Studenten der FSU Jena wollen mit Beton-Kanu zur Havel-Regatta

Kurz vor Ostern war es so eine Art Überraschungs-Ei, was Jenaer Studenten da den Zeitungsleuten beim Öffnen einer Garagentür auf dem Gelände der Ernst-Abbe-Hochschule zu offerieren hatten: kein Auto, sondern die Verschalung eines Bootes, das nach Fertigstellung - Achtung: Überraschung - aus Beton bestehen soll.

Sie gehören zum harten Kern eines 23-köpfigen Teams von Studenten der Uni und der EAH, die mit selbstgebautem Beton-Kanu bei der "Betonkanu-Regatta" im Juni auf der Havel starten: Annika Gambke, Maximilian Keller, Markus Schilling und Tobias Löffler (v.l.). Im Vordergrund: Maskottchen "Kwawak". Foto: Thomas Stridde

Sie gehören zum harten Kern eines 23-köpfigen Teams von Studenten der Uni und der EAH, die mit selbstgebautem Beton-Kanu bei der "Betonkanu-Regatta" im Juni auf der Havel starten: Annika Gambke, Maximilian Keller, Markus Schilling und Tobias Löffler (v.l.). Im Vordergrund: Maskottchen "Kwawak". Foto: Thomas Stridde

Foto: zgt

Jena. Insgesamt 23 Studenten der Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie an der Friedrich-Schiller-Universität wie auch der Fachschaft "SciTech" der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) bereiten seit Jahresbeginn den Start bei der 15. Deutschen "Betonkanu-Regatta" vor, die am 19. und 20. Juni auf der Havel in Brandenburg samt internationaler Beteiligung ausgetragen wird.

Einer gewissen Außenseiterrolle sind sich die jungen Damen und Herren bewusst. Schließlich entstamme die Konkurrenz Hochschulen etwa in Dresden und Weimar, wo es "ganze Institute für Beton" gebe, während Beton an keiner Jenaer Hochschule Lehrgegenstand sei, so erläuterten Maximilian Keller und Markus Schilling. Aber das sei der besondere Reiz - und freiwillige Weiterbildung über das Studium ­hinaus.

Das Jenaer Boot wird eine Abmessung von 5,40 mal 0,70 Meter haben und 100 Kilogramm schwer sein. Bei der Wandstärke sei ein Maß zwischen 8 und 10 Millimetern angestrebt. "Das ist weniger als üblich", sagte Markus Schilling. Mit einer besonderen Betonmischung wolle man aber erreichen, "dass das hält". Drum sei ein Mix aus sehr feinem Material nötig.

Stapellauf: Saale

Vorstufen seien das Auslegen mit Teichfolie im ersten Schritt und im zweiten das Einbringen von Glasfasermatten und Harz, um eine besonders glatte Schalungsfläche zu erzielen. Ein ganz anderes Thema stellen die roten Pigmente dar, die die Studenten der Mischung im Dienste des grafischen Effekts beigeben wollen. Schließlich gehe es bei der Regatta nicht nur um den sportlichen Sieg, es würden auch Preise für Konstruktion und Design vergeben.

Und klar, grundsätzliche Zweifel an der Schwimmfähigkeit kann Physiker Schilling ganz leicht nehmen, weil bei Beton ebenso wie beim Schiff aus Stahl während der Verdrängung des Wasser die Auftriebskraft nach Archimedischem Prinzip wirke. "Das ist bei uns eine halbe Tonne, ohne dass das Boot untergeht", sagte Maximilian Keller. Aber: Nach der veranschlagten Aushärtungszeit von 28 Tagen gibt es noch lange vor der Abreise nach Brandenburg den Stapellauf auf der Saale, um die Seetüchtigkeit des Kanus zu testen. Die Gesamtkosten schätzen die Studenten auf rund 5000 Euro, wobei ihnen ein hiesiger Baumarkt schon 50 Prozent der Kosten auf alle Baumaterialien erlassen hat.

Auf die Frage nach der sportlichen Vorbelastung im Kanu-Sport verfielen die Studenten ins kollektive Schmunzeln: Da gibt's nix. Drum wollen sie sich im jetzt beginnenden neuen Semester bemühen, Kanu-Kurse zu belegen. "Gerade diese Kurse sind immer sehr schnell ausgebucht; aber wir sind dran", sagte Markus Schilling. Schließlich sollen ein männliches und ein weibliches Team an den Start gehen.

Und bitte: Sollten die Jenaer im Juni in großem Maße das Kielwasser der anderen Boote sehen, dann bleibt auf alle Fälle die Hoffnung auf hohe Anerkennung der Konstruktion und des Designs mit an Bord.

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