Weimarerin Luise Göbel gewinnt Bauchemie-Preis

Weimar  Wenn von heute an die Deutsche Bauchemie in Hamburg tagt, rückt der Fokus der Teilnehmer auf eine Weimarerin: Luise Göbel (24). Ihr wird im Rahmen der Mitgliederversammlung im Hotel Le Méridien der Förderpreis des Dachverbandes verliehen.

Schwimmt. Ist aber aus Beton. Luise Göbel bei der Taufe der Betonkanus im Schwanseebad. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Wir sprachen mit der jungen Wissenschaftlerin.

Herzlichen Glückwunsch! Und nun folgt die Bitte, die prämierte Masterarbeit in ein alltagstaugliches Deutsch zu übersetzen: „Komplexierung von Calcium-Ionen der Zementleimporenlösung durch Polyvinylalkohol – Thermodynamische Betrachtungen und methodisches Vorgehen zur Erfassung dieses Vorganges“. Was hat die Welt von Ihrem Wissen?

Der Preis kam sehr unerwartet für mich. Hätte ich gewusst, dass die Arbeit nicht in einer Schublade verschwindet, hätte ich den Titel vielleicht noch einmal verständlicher formulieren sollen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die Arbeit mit Vorgängen, die in neuartigen Betonbaustoffen ablaufen, befasst. Um die Dauerhaftigkeit von Betonbauwerken oder die Haftung von Reparaturmörteln am Untergrund zu verbessern, gibt es die Möglichkeit, Betonen während ihrer Herstellung Polymere zuzugeben. Die Wissenschaft beschäftigt sich nun mit der Frage, wie die Kunststoffe die Erhärtungsvorgänge im Gefüge beeinflussen und wie die dabei ablaufenden Vorgänge analysiert werden können. Die Kunststoffe enthalten wiederum verschiedene Additive, sodass die Wechselwirkungen zwischen allen Komponenten sehr komplex und noch nicht hinreichend erforscht sind. Ich habe mir nun für die Reaktion zwischen einem bestimmten Polymer und einem Bestandteil im Beton eine Methodik überlegt, wie der Vorgang erfasst werden könnte. Anschließend habe ich versucht, die Ergebnisse aus den praktischen Versuchen mathematisch zu überprüfen. Die aus der Forschung gewonnenen Kenntnisse fließen wiederum in die Industrie ein, wodurch noch leistungsfähigere und beständigere Baustoffe entwickelt werden können.

Sie studierten Baustoffingenieurwissenschaften. Ein Fach, das doch eher eine Männerdomäne ist.

Glücklicherweise war die Zusammensetzung in unserer Studiengruppe geschlechtermäßig sehr ausgeglichen, sodass ich nie den Eindruck hatte, in einer spezifischen Männerdomäne zu studieren. In einem anderen Jahrgang überwog sogar die Anzahl der Frauen. Deutlicher wurden die Unterschiede dann in Praktikumsbetrieben, wo in den Produktionshallen vor allem Männer arbeiteten. Sobald sie aber mitbekamen, dass ich bereit war anzupacken und nicht davor scheute, am Ende des Arbeitstages schwarz von dem Staub zu sein, verflog die anfängliche Skepsis. Wahrscheinlich begegnen Frauen in solchen Berufszweigen immer Vorurteile und sie müssen oftmals härter arbeiten, um sich zu beweisen, aber ich hoffe, dass es mehr und mehr alltäglich wird, dass geschlechterunspezifisch studiert und gearbeitet wird.

Der Studiengang lief aus. Ein Verlust für die Bauhaus-Universität?

Der Studiengang als grundständiges Bachelor-Studium lief aus, allerdings gibt es weiterhin noch die Vertiefung als Master-Studiengang. Darüber freue ich mich, denn das Studium Baustoffingenieurwissenschaft ist in dieser Form einmalig in Deutschland. Dabei werden die Absolventen überall händeringend gesucht, da die Kombination aus Materialwissenschaft und dem Fachwissen im Baubereich in den Bereichen Neubau, Sanierung, Recycling und Umweltschutz sowie der Entwicklung neuer Materialien gefragt ist. Aber die geringen Studierendenzahlen haben nicht ausgereicht, um ihn am Leben zu erhalten. Ich denke, einer der Gründe dafür ist, dass zu wenige von diesem Studium erfahren haben. Außerdem entscheiden sich viele Schulabgänger eher für einen bekannten Studiengang, als das Risiko des Unbekannten auf sich zu nehmen.

Wie wurde Ihre Masterarbeit bewertet?

Ich habe damals die Note 1,4 bekommen. Meine Professorin Andrea Osburg hatte doch noch den ein oder anderen Kritikpunkt, umso erfreulicher, dass es für den Preis gereicht hat.

Wie geht es jetzt im Leben der Luise Göbel weiter?

Direkt mit der nächsten wissenschaftlichen Arbeit ... Seit Oktober bin ich als Doktorandin an der Fakultät Bauingenieurwesen der Bauhaus-Universität tätig und arbeite an meiner Doktorarbeit. Auch darin geht es um Beton, allerdings liegt der Schwerpunkt auf der Modellierung des Verhaltens mittels Computerprogrammen. Dies hat den Zweck, aufwendige Experimente und deren Herstellungskosten zu sparen.

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