Mit der Tupper-Dose zum Fleischer: „Eigentlich machen wir das nicht“

Erfurt  Kann man beim Einkaufen Plastikmüll vermeiden? Vor allem beim Fleischer heißt es: Hygiene geht vor. Mitgebrachte Behältnisse für Wurstwaren sind daher tabu.

Plastikmüll ist ein weltweites Problem – das zeigt dieser verschmutzte Atlantikstrand im Senegal: Mindestens 270 000 Tonnen Kunststoffteile schwimmen als riesige Plastikinseln auf den Meeren. Dem will die EU mit neuen Gesetzen zur Plastikmüllvermeidung begegnen. Foto: Nic Bothma

Foto: zgt

Wenigstens auf die Plastiktüte beim Einkauf zu verzichten, ist mit einem Stoffbeutel im Gepäck für den Kunden kein Problem. Zunehmend werden die großen Beutel und kleinen Tütchen aus Plastik auch nicht mehr kostenlos als Dreingabe zum Einkauf aufgedrängt: Ein Umdenken hat eingesetzt, verbunden mit einer Abgabe der Tüten nur gegen Cent in variierender Höhe. Und fast immer liegen heute neben den Plastikbeuteln auch Alternativen aus Papier oder Stoff an der Kasse.

Selbst wer Wurst oder Käse aus der Kühltheke im Lebensmittelmarkt meidet, die mit viel Verpackung und wenig Umweltbewusstsein daher kommen, ist nicht aus dem Schneider. Auch an der Käse- oder Fleischtheke bekommt er zum Leberkäse oder Emmentaler meist Plastik als Trenner zwischen den Sorten und als Hülle ums Gesamtpaket dazu.

Wäre es da nicht angebracht, eigene Verpackungen in den Laden mitzubringen und zu nutzen? Klingt einfach, ist es aber nicht. „Eigentlich machen wir das nicht“, sagt die Verkäuferin – der Kunde ist allein im Geschäft – und sie nimmt dann doch die gereichte Büchse entgegen. Eine absolute Ausnahme, wie ein Test in zufällig ausgewählten Lebensmittelgeschäften der Landeshauptstadt zeigt. Denn Mitbring-Behältern hat die Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) einen Riegel gesetzt. Eigentlich.

Wer auf mitgebrachte Gefäße etwa beim Wurstkauf beim Fleischer setzt, dem müsste die Verkäuferin die Scheiben quasi über die Theke werfen – was wohl nur eine theoretische Variante ist.

Was bei Brötchen gang und gäbe ist, nämlich dass die Backwaren auch in mitgebrachte Stoffbeutel gepackt werden, wird geduldet – erwünscht ist eigentlich auch dies nach Lebensmittel-Hygiene-Verordnung nicht.

Nach deren Paragraph 3 muss „die Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung von Lebensmitteln bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt vermieden werden“. Im Amtsdeutsch heißt es weiter: „Unverpackte Lebensmittel sind durch Kontakt mit Verpackungen einer Reihe von nachteiligen Beeinflussungsmöglichkeiten ausgesetzt. Hierzu zählen beispielsweise Mikroorganismen auf der Oberfläche der Verpackung aber zum Beispiel auch chemische Inhaltsstoffe aus dem Verpackungsmaterial.“

Einzelhändler trägt die Verantwortung

So geht das Gesundheitsamt in Erfurt davon aus, dass grundsätzlich im Alltag damit gerechnet werden müsse, dass die vom Verbraucher mitgebrachten Verpackungen entweder nicht geeignet, nicht ausreichend chemisch und thermisch stabil sind, oder aber nicht ausreichend behandelt oder aufbewahrt wurden.

„Einerseits kann somit das Lebensmittel durch direkten Kontakt nachteilig beeinflusst werden. Andererseits ist allerdings auch die Hygiene in der Betriebsstätte des Einzelhändlers durch diese Gefäße und deren Zustand gefährdet“, heißt es auf Anfrage der TLZ aus dem Erfurter Gesundheitsamt. Dabei ließen sich nicht alle unverpackten Lebensmittel gleichermaßen über einen Kamm scheren: Fleisch, Wurst, zubereitete Speisen und Salate oder ähnlich verderbliche Lebensmittel gelten dabei als wesentlich mehr gefährdet, als Brot und Brötchen oder auch unverarbeitetes Obst und Gemüse.

Für die Einhaltung der lebensmittelhygienischen Bedingungen ist der Einzelhändler verantwortlich. „Er wird daher in jedem Einzelfalle zu prüfen haben, ob und gegebenenfalls welche mitgebrachten Verpackungen von einem Kunden akzeptiert werden können.“

Wer also an das ökologische Gewissen einer Verkäuferin appelliert, Ware in mitgebrachte Dosen oder Gläser zu füllen, der bringt damit den Verkäufer quasi an den Rand der Legalität – und möglichenfalls die Gesundheit der übrigen Kunden in Gefahr. Jedenfalls dann, wenn das jeweilige Transport-Behältnis die magische Grenze überquert, die für die Ware – und die Hygieneverordnung die jeweilige Ladentheke darstellt.

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