Provoziert und freigesprochen: Erfurter Kunsthausprozess nähert sich dem Finale

Im Prozess um den Angriff auf Besucher des Kunsthauses in der Michaelistraße im Sommer 2012 ist das Verfahren gegen einen Angeklagten eingestellt worden.

Vor dem Kunsthaus in der Erfurter Michaelisstraße fand am 11. Juli 2014 ein mutmaßlich rechtsradikaler Überfall auf Besucher statt. Im Prozess wurde jetzt einer der sieben Angeklagten freigesprochen. Foto: Martin Schutt

Vor dem Kunsthaus in der Erfurter Michaelisstraße fand am 11. Juli 2014 ein mutmaßlich rechtsradikaler Überfall auf Besucher statt. Im Prozess wurde jetzt einer der sieben Angeklagten freigesprochen. Foto: Martin Schutt

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Erfurt. Nach Überzeugung des Amtsgerichts Erfurt steht zwar fest, dass der aus Südthüringen stammende 31-jährige Martin G. mehrere Besucher des Kunsthauses mit rechtsradikalen Äußerungen provoziert hat. Jedoch habe ihn kein Zeuge als Beteiligten der anschließenden Schlägerei identifiziert, befand das Gericht am Prozesstag am Dienstag.

Hintergrund der Einstellung ist eine Bewährungsstrafe, die G. wenige Tage nach dem Überfall bekommen hatte. Die jetzt zu erwartende geringere Strafe geht in der damaligen Entscheidung auf.

Mehreren Zeugen - Ausstellungsbesucher und Polizisten - war der 31-Jährige deutlich in Erinnerung geblieben. Er soll am Abend des Übergriffs ein T-Shirt mit dem Konterfei des SA-Sturmführers Horst Wessel getragen haben, der von Teilen der rechtsextremen Szene als Kultfigur und Märtyrer betrachtet wird. Laut Zeugenaussagen bedrängte G. eine ihm unbekannte Frau auf der Michaelisstraße, indem er ihr ein Gespräch über Faschismus und den Nahostkonflikt aufdrücken wollte. Auch ein Polizist sagte aus, G. habe ihm "Geschichtsunterricht" geben wollen.

Für den Angriff müssen sich sechs Männer und eine Frau vor dem Amtsgericht verantworten. Ihnen werden gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorgeworfen. Bei dem Angriff waren sechs Menschen verletzt worden. Einige Täter drückten eine Frau auf ein geparktes Auto - ein anderer sprang auf sie drauf. Ein Täter gestand, einen am Boden liegenden Mann geschlagen zu haben. Auch eine Polizistin wurde schwer verletzt und kann seitdem keinen Streifendienst mehr ausüben. Der Prozess soll am Montag mit den Plädoyers und Urteilen fortgesetzt werden.

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