Weimarer Buchhändler verkauft „Die Eule“

Weimar  Manchmal passt es einfach. Wie der Deckel zum Topf. Dass Christopher Schnell nach acht Jahren den Frauenplan verlässt, heißt nicht, dass die Tage der Buchhandlung dort gezählt sind. Steffen Knabe und Juliane Bleis übernehmen „Die Eule“ zum 1. Juli.

Für alle Drei ändert sich viel: Die neuen Besitzer, Steffen Knabe und Juliane Bleis (40), sowie Christopher Schnell (r.), dem die Buchhandlung „Die Eule“ seit 2007 gehörte. Foto: Maik Schuck

Für alle Drei ändert sich viel: Die neuen Besitzer, Steffen Knabe und Juliane Bleis (40), sowie Christopher Schnell (r.), dem die Buchhandlung „Die Eule“ seit 2007 gehörte. Foto: Maik Schuck

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„Ab nach Paris. Ein paar Tage, um dann weiter nach Istanbul zu reisen. Ich muss meine Akkus aufladen“, sagt Christopher Schnell. Und freut sich dabei auf etwas, was Menschen ganz selbstverständlich Urlaub nennen und vielen selbstständigen Kaufleuten doch wie ein Fremdwort daherkommt. „Ich bin jetzt 27 Jahre alt. Bücher sind mein Leben. Aber das kann einfach noch nicht alles gewesen sein“, erzählt Schnell. Es geht nicht darum, dass ein Buchhändler die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Buchhaltung beschäftigt ist. Es geht darum, werktags, an den Wochenenden und an Feiertagen im Geschäft zu stehen. Und den Weihnachtsabstecher zu seinen Eltern in Eisenach auch noch verkürzen zu müssen, weil die Inventur wartet. Mit 18 Jahren wagt Christopher Schnell den Schritt in die Selbstständigkeit und dürfte einer der jüngsten, selbstständigen Buchhändler Deutschlands sein. Er beginnt vorher seine Ausbildung in Eisenach, um dann in die Filiale nach Weimar zu kommen. Seit Oktober 2007 steht er auf eigenen Beinen. Bis jetzt. Aber jetzt ist Schluss. Seine neue Zukunft beginnt im September, wenn es als angestellter Veranstaltungsmanager und Verkaufsleiter für das Verlagshaus Römerweg arbeitet. Der Entschluss ist lange gereift. Und dass er ausdrücklich seinen Eltern danken will, hat einen Grund. „Sie haben mich ertragen und getragen“, erklärt er. Und Vater Schnell sei zunächst nicht begeistert gewesen, dass sein Sohn nun ein Angestellter wird.

Wenn in Weimar ein Geschäft schließt, öffnet dort Wochen später zumeist eine Bäckerei. Oder ein Handyshop. In diesem Fall verkauft Schnell allerdings die gesamte Buchhandlung. Steffen Knabe und er werden sich bei der Einkaufsnacht im Mai einig. In der Welt der Märkte und Moneten würde man sagen, Knabe und Bleis verschaffe sich einen strategischen Vorteil, erhält doch der Knabe-Verlag endlich ein Schaufenster im Herzen der Stadt.In der Eule findet „Doc MacDooleys Elfenstunde“ statt, später geht es ans Eingemachte.

Auch Knabe steht vor einer Zäsur in seinem Leben. Der Knabe-Verlag, der in der DDR für seine „Jugendbücherei“ mit fast 270 Titeln bekannt ist, wird nach 23-jähriger Pause im Sommer 2007 von ihm wiederbelebt. „Ich sage nicht, dass der Verlag ein Hobby ist. Aber ich brauchte ein zweites Standbein“, erklärt er. Für Steffen Knabe ist dies die Magamo GmbH, ein Dienstleister für Film- und TV-Produktionen, der Maskenmobil, Garderobenmobil, Aufenthaltsbusse und anderes mehr verleiht. Das Weimarer Tatort-Team nutzt seine Dienste, Aufträge führen ihn aber auch weit über die Grenzen Thüringens hinaus. „Irgendwann erkennt man, dass man sein Leben auch familienfreundlicher gestalten kann.“ Juliane und er sind ein Paar, dazu kommen drei Kinder, eine klassische Patchworkfamilie eben.

Und angesichts des jahrelangen Wunsches, mit dem Verlag in der Innenstadt präsent zu sein, ein eigenes Schaufenster zu haben, ist es Fügung, wenn Knabe und Schnell an diesem Abend ins Gespräch kommen. Steffen Knabe wird sich als Geschäftsführender Gesellschafter bei Magamo zurückziehen und sich gemeinsam mit Juliane Bleis auf das Buch konzentrieren.

Natürlich wird das Sortiment des Knabe-Verlages einen Schwerpunkt bilden. Aber Krimis, Bücher über Weimar und die Region sowie anderes mehr behalten Knabe und Bleis im Angebot. Und auch am Namen des Geschäfts will das Paar nicht rütteln: Die Eule bleibt. „Ich glaube, es ist wirklich ein sehr großer Vorteil, in diesem Geschäft beide Seiten zu kennen. Die Sicht des Verlages. Und die Sicht des Buchhändlers“, erklärte Knabe.

Er und Christopher schnell sitzen an diesem Nachmittag in einem Café am Frauenplan. Knabes Handy klingelt, es ist das Tatort-Team, denn die Dreharbeiten beginnen in wenigen Wochen. Vor allen Drei steht ein neues, ein verändertes Berufsleben. Darauf wollen sie am 30. Juni bei einem Sektempfang in der Eule anstoßen. Gründe gibt es viele. Zumal Steffen Knabe an diesem Tag auch seinen 37. Geburtstag feiert. Und einen Tag später dürfte der umgebaute und mit Bücherregalen ausgestattete Piaggio Ape50 aus dem Jahr 1975 vor der Tür stehen. Die rollende Buchhandlung ist längst zu einer Visitenkarte des Verlegers geworden und steht – wenn Steffen Knabe nicht gerade für seinen Verlag unterwegs ist – an der Trierer Straße.