Mobile Blitzgeräte im Wartburgkreis haben hohe Trefferquote

"Für mich ist das reine Abzocke." Den ungenannt bleiben wollenden Leser unserer Zeitung ereilte es am vergangenen Donnerstag kurz hinter dem Ortseingangsschild in Stockhausen. Da machte es Blitz, und die kommunale Radarfalle hatte zugeschlagen.

Das kommunale Blitzgerät ist seit Ende April im Einsatz. Bis Ende Juni wurden 4602 Temposünder ertappt. Foto: Peter Rossbach

Das kommunale Blitzgerät ist seit Ende April im Einsatz. Bis Ende Juni wurden 4602 Temposünder ertappt. Foto: Peter Rossbach

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Eisenach. Was den Geblitzten aber eigentlich mehr ärgert als die Geldstrafe ist, dass das Blitzgerät nur rund 100 Meter hinter dem Ortseingangsschild aufgestellt war. "In Tempo-30-Zonen oder in der Nähe von Schulen und Kindergärten kann ich das ja alles verstehen, aber an der Stelle ist es Abzocke", findet der Mann. Zumal es ja in Thüringen auch eine Richtlinie gebe, nach der erst 200 Meter nach einem Ortseingangsschild geblitzt werden sollte.

"Das stimmt, eine solche polizeiliche Richtlinie gibt es. Aber dieser Abstand kann in Gefahrenzonen unterschritten werden. Und eine solche Gefahrenzone ist eben der Ortseingang von Stockhausen; und dies ist auch durch ein Zusatzschild kenntlich gemacht", antwortet Stadtsprecherin Janina Walter auf Anfrage unserer Zeitung. In unmittelbarer Entfernung der Messstelle befinden sich zwei Bushaltestellen. Hinzu komme, dass es dort beidseitig keinen Fußweg gebe. Spaziergänger, Berufstätige und Kinder seien also gezwungen, auf der Fahrbahn zu gehen. Walter: "Die Gefahr für die Fußgänger erhöht sich, wenn Autofahrer die zulässige Geschwindigkeit überschreiten."

Und auch aus den Ergebnissen der Messung an diesem Donnerstag lesen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Notwendigkeit, dort zu blitzen, ab. 2910 Autos waren zwischen 7.40 und 14.40 Uhr dort unterwegs, 705 wurden als zu schnell festgestellt. Der Schnellste hatte 112 Stundenkilometer auf dem Tacho. Dieser und 22 weitere Fahrer, die an diesem Tag mit deutlichen Tempoverstößen gemessen wurden, müssen mit Fahrverboten rechnen.

Der Fahrer mit den 112 Sachen auf dem Tacho ist damit übrigens auch gleich auf Platz 1 der Temposünder-Statistik in der Zeit des kommunalen Blitzens in Eisenach gesprungen. Vorher hatte ein Fahrer mit gemessenen 97 Stundenkilometern in der Kasseler Straße (Tempo 50 erlaubt) die schnellste gemessene und damit auch geahndete Fahrt hingelegt. Seit Ende April wird in Eisenach nicht nur von der Polizei, sondern eben auch durch die Stadtverwaltung geblitzt. Bis Ende Juni war der jeweils tageweise angemietete Wagen mit der Radarfalle an zwölf Tagen im Eisenacher Stadtgebiet im Einsatz. 4602 Verstöße gegen die Geschwindigkeitsregeln ergaben Fahrverbote, Verwarngelder und Bußgeldbescheide.

Bislang wurden solche Bescheide über Bußgelder in Höhe von 110.030 Euro an Temposünder ausgesandt. Ob dieses Geld auch so reinkommt, weiß die Stadt noch nicht. Schließlich gibt es ja die Möglichkeiten des Widerspruchs, der Anfechtungen oder gar von Klagen.

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