Zahl der Einbrüche in Thüringen sprunghaft gestiegen

Es trifft nicht nur Prominente wie Volksmusiker Heino, dessen Wohnung in Bad Münstereifel Einbrecher Ende November leerräumten. Es kann jeden treffen - auch jene, die meinen, bei ihnen sei doch schließlich gar nichts zu holen. Die Rede ist von Wohnungseinbrüchen, deren Zahl in Thüringen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat.

Mit der Dämmerung steigt das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden. In Thüringen ist die Zahl der Einbrüche in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen - vor allem entlang der Autobahnen. Foto: dapd

Mit der Dämmerung steigt das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden. In Thüringen ist die Zahl der Einbrüche in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen - vor allem entlang der Autobahnen. Foto: dapd

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Erfurt. Erst vor wenigen Tagen musste ein 61-Jähriger in Bad Blankenburg feststellen, dass er am helllichten Tag ungebetene Gäste in seinem Einfamilienhaus hatte: Als er gegen 16 Uhr zurückkehrte, bemerkte er zuerst frische Einbruchspuren - und dann ein heilloses Chaos im ganzen Haus. Die Täter hatten sämtliche Räume und Schränke durchwühlt und neben mehreren hundert Euro Bargeld auch Goldschmuck erbeutet. Vergangene Woche rief dann ein 61-Jähriger in Gräfenthal, ebenfalls im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, die Polizei: Auch in seine Mietwohnung war, während er außer Haus auf Arbeit war, eingebrochen worden. Die Täter hatten - wiederum tagsüber - die Tür der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus aufgehebelt und unter anderem einen Laptop im Wert von 700 Euro mitgehen lassen.

Die beiden Fälle zeigen: Diebe kommen nicht nur am Abend und in der Dunkelheit, sondern auch tagsüber. 353 der insgesamt 1112 Wohnungseinbrüche, die laut Landeskriminalamt Thüringen (LKA) im vergangenen Jahr im Freistaat registriert wurden, wurden zwischen 6 Uhr morgens und 21 Uhr abends verübt. Ein Tatzeitschwerpunkt liegt zudem in den Nachmittags- und frühen Abendstunden, zwischen 16 und 21 Uhr, wenn die Dämmerung einsetzt und den Tätern bereits einen gewissen Sichtschutz bietet.

Wohnungseinbrüche oft an einem Montag

Da Wohnungseinbrüche vergleichsweise oft an einem Montag bemerkt und angezeigt werden, geht die Polizei davon aus, dass die Einbrecher bevorzugt an Wochenenden zuschlagen, wenn Mieter oder Eigentümer ausgeflogen und ihre Wohnungen oder Häuser verwaist sind. Aus genau diesem Grund häufen sich Einbrüche auch in Ferienzeiten. 2012 beispielsweise wurden im Mai, August und Oktober nach Angaben von LKA-Sprecher Ringo Mühlmann vergleichsweise viele Wohnungen oder Einfamilienhäuser von Einbrechern heimgesucht. 305 der 1112 Thüringer Einbrüche des Vorjahres lagen im Sommer, 301 im Herbst - im Frühjahr und Winter, wenn sich die Bewohner mehr zu Hause aufhalten als in der warmen Jahreszeit, ist die Zahl deutlich geringer.

Die Täter stehlen oft alles, was nicht niet- und nagelfest ist und sich zu Geld machen lässt. Neben Bargeld, das sie natürlich erst recht nicht verschmähen, sind das vor allem Münzen und Schmuck, aber auch Laptops und Handys. Auffällig ist dem LKA zufolge, dass die Täter längst so gewieft sind, dass sie nicht mehr jeden Schmuck mitnehmen, sondern diesen gleich vor Ort nach seiner Wertigkeit sortieren. Mitgenommen wird nur, was hochwertig ist.

Schlimmer als der rein materielle Schaden und das Durcheinander ist für viele Opfer, für die der Einbruch zudem ein großer Schock ist, aber der psychische: Nicht nur, dass die Täter ihre Privatsphäre verletzt haben, auch das Gefühl, in den eigenen vier Wänden sicher zu sein und dort auch einen sicheren Ort für persönliche Gegenstände zu haben, geht mit dem Einbruch verloren. Mancher Mieter leidet nach der Tat an schwerwiegenden psychischen Problemen.

Deshalb ist die Prävention so wichtig. Dirk Sauter, Sprecher der Landespolizeidirektion in Erfurt, kann jedem nur ans Herz legen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn wer die Gefahren kenne, könne auch viele Risiken ausschließen. Er empfiehlt, die Beratung der Polizei zu nutzen und sich beispielsweise auf der Homepage www.polizei-beratung.de darüber zu informieren, wie man Einbrechern das Leben möglichst schwer macht: Indem man sich selbst an eine Handvoll Verhaltensregeln hält und seine vier Wände möglichst einbruchssicher gestaltet.

Sozialkontrolle hilft gegen Einbrecher

Mühlmann und Sauter können es zudem nur begrüßen, wenn die Sozialkontrolle funktioniert und sich Zeugen bei der Polizei melden, weil sie den Eindruck haben, dass eine Wohnung oder ein Haus in der Nachbarschaft ausgespäht werden soll. Es ist Gold wert, Nachbarn zu haben, denen verdächtige Personen im Haus oder auf einem Grundstück nicht gleichgültig sind - aber natürlich sollte auch jeder selbst eine gewisse Sensibilität dafür entwickeln.

In Einfamilien- oder Reihenhäuser verschaffen sich die Täter meist Zutritt, indem sie Fenster oder Türen aufhebeln. Oft die Terrassentüren, denn diese befinden sich häufig auf der straßenabgewandten Hausseite, wo das Risiko, entdeckt zu werden, geringer ist. "Bei Mehrfamilienhäusern werden eher Kellerfenster und Wohnungstüren aufgebrochen", so LKA-Sprecher Ringo Mühlmann.

Thüringen gehört zwar zu den Bundesländern mit den wenigsten Wohnungseinbrüchen, dennoch ist deren Zahl in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: von 602 im Jahr 2010 auf 867 (2011) und 1112 im vergangenen Jahr. 176 Mal suchten Einbrecher im Jahr 2010 Einfamilienhäuser heim, 330 waren es im Jahr darauf, 287 im vorigen Jahr. Mit der Zahl der Wohnungseinbrüche ist auch die Höhe des Schadens gewachsen: 2010 lag sie bei insgesamt 817"295 Euro, 2011 bei 1,37 Millionen Euro und 2012 bei 1,402 Millionen Euro. Konnte vor drei Jahren noch fast jeder zweite Einbruch (44,3 Prozent) aufgeklärt werden, war es im vergangenen Jahr nicht einmal mehr jeder dritte (30,4 Prozent).

Zur Sache: Polizei gibt Tipps

Die Polizei bietet speziell zum Thema Wohnungseinbruch viele Broschüren an, die unter anderem in den (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen ausliegen, aber auch Tipps im Internet. Hier ein Auszug:

  • "Halten Sie in Mehrfamilienhäusern den Hauseingang auch tagsüber geschlossen. Prüfen Sie, wer ins Haus will, bevor Sie den Türöffner betätigen.
  • "Betreuen Sie die Wohnung länger abwesender Nachbarn, indem Sie zum Beispiel den Briefkasten leeren. Es geht darum, einen bewohnten Eindruck zu erwecken. ´
  • "Einen guten Einbruchschutz bieten geprüft einbruchhemmende Türen nach DIN EN 1627 mindestens der Widerstandsklasse (RC) 2. Der Einbruchschutz für Türen kann aber auch im Nachhinein noch deutlich verbessert werden. Wichtig ist aber die "fachgerechte "Montage.
  • "Wenn Sie ihr Haus verlassen - auch nur für kurze Zeit - schließen Sie unbedingt Ihre Haustür ab!
  • "Verschließen Sie immer Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Denken Sie daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster!
  • "Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen. Einbrecher finden jedes Versteck!
  • "Wenn Sie Ihren Schlüssel verlieren, wechseln Sie den Schließzylinder aus!
  • "Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit!
  • "Wenn Sie den Einbau einer Einbruchmeldeanlage in Erwägung ziehen, sollten Sie sich vorher unbedingt bei einer (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstelle erkundigen.

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