Pferde-Drama: Gestüt in Meura bangt weiter um verbliebene Fohlen

Das Gift ist draußen, doch die Organe sind geschädigt. Noch immer muss der Tierarzt zweimal am Tag zur Visite auf das Gestüt bei Meura kommen. Unbekannte hatten Teile von Buchs- und Lebensbäumen auf eine Koppel geworfen, an denen 17 Tiere starben. Die Polizei ermittelt weiter.

Immer langsam mit den Pferden: Gestüts-Inhaberin Anke Sendig kümmert sich in Meura um einen Wallach. Doch dieser will eigentlich nur in Ruhe Gras fressen. Foto: Matthias Benkenstein

Immer langsam mit den Pferden: Gestüts-Inhaberin Anke Sendig kümmert sich in Meura um einen Wallach. Doch dieser will eigentlich nur in Ruhe Gras fressen. Foto: Matthias Benkenstein

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Meura. "Bitte den Stall nicht betreten" steht auf einem Schild an der Tür. Drinnen sitzt Sarah, eine angehende Pferdewirtin, und führt Protokoll: Kot, Urin, Temperatur, Medikamente. "Heute geht es ihnen relativ gut", sagt die 19-Jährige. "Sie fressen alle, nicht nur Heu, sondern auch frisches Gras."

Sarah überwacht in dem fast leeren Stall drei bildschöne Junghengstfohlen mit hellfüchsigem Fell. Dass sie nicht wie die anderen Pferde draußen grasen können, liegt daran, dass sie krank sind. Sundancer, Woodstock und Avant sind die letzten Tiere einer ganzen Herde von Haflinger-Fohlen, die sich Anfang Mai stark vergiftet hatte.

Pferde haben giftige Pflanzen gefressen

Es hatte sich herausgestellt, dass die Tiere des Haflinger-Gestüts Meura (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) Teile von für sie giftigen Buchs- und Lebensbäumen gefressen hatten, die von Unbekannten auf eine Koppel im benachbarten Gräfenthal geschmissen worden waren. Pferde sind in Sachen Verdauung sehr empfindlich, nicht so robust wie etwa Kühe oder Schafe. 17 Tiere sind mittlerweile tot. Die Polizei ermittelt weiter wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung, befragt Anwohner und sucht Zeugen.

"Erst wussten wir ja gar nicht, was los ist", sagt Sarah, die ihre Lehre auf dem Haflinger-Gestüt macht. Als nach und nach die Erkenntnis durchdrang, dass es sich um eine schwere Vergiftung handelt, sei es ein Schock für alle 20 Mitarbeiter gewesen. "Ich bin jedoch guter Dinge, dass es die restlichen drei Fohlen schaffen", sagt sie.

Gestüts-Inhaberin Anke Sendig berichtet jedoch, dass die verbliebenen Tiere noch nicht über den Berg seien. Das Gift sei zwar mittlerweile durch Infusionen aus den Körpern gespült worden, doch müsse man jetzt mit den Folgen kämpfen. In diesem Fall sind das Organschäden, von denen niemand weiß, wie schwer sie sind. Noch immer muss der Tierarzt zweimal am Tag zur Visite kommen, um etwa Blutbild, Temperatur und Kreislauf zu überwachen.

Sendig setzt darauf, dass sich die Körper junger Pferde besser regenerieren als die von älteren. Auch seien die Fohlen nicht mehr so apathisch wie in der vergangenen Woche und liefen wieder mehr herum, was wichtig sei für die Genesung, sagt die 43-Jährige. Sie appelliert noch einmal an alle, nicht unbedacht Pflanzen und Gegenstände auf Koppeln zu werfen. "Es ist nicht so, dass die Leute den Tieren nichts Gutes tun sollen. Im Gegenteil, das ist ja lieb. Nur sollten sie vorher bitte fragen."

Trauer um verstorbene Haflinger

Seit vier Jahrzehnten werden in Meura inmitten des Thüringer Waldes Haflinger gezüchtet. Fast 300 Pferde werden hier im Sommer auf naturbelassenen, gesunden Weiden gehalten, im Winter in großen Laufställen. Regelmäßige Veranstaltungen wie Turniere, Fohlenschauen, Leistungsprüfungen und Sommergalas locken viele Gäste zu diesem idyllischen Fleckchen Erde. Zu den zahlreichen Angeboten gehören außerdem Reitunterricht, Urlaub auf dem Bauernhof und Wanderritte. Besonders stolz ist man auf die eigene Stutenmilch, die es zum Trinken gibt und als kosmetische Pflegeserie.

"Das Arbeiten hier ist sehr harmonisch, sehr familiär", sagt die Gestüts-Inhaberin. Umso trauriger sei das Team über den "Riesenverlust" dieser Tage. Durch die toten Junghengstfohlen sei ein großes Loch entstanden, dass nur schwer wieder gefüllt werden könne. "Eigentlich waren sie als Ausbildungspferde für übernächstes Jahr vorgesehen", sagt Sendig. Zwei oder drei wären als Deckhengste gekürt worden. Die anderen wären als Reit- oder Fahrtiere genutzt worden; oder man hätte sie verkaufen können. "Auch züchterisch ist es ein Problem", sagt sie. Es gebe nun keine Nachkommen und somit keine Veredelung des nächsten Jahrgangs. "Wir sind alle sehr traurig", sagt die Inhaberin.

Spendenkonto: "Hilfe für die Meuraer Junghengste", Haflinger-Gestüt Meura, Kreissparkasse Saalfeld, BIC: HELADEF1SAR, IBAN: DE73 8305 0303 0001 1197 96.

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