Leutenthal: Oswald Malarski ruft Tiere und Pflanzen des Jahres aus

Sibylle Göbel
| Lesedauer: 4 Minuten
Keine Bange: Die präparierten Schmetterlinge sind viele, viele Jahrezehnte alt. Der Leutenthaler Oswald Malarski (73) hat sie in seiner Kindheit und Jugend gesammelt. Einmal im Jahr zeigt er sie in seinem privaten Scheunenmuseum her. Foto: Peter Michaelis

Keine Bange: Die präparierten Schmetterlinge sind viele, viele Jahrezehnte alt. Der Leutenthaler Oswald Malarski (73) hat sie in seiner Kindheit und Jugend gesammelt. Einmal im Jahr zeigt er sie in seinem privaten Scheunenmuseum her. Foto: Peter Michaelis

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Leutenthal: Oswald Malarski ruft für seinen Ort Tiere und Pflanzen des Jahres aus

Leutenthal. Vokabeln wie "Müßiggang" und "Langeweile" gehören nicht zu Oswald Malarskis aktivem Wortschatz. Das Leben des 73-Jährigen ist bunt und vielfältig und ausgefüllt. Das liegt indes nur zum Teil an seinem 1000 Quadratmeter großen Hofgrundstück in Leutenthal im Weimarer Land mit gleich drei Gartenflächen darauf.

Der Diplom-Agraringenieur hat sich mit seinem privaten Scheunenmuseum, in dem er alte Fotoapparate genauso sammelt wie etwa Rundfunkempfänger, Bücher, Dokumente oder andere Alltagsgegenstände aus längst vergangenen Tagen auch einen langgehegten Traum erfüllt. Seit 15 Jahren betreibt er das Museum, dem er immer wieder Exponate einverleibt. Wer bei ihm klingelt, wird gern eingelassen und durch die wohlgeordnete Sammlung geführt.

Insekten sind die "heimlichen Herrscher der Erde"

Daneben aber ist Oswald Malarski auch ein Naturkenner, -freund und -beobachter, wie er im Buche steht. Was immer auch kreucht und fleucht oder durch die Luft schaukelt, was immer auch sich durch die Erde kämpft und in Garten oder Feldflur heranwächst - Oswald Malarski bemerkt, bestimmt und fotografiert es, sofern nicht ein Tier zu schnell aus seinem Blickfeld verschwindet. Als Sohn eines Forstmeisters hat der gebürtige Siebenbürge gewissermaßen en passant aufgesogen, wie Pflanzen und Tiere heißen, wo sie ihren Lebensraum haben und wofür sie Indikator sind.

Schon als Knirps interessierte sich Malarski vor allem für Insekten, die er heute schon wegen ihrer Anzahl und ihrer Widerstandsfähigkeit die "heimlichen Herrscher der Erde" nennt - ganz besonders aber für Schmetterlinge. Er war, allein, mit den Geschwistern oder dem Vater, oft mit dem Schmetterlingsnetz unterwegs, fing die Tiere, bestimmte und präparierte sie und ordnete sie in Schaukästen an. Doch das ist lange her. Seit den 60er Jahren schon entlässt er die Falter, sobald er sie begutachtet und fotografiert hat, wieder in die Freiheit.

Die Schmetterlingssammlung aus seiner Kindheit und Jugend aber hat er aufbewahrt. Sie muss vor Licht geschützt sein und gepflegt werden, "um nicht von den Motten zerfressen zu werden", wie seine Frau sagt. Einmal im Jahr kommt die Sammlung zu Ehren, wenn Oswald und Erika Malarski ihr Museum ein ganzes Wochenende lang öffnen.

Schon bis 2016 hat Malarski Kandidaten im Blick

Als der Leutenthaler im Juli 2005 an einer Kartoffelpflanze einen Totenkopfschwärmer entdeckte, dessen Hauptverbreitung in den Tropen Afrikas liegt, war das die Initialzündung zu einer Idee, die landesweit ihresgleichen suchten dürfte: Warum nicht, wie es Naturschutzorganisationen, Kuratorien oder Bundesbehörden tun, Tiere und Pflanzen des Jahres speziell für Leutenthal ausrufen? Im Jahr darauf setzte Oswald Malarski den Gedanken in die Tat um: Seither benennt er jeweils eine Schmetterlings-, Käfer, Insekten, Spinnen-, Vogel-, Wildtier, Blumen- und Baumart für die nur etwa 260 Einwohner zählende Gemeinde im nördlichen Weimarer Land.

In diesem Jahr sind es unter anderem das Taubenschwänzchen (Schmetterling), der Pinselkäfer, der Rote Milan, die Mausohr-Fledermaus und die Walnuss. Bedingung: Malarski muss deren Vorkommen in Leutenthal nachgewiesen haben. Und genauso wie zum Beispiel die Umweltverbände liegt dem 73-Jährigen daran, durch die Ausrufung auf die Gefährdung der Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensräume hinzuweisen.

Für 2014 fehlen Oswald Malarski nur noch die Krabbeltiere, selbst für 2015 und 2016 . Wie in den Jahren zuvor hat er die Tiere und Pflanzen des Jahres 2013 nebst Fotos, lateinischer Bezeichnung, Fundort und -datum auf einer Tafel dargestellt, die jeder ansehen kann, der sich dafür interessiert. "Leider", bedauert Oswald Malarski, "sind das nur wenige". Umso mehr freut es ihn, wenn wie neulich Kinder anklopfen. Die Schmetterlingsgruppe der Montessorischule Nohra bestaunte seine Falter - aber noch mehr seine Sammlung an Fossilien und Mineralien.

Ehefrau Erika (69) hat auch nach über 50 Ehejahren vollstes Verständnis für die Sammelwut ihres Mannes, wünschte sich manchmal aber schon, dass sich ihr "Ossi" auf drei, vier Themen beschränkte. Er hört es wohl, um sogleich spitzbübisch zu entgegnen: "Niemals nicht."