Protest mit Füßen: Pumpspeicherwerk-Gegner wandern am Rennsteig

Es könnten dieses Jahr gut und gern 1000 Wanderer werden - mit so vielen wird gerechnet, die am Donnerstag, 1. Mai, mit den Füßen gegen die Errichtung eines Pumpspeicherwerkes (PSW) am Rennsteig protestieren wollen, das mit rund 1000 Megawatt eines der größten in Deutschland werden soll.

Blaue Stunde an der Schmalwasser-Talsperre: Sie soll Unterbecken eines Pumpspeicherwerkes werden, dessen Oberbecken am Rennsteig entstehen, plant das Unternehmen Trianel. Foto: Peter Riecke

Foto: zgt

Kreis Gotha. Den Feiertag, der immer auch ein Kampftag ist, möchten Menschen entlang des Rennsteiges nutzen, um ein Zeichen gegen die "geplante Zerstörung des größten und bedeutendsten unzerschnittenen verkehrsarmen Raumes in Thüringen" zu setzen, wie es in einer Mitteilung der Bürgerinitiative (BI) "Kein Energiespeicher am Rennsteig" heißt.

Ziel der Sternwanderung ist die Bergwachthütte auf der Neuhöfer Wiese. Dort sollen die Dimensionen des geplanten PSW-Oberbeckens nachempfunden werden, indem die Teilnehmer der Wanderung sie abstecken. Das Becken ist auf einer Länge von etwa zwei Kilometer vorgesehen und soll im Norden von einer hohen Stützwand begrenzt werden. "Alles, was die Großbaustelle braucht, wird durch die Orte nördlich des Rennsteigs gefahren, und auch der Umbau der Talsperre als Unterbecken wird Schwerverkehr verursachen", ist Elke Göring-Rasch sicher, die im Vorstand der BI mitarbeitet und in Georgenthal wohnt.

Die BI lehnt zugleich die ebenfalls vorgesehene 380-kV-Starkstromtrasse im Thüringer Wald und im Bereich von Siedlungen quer durch den Kreis Gotha ab. Elke Göring-Rasch ist sicher: "Ohne Pumpspeicherwerk gibt es auch keine 380-KV-Leitung".

Das gemeinsame Eintreffen der Wanderer ist für 12 Uhr vorgesehen. Die Bergwacht Rotterode will sie bewirten. Die BI hat neue Hoffnung geschöpft, dass das Bauprojekt zu den Akten gelegt wird, weil Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) vor einigen Wochen erstmals grundsätzliche Zweifel daran äußerte. Sie hatte vom Kraftwerks-Planer Trianel Informationen zur Wirtschaftlichkeit gefordert (wir berichteten).

Während die Gothaer CDU, die SPD und auch Grüne dem Kraftwerksprojekt zustimmend gegenüber stehen, hat sich die FDP wiederholt ablehnend geäußert. Die Errichtung eines Oberbeckens am vorgesehenen Standort lehnt sie wegen der damit verbundenen Eingriffe in das Kulturerbe Rennsteig und den reichhaltigen Naturhaushalt im Thüringer Wald ab. "Die Belange von Umwelt, Tourismus und Trinkwasserschutz am Rennsteig haben für uns Vorrang", sagt Kreisvorsitzender Jens Panse.

Von Tambach-Dietharz aus fährt am Donnerstag, 1. Mai, 10 Uhr, ein Bus vom Sportplatz, ab Nesselberg (Neue Ausspanne) ab 10.30 Uhr.

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