Landrätin Enders will weiter gegen Stromtrasse kämpfen

Vor dem Bundesverwaltungsgericht unterlegen sind die Gegner der Stromtrasse durch den Thüringer Wald. Im Gespräch mit unserer Zeitung macht Ilmkreis-Landrätin Petra Enders (Linke) ihrer Enttäuschung Luft. Zugleich will sie weiter für Heimat und Tourismus kämpfen.

Denkt über Beschwerde nach: Petra Enders, Landrätin im Ilm-Kreis, ist vom Leipziger Urteil enttäuscht. Foto: Sascha Fromm

Denkt über Beschwerde nach: Petra Enders, Landrätin im Ilm-Kreis, ist vom Leipziger Urteil enttäuscht. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Leipzig/Großbreitenbach. Am Mittwoch gab es sehr viel Geld vom Thüringer Wirtschaftsminister zum Ausbau des Tourismus in Ihrer Region. Am Tag danach wurde vom Gericht entschieden, dass dort die Stromtrasse gebaut werden darf. Enttäuscht?

Es ist so: Recht haben und Recht kriegen ist immer noch zweierlei. Das Urteil ist ein Sargnagel für die Energiewende. Es wurde auch gar nicht ausreichend geprüft, inwieweit das Energieleitungsausbaugesetz (Enlag) verfassungsgemäß ist. Und auch andere Argumente unsererseits wurden nicht ernst genommen. Deshalb warte ich die schriftliche Ausführung des Urteils ab, und wir prüfen dann gegebenenfalls eine Beschwerde.

Sie sagen, die Trasse dient gar nicht dem angegebenen Zweck...

Es geht gar nicht um die Übertragung von Windstrom aus dem Norden in den Süden, sondern es sollen weiter konventionelle Kraftwerke laufen. Im Gerichtsverfahren war auch die Bedarfsdarstellung unzureichend, denn von der Vierstufigkeit des Ausbaus ist inzwischen auf Zweistufigkeit gewechselt und dieser Widerspruch vor Gericht nicht aufgelöst worden. Und das ist womöglich ein Ansatz für eine Beschwerde gegen das Urteil.

Immerhin wurde Großbreitenbach zugestanden, als Kommune vor Gericht zu ziehen.

Das war wirklich positiv, dass das Gericht die Klagebefugnis bejaht hat, weil Großbreitenbach als staatlich anerkanntem Erholungsort durch die Trasse sein Status verloren gehen könnte. Das könnte Konsequenzen haben für weitere Bauabschnitte, denn der Rennsteig ist unser Tourismus-Faktor, unser Markenzeichen.

Sie sind enttäuscht, aber kämpferisch, oder?

Naja, wir sind den Kampf gegen die Lobby der großen Energiekonzerne gewohnt. Aber klar ist: Die Bürgerinitiativen aus Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Niedersachsen und auch sonst überall werden nicht lockerlassen, bis eine wirkliche Energiewende kommt. Es geht um unsere Heimat. Wir werden nicht zulassen, dass hier unsere Natur, unsere Landschaft, unsere Lebensqualität dafür hingegeben wird, damit große Konzerne hier "Kohle" machen. Das ist meine Ansage nach diesem Gerichtsurteil.

Bittere Niederlage - Gerlinde Sommer über den Bau der Stromtrasse

Bad Berka will Hürden für Solaranlagen senken

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.