Parade mit Dampf und Getöse beim 9. Traktortreffen in Aspach

Das neunte Traktortreffen in Aspach zeigt wieder mal, was alles so über Wiesen und Feldern rattert und tuckert - bei vielen Traktoristen aus Spaß an der Freud.

Auf zumTraktortreffen nach Apach: mit einem Lanz- Bulldog (Baujahr 1940) und "Schäferwagen" den Berg B7 / Ortsausgang Gotha hinauf. Foto: Wieland Fischer

Auf zumTraktortreffen nach Apach: mit einem Lanz- Bulldog (Baujahr 1940) und "Schäferwagen" den Berg B7 / Ortsausgang Gotha hinauf. Foto: Wieland Fischer

Foto: zgt

Aspach. Sieben Monate hat Marcus Dennewitz geschraubt und geputzt. Jetzt blitzt sein "Holder" grün und rot. "Nun kann ich den Traktor auch mal vorführen", sagt der Mann aus Tambach-Dietharz und stellt sein zehn PS starkes Gefährt in die Reihe von Traktoren auf. Es steht dort zwischen Eigenbau-Fabrikaten und Oldtimern, zwischen Kleinstausführungen und Riesenschleppern.

Ähnlich wie Marcus Dennewitz so ist auch Robin Aschenbach ein Neuling auf diesem Terrain. Der Ohrdrufer hat eine vierrädrige Zugmaschine Marke Eigenbau erworben. Mit angehängter rollender Kreissäge ist er zu seinem zweiten Traktortreffen vorgefahren und erstmals in Aspach mit von der Partie. Im Zwei-Jahres-Rhythmus laden dazu im "Hörsel"-Ortsteil die Mitglieder des Feuerwehrvereins um dessen Vorsitzenden Manfred Wänke und Traktor-Fachmann Lothar Walter ein.

Versiert auf dem Terrain ist Andreas Herforth aus Wipperoda, einer Hochburg der Traktorfreunde im Kreis Gotha. "Ich finde es schön, dass solche Traktortreffen vor der Haustür stattfinden", sagt der Wipperodaer. Von denen gibt es landauf, landab reichlich; Herforth: "Man kann praktisch jedes Wochenende dazu irgendwohin fahren." Um nach Aspach zu kommen, nehmen manche weite Wege in Kauf. Mit Wohnanhänger im Schlepp oder Traktor "im Huckepack" auf einem Hänger reisen sie an.

Es sind mehr Teilnehmer als die Jahre zuvor. 441 Trecker zählt Sabine Möller an der Anmeldung vor der Parade. "Wir haben wieder einen Rekord", freut sich Manfred Wänke. Bei so einem Riesenfeld benötigen selbst die Feuerwehrleute Helfer, um Teilnehmer und Gäste auf Wiese und Feld am Ortsrand unterzubringen und zu bewirten. Mitglieder des Sportvereins TSV Blau-Weiß Aspach fassen tatkräftig mit zu.

Die weiteste Anreise hat ein Sachse aus dem Erzgebirge zurückgelegt, mit einem Aufsitztraktor Baujahr 2010. Mit dem ältesten Teil auf vier Rädern fährt Rosita Brühl aus dem Leinatal vor, mit einem Eigenbau, 1924 zusammengeschraubt. Da hat selbst der älteste Teilnehmer des Feldes noch nicht das Licht der Welt erblickt. Hartwig Oschmann aus dem Nachbarort Trügleben zählt 83 Lenze und reiht sich mit einem "D124" in die Schlepperparade ein.

Lothar Walter kennt sie alle mit Namen und Marke. Bei der Treckerschau stellte er Fahrzeuge und Traktoristen vor, nennt technische Details und Geschichten rund um die landwirtschaftlichen Zugmaschinen. Der Aspacher, der das Traktortreffen initiiert hat, weiß, dass Waldemar Beier aus Elxleben, erster in der Reihe, in Thüringen bei fast jeder Veranstaltung dieser Art dabei ist. Oder, dass Julius Gehb aus Remstädt so gern Traktor fährt, dass die Familie mit ihm auf dem Hänger vorfährt. Moderator Walter bemerkt: "Traktorfahrer sind feine Leute, sie bilden längst keine Gummistiefeltruppe mehr."

Dennoch: Fast alle Schaustücke werden im Alltag auch als Nutzfahrzeuge eingesetzt. Selbst bei seltenen Modellen wie dem "Dexheimer" von Volker Wanie aus Großbrembach. "Davon wurden nur elf Stück zugelassen", weiß er und fügt hinzu: "Ich fahre mit dem Trecker in meinem Weinberg bei Freyburg." Um damit Holz zu holen oder Gras wegzufahren, haben sich zum Beispiel Marcus Dennewitz oder Robin Aschenbach einen Traktor zugelegt.

Spaß an den alten Maschinen schwingt bei fast allen Hobby-Traktoristen mit. "Mir gefällt es, die alte Technik in Gang zu halten", sagt Andreas Herforth. Der Wipperodaer hat das zum Beruf gemacht. Im elterlichen Fuhrbetrieb in Wipperoda arbeitet er als Schlosser. In dem kleinen Leinatalort gibt es prozentual gesehen viele Traktoren - mehr als zehn.

Auch Fröttstädt ist eine Traktor-Hochburg. "Bei uns rollen davon etwa zwölf Stück", weiß Manuel Kreusel. Das nächste Modell führt er in Aspach bereits vor: einen Belarus MTS5, der in den Minsker Traktorenwerken zu Sowjetzeiten montiert wurde. "Es handelt sich hier um einen der ersten Traktoren, die 1960 in die DDR geliefert wurden", berichtet der Fröttstädter. Im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft sollten sie damals Pferde ersetzen. Vergangene LPG-Zeiten. Die haben an dem "Belarus" deutliche Spuren hinterlassen. Rostig und ohne Blechverkleidung steht der Traktor da. Ein Großteil der nunmehr aufpolierten Modelle hat auch mal so ausgesehen. "Den bringen wir wieder in Gang", sagt Kreusel. Eigenhändig, versteht sich. Das ist auch nötig.

Für die längst aus Agrarbetrieben ausrangierten Trecker gibt es keine Ersatzteile mehr. Das Fachsimpeln in Aspach bietet eine gute Gelegenheit, um zu sondieren, wo sich Ersatzteile ordern lassen. Und zum nächsten Treffen in Aspach dürfte der Fröttstädter wohl mit seinem runderneuerten "Belarus" vorfahren. Bis dahin bleiben ihm und den Traktorfreunden zwei Jahre Zeit. Dazwischen liegen zahlreiche weitere Traktortreffen, bei denen die Freunde alter Technik ihre Schlepper präsentieren können.