Vom Zeitungsverleger bis zum Märtyrer

Gotha  Gothaisches Kalenderblatt August: Persönlichkeiten jeglicher Couleur begehen ein rundes Jubiläum

Auf diesem Gruppenfoto ist die Belegschaft der einst in der Oststraße 52 ansässigen Firma „Brand & Grasemann Nachf.“ mit dem vor 75 Jahren verstorbenen Fabrikbesitzer Rudolf Datz (im hellen Mantel) zu sehen.Repros: Matthias Wenzel (5)

Auf diesem Gruppenfoto ist die Belegschaft der einst in der Oststraße 52 ansässigen Firma „Brand & Grasemann Nachf.“ mit dem vor 75 Jahren verstorbenen Fabrikbesitzer Rudolf Datz (im hellen Mantel) zu sehen.Repros: Matthias Wenzel (5)

Foto: Matthias Wenzel (5)

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Der Zeitungsverleger und Buchdruckereibesitzer Alwin Nehrlich starb bereits am 3. August 1892 im Alter von nur 47 Jahren. Er wurde am 22. Mai 1845 geboren. Als 25-jähriger Kaufmann trat er als Teilhaber in die Buchdruckerei von Carl Gustav Stollberg (1819-1880) ein, die bereits seit 1849 das „Gothaische Tageblatt“ herausgab. Nachdem er die Stollbergsche Buchdruckerei 1874 als alleiniger Geschäftsinhaber übernommen hatte, verlegte er 1881 den Firmensitz in die Gartenstraße 15. Seine Nachfolge traten die beiden Söhne Gaston (1876-1929) und Alfred (1878-1914) an.

Nach der am 6. August 1892 in Coburg geborenen späteren Kunstmalerin und Holzbildhauerin Maria Uhden ist seit dem Jahre 2000 ein Weg im Gothaer Wohngebiet „Güldene Aue“ benannt. Sie war in Waltershausen sowie Gotha aufgewachsen und mit der späteren Künstlerin Hannah Höch (1889-1978) befreundet. Ihr interessanter Lebensweg, der bereits nach nur 26 Jahren am 14. August 1918 in München endete, soll am kommenden Samstag in der Reihe „Baumeister, Künstler und Architekten“ beleuchtet werden.

Altschützen feierten ihr 550-jähriges Bestehen

Die Ende Januar 1990 nach 45-jähriger Zwangspause wieder begründete Altschützengesellschaft Gotha 1442 konnte am 8. August 1992 ihr 550-jähriges Bestehen im Rahmen des jährlichen Schützenfestes begehen.

Als ältester Sohn des Architekten Bruno Eberhard (1836-1901) wurde am 10. August 1867 der nach seinem Großvater benannte Gustav geboren. Er besuchte das Gothaer Gymnasium und studierte von 1888 bis 1892 Astronomie. Nachdem er als Assistent unter anderem ab 1896 an der Herzoglichen Sternwarte in der Jägerstraße tätig gewesen war, wurde er 1906 Observator, 1916 Hauptobservator und Professor am Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam, an dem er bis 1932 tätig war und am 3. Januar 1940 verstarb.

Am 11. August 1867 wurde dem nur drei Jahre später an einer bei Sedan erlittenen Verwundung gestorbenen Oberstleutnant Albert von Bassewitz (1822-1870) ein Sohn namens Hans Barthold geboren. Dieser besuchte das Gymnasium Ernestinum und studierte anschließend Rechts- und Staatswissenschaften. Nachdem er zunächst als Regierungsrat im Staatsministerium Coburg tätig gewesen war, wurde von Bassewitz 1905 Landrat in Ohrdruf, 1911 Staatsrat und Vorstand der Ministerialabteilung Coburg und war schließlich von 1914 bis 1919 der letzte Gothaische Staatsminister. Auch in der Weimarer Republik blieb er politisch tätig. So war er von 1922 bis 1925 Stadtratsmitglied und hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Gotha. Von 1926 bis 1932 war er Mitglied des Thüringer Landtages. Der Staatsminister a.D. starb am 25. Oktober 1949 in der Mozartstraße 5.

Der Diplomingenieur und Fabrikbesitzer Rudolf Datz starb am 15. August 1942 in Waltershausen. Er wurde am 17. März 1874 in Homburg geboren. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Otto (1876-1938) übernahm er 1906 die damals noch sehr kleine Eisengießerei und Maschinenfabrik „Brand & Grasemann Nachf.“ in der Oststraße 52. Die Brüder Datz beschäftigten schon bald bis zu 150 Leute, weil sie in der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg viele Aufträge aus dem europäischen Ausland und sogar aus Übersee hereinholten. Rudolf Datz war mit der Opernsängerin Elisabeth, geb. Stützel (1882-1973), verheiratet. Bei der in Delligsen geborenen einzigen Tochter Anna handelte es sich um die bekannte und beliebte Gothaer Schauspielerin Änne Haag (1903-1998).

Als jüngstes Kind des Baumeisters Andreas Rudolff (1601-1679) wurde am 17. August 1642 ein Sohn namens Friedrich geboren, der sich später latinisiert Rudolphi nannte. Er war zunächst als Kanzleiregistrator und dann Polizeikommissar, zuletzt als Lehen- und Archivsekretär tätig. 1671 hatte er die aus Erfurt stammende Juditha Sophia, geb. Gerstenberg (1654-1691), geheiratet, die ihm drei Kinder gebar. Rudolphis wichtigstes Werk als Schriftsteller war die 1717 erschienene „Gotha diplomatica oder Ausführliche Beschreibung des Fürstenthums Gotha“. Es galt als „das erste deutsche Werk dieser Art, in welchem also auch der Laie eine willkommene Belehrung fand“. Friedrich Rudolphi starb am 17. August 1722.

Sängerfest auf der Burgruine Gleichen

Zwei Jahrhunderte später fand am 17. August 1842 auf der Burgruine Gleichen ein Sängerfest statt, zu dem sich über 3000 Menschen, darunter etwa 600 Sänger aus neun Liedertafeln, einfanden. Der Verlauf und der Erfolg trugen zu dem Entschluss bei, möglichst bald einen ganz Thüringen umfassenden Sängerbund zu schaffen. Nachdem die Erfurter Liedertafel im Oktober zu einer diesbezüglichen Beratung eingeladen hatte, fand nur ein Vierteljahr später die Gründung des Thüringer Sängerbundes in Gotha statt, wovon noch zu berichten sein wird.

Dem Bielefelder Kaufmann Jaspers wurde am 17. August 1892 eine Tochter namens Anna Marie Gertrude geboren. Die promovierte Pädagogin, die 1919 den an der Arnoldischule tätigen Oberlehrer Walter Lindemann (1893-1985) geheiratet hatte, war bis 1927 als Lehrerin für Freidenkerunterricht an der Lutherschule tätig. Der weitere Werdegang der Kommunistin, Widerstandskämpferin und Professorin wurde 2009 anlässlich ihres 50. Todestages beleuchtet. Dr. Anna Lindemann kam am 6. Dezember 1959 bei einem Autounfall in Berlin ums Leben. Die Gothaer Lindemannstraße hieß von 1977 bis 1992 Dr.-Anna-Lindemann-Straße.

Auch der am 17. August 1967 verstorbene Künstler Franz Vetter war kein gebürtiger Gothaer, denn er stammt aus Giebichen-stein bei Halle, wo er am 1. Februar 1886 das Licht der Welt erblickte. Nach dem Besuch der Kunstschule Kassel und bestandener Zeichenlehrerprüfung kam er 1914 als Fachlehrer für Maler an die Handwerkerschule nach Gotha. Der spätere Gewerbeoberlehrer war mit der aus Wittenberg stammenden Künstlerin Erna, geb. Fahr (1887-1954), verheiratet. Seit 1946 war Vetter als freischaffender Kunstmaler tätig und gab nebenbei Zeichen- und Malkurse in Ohrdruf und Gotha.

Mit Professor Otto Freytag-Besser fiel am 20. August 1917 ein gebürtiger Gothaer vor Verdun in Frankreich. Er wurde am 5. Mai 1871 als mittlerer Sohn des Landschaftsmalers Richard Freytag (1820-1894) geboren. Weil seine Mutter Anna eine Tochter des Buchhändlers Rudolph Besser war, gab er sich später den Künstlernamen Freytag-Besser. Ursprünglich wollte er wie sein Vater Maler werden. Er besuchte deshalb ab 1890 die Akademie in Karlsruhe, wechselte jedoch ein Jahr später in das Gesangsfach. 1895 ging er nach Berlin, um seine Studien fortzusetzen. Er wurde schließlich ein begehrter Konzertsänger, dessen Reisen ihn durch ganz Deutschland, die Schweiz, Holland und England führten. 1899 wurde er an das Königliche Konservatorium Stuttgart berufen, wo er seit 1900 als Professor unterrichtete. Auch sein Leben wurde sinnlos auf einem der größten Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges geopfert.

Um den am 24. August 1892 in München gestorbenen Kartographen und Geographen Dr. Karl Spruner von Mertz ging es bereits 2003 anlässlich seines 200. Geburtstages in der Reihe „Jubilar des Monats“. Er wurde am 15. November 1803 in Zwiefalten bei Stuttgart geboren. Der Historiker, Dichter und General der Infanterie (seit 1883) hatte von 1837 bis 1839 den „Historisch-geographischen Handatlas“ für die Geographische Anstalt Justus Perthes geschaffen.

Schließlich wurde der evangelische Pfarrer und Erzieher Werner Sylten am 12. August 1942 in der Vernichtungsanstalt auf Schloss Hartheim bei Linz von den Nazis ermordete. Über Jahrzehnte wurde der 26. August 1942 angegeben, der aber auf die Falschangabe des KZ Dachau an die Familie zurückgeht (und sich immer noch in vielen Veröffentlichungen findet). Der 12. August 1942 ist das Todesdatum, das auch das offizielle Gedenkbuch für die Toten des Konzentrationslagers Dachau verzeichnet (vom Archiv der Gedenkstätte erarbeitet).

Er wurde am 9. August 1893 in Hergiswyl/Schweiz als Halbjude geboren. An den von 1936 bis 1938 als Geschäftsführer der illegalen lutherischen Bekenntnisgemeinde in Gotha tätigen Pfarrer erinnern seit 1991 ein Straßenname und seit 2012 ein Stolperstein vor seinem einstigen Wohnhaus in der Bachstraße 14. Sein tragisches Schicksal soll in drei Wochen an gleicher Stelle geschildert und gewürdigt werden.

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