und jagt sie fort. Dabei hängen doch extra zwei mit Heu gefüllte Futternetze bereit. Er drückt mit seinen Stoßzähnen in ihr Hinterteil und schiebt sie fort; seine Ohren sind aufgestellt – das demonstriert Macht. Die Dickhäuterdame bleibt zunächst stehen, stemmt ihr Hinterteil gegen den kleineren Bullen und knurrt laut zurück. Dann stapft sie beleidigt und vielleicht auch ein wenig eingeschüchtert aus der Freilaufhalle. Kibo zeigt, dass er der Herr im Haus ist, das erhöht sein Selbstbewusstsein.

Dieses Verhalten mag verwundern, da erst mitgeteilt wurde, dass sich Chupa und Kibo gut verstünden. Warum nun aber solche Feindseligkeiten? Pfleger Dirk Hebs beruhigt: „Kibo präsentiert das typische Machtgehabe eines Bullen. Und das ist gut so, denn Chupa weiß nun, dass er am längeren Hebel sitzt.“ Mit dieser Geste zeigt der Dickhäuter, dass er zurechtweisen kann. Wäre es andersherum, müssten sich die Pfleger Sorgen machen. Dass Kibo Chupa verscheucht, ist also eine Geste von Machtdemonstration und braucht kein Grund zur Sorge zu sein.

Seit Montag teilen sich Chupa und Kibo etwa drei Stunden pro Tag einen gemeinsamen Auslauf. Sie sollen sich aneinander gewöhnen – ab jetzt ohne trennende Gitterstangen. Dann darf es auch über das anfängliche „berüsseln“ hinausgehen.

Der Jungbulle kam nach Erfurt, um gemeinsam mit Chupa für Nachwuchs zu sorgen. Auf der neugebauten Elefantenanlage ist Platz für einige Dickhäuter. Der darf nun gefüllt werden. Im Alter von zehn Jahren ist Kibo theoretisch schon zeugungsfähig, es könnte aber noch einige Zeit dauern, bis Nachwuchs kommt – eine Voraussage zum Wann und Ob ist nicht möglich.

Zunächst steht aber anderes im Mittelpunkt: „Kibo soll erst einmal ein bisschen Selbstbewusstsein entwickeln“, sagt Pfleger Hebs. Deshalb darf sich der Jungbulle vor der Elefantendame behaupten und beim Essen den Ton angeben. Mit der reiferen Kuh Safari wird er erst später zusammengeführt, sie würde ihn derzeit nicht als Chef anerkennen. Ohnehin soll sie nicht für Nachwuchs sorgen. Sie ist schon 44 Jahre alt und hat noch nie zuvor ein Kalb geboren. Das darf ihre 30 Jahre jüngere Dickhäuter-Freundin übernehmen

Seit Chupa vom Futter vertrieben wurde, hält sie sich nahe Safaris Box auf. Sie sucht die sichere Nähe der älteren Elefantendame. Sie ist ihre wichtigste Bezugsperson. Nach einiger Zeit aber lugt sie vorsichtig auf die Anlage. Traut sie sich wieder, traut sie sich nicht? Sie geht auf und ab und hält den Rüssel immer mal wieder auf die Anlage, als würde sie schnuppern, ob „die Luft rein ist“.

Dann, nach fast einer Dreiviertelstunde, wagt sie sich wieder herein – mit dem Hinterteil voran. Im Rückwärtsgang geht es auf die Anlage. Sie bleibt eine Minute, schaut ein wenig verschüchtert umher, um sich doch wieder zurückzuziehen. Möglicherweise ist sie noch ein wenig beleidigt – Frauen können nachtragend sein.

Kibo hat derweil das Heu leer gegessen – seines und das von Chupa. Jetzt gibt es nichts mehr, was verteidigt werden müsste. In einem Futterloch zapft er sich Wasser aus einem Hahn – das viele Heu hat wohl durstig gemacht.

Übrigens, erklärt der Pfleger, wenn Kibo „sein bestes Stück ausfährt“ fühlt er sich wohl. Und das tut er an diesem Tag offensichtlich sehr. Der weiteren Zusammenführung steht also nichts im Wege.

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