Wildtierfelle aus heimischer Jagd haben wieder Konjunktur

Erfurt  Thüringen braucht mehr Kühlräume, um erlegtes Raubwild zu lagern. Denn die Nachfrage nach Fellen, die zu Pelz verarbeitet werden, ist groß.

Waschbären kommen laut Deutschem Jagdverband in mehr als der Hälfte der Reviere vor.

Waschbären kommen laut Deutschem Jagdverband in mehr als der Hälfte der Reviere vor.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Der Landesjagdverband Thüringen will das vor zwei Jahren vom Deutschen Jagdverband und vom Landesjagdverband Baden-Württemberg gestartete Projekt „Fellwechsel“ forcieren: Damit noch mehr Jäger das Fell von erlegtem Raubwild einer Nutzung zuführen, soll die Kapazität der aktuell zehn Sammelstellen in Thüringen deutlich erhöht werden.

Derzeit verfüge jede dieser Sammelstellen nur über eine Gefriertruhe, in der die Tierkörper bis zur Abholung durch die eigens gegründete Fellwechsel GmbH in Rastatt lagern. „Diese Kühlkapazitäten wollen wir vervielfachen“, erklärt Alexander Weiß, Obmann für Niederwild und Lebensraum beim Landesjagdverband. Denn dann würden sich noch mehr Jäger dazu entschließen, erlegte Rotfüchse, Marderhunde, Dachse, Waschbären, Marder oder auch Minke abzugeben und damit ein „hochwertiges Naturprodukt“ sinnvoll zu nutzen anstatt es wegzuwerfen.

Umsätze der Pelzbranche nahezu verdoppelt

Das Unternehmen in Rastatt zieht den Tieren das Fell über die Ohren, gerbt diese vor und bietet sie Kürschnern an – die Nachfrage nach Pelz ist riesig. Zwischen 2005 und 2015 haben sich nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes die Umsätze der europäischen Pelzbranche von 3,6 auf sieben Milliarden Euro nahezu verdoppelt.

„Allein in der Saison von Oktober 2018 bis Februar 2019 sind durch das Projekt bundesweit an mehr als 700 Sammelstellen rund 20.000 Stück Raubwild gesammelt worden“, sagt Alexander Weiß. Die Erfahrung zeige, dass es besser sei, wenige Sammelstellen mit großen Kühlkapazitäten statt vieler kleiner zu haben. Naturfell habe gegenüber synthetisch hergestelltem Fell viele Vorteile: Es bestehe nicht aus Erdöl und sei leicht abbaubar, zudem könne es bis zu drei Generationen halten und auch umgenäht werden.

Gegen den Vorwurf von Tierschutzorganisationen, die Jäger befeuerten mit dem Projekt „Fellwechsel“ einen blutigen Modetrend und würden Echtpelz – egal ob aus Qualzucht oder von der Jagd stammend – wieder salonfähig machen, setzt sich der Jagdverband entschieden zur Wehr: Schließlich sei Deutschland gemäß EU-Verordnung dazu verpflichtet, invasive Arten wie Waschbär und Mink stark zu reduzieren. Gejagt werde für den Artenschutz.

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