Nordthüringer Kaliforscher von Kutec stillen weltweiten Hunger nach Lithium

Sondershausen  Albemarle, der weltweit größte Lithium-Produzent in den USA, hat die Ingenieure der Kutec AG Salt Technologies in Sondershausen als Partner „ins Boot“ geholt und will künftig mit ihrer Hilfe weiter wachsen.

Der Salar de Uyuni in Bolivien - der weltweit größte Salzsee. Dort plant die Kutec eine Anlage zur Gewinnung von Lithiumcarbonat.

Foto: Sergio Goya/dpa

Die Ingenieure der Kutec AG Salt Technologies in Sondershausen haben mit einem spektakulären Vertrag einen weiteren Meilenstein in der langen Erfolgsgeschichte der Nordthüringer Kaliforschung gesetzt, die schon zu DDR-Zeiten begann. Albemarle, der weltweit größte Lithium-Produzent in den USA, hat sie als Ingenieurpartner „ins Boot“ geholt und will künftig mit ihrer Hilfe weiter wachsen.

Dazu konnte das Sondershäuser Ingenieur- und Forschungsunternehmen einen langfristigen Exklusiv-Vertrag für Nord- und Südamerika abschließen. Dort vor allem schlummern die begehrten Lithium-Vorkommen, wertvolle Schätze, die mit zunehmender Elektromobilität immer gefragter werden und deshalb „gehoben“ werden sollen. Den „Schlüssel“ zu den Weltmärkten und zum langfristigen Exklusivvertrag bekam die Kutec durch frühe Förderungen über Vermarktungshilfeprogramme und Initiativen der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen vor mehr als einem Jahrzehnt.

Lithium gilt als ein Schlüsselrohstoff der Zukunft, denn aus Lithiumcarbonat als Rohstoff für Kathoden- und Anoden-Material lassen sich besonders leistungsstarke Batterien herstellen, etwa für den Einsatz bei Elektroautos oder -fahrrädern, aber auch für Mobiltelefone und Computer. Nach Expertenmeinung wird der Hunger nach Lithium in den nächsten Jahren weltweit drastisch steigen. Das Problem dabei ist die Lithiumgewinnung und -aufbereitung, wo Expertenwissen und Verfahrenstechnik gefragt sind.

Lithiumreserven in Salzseen

Entscheidende „Schlüssel zu den Schatzkammern“ für die Lithiumgewinnung haben die Ingenieure von Kutec in Sondershausen. Denn die Lithiumreserven rund um den Globus befinden sich vor allem in Salzseen und -wüsten Südamerikas, besonders im „Lithium-Dreieck“ Chile, Argentinien, Bolivien. Die Atacamawüste im Norden Chiles etwa gilt neben dem weltweit größten Salzsee, dem Salar de Uyuni in Bolivien, als eine der größten Lithiumquellen auf dem Globus.

Das Know-how zur Lithium-Gewinnung und - weil sich solche Vorkommen eben häufig auch in Salzseen befinden, die geologisch mit Vulkanismus in Verbindung stehen - zur Trennung vorkommender Salze sowie für die notwendige Verfahrenstechnik und die Prozessoptimierung ist seit vielen Jahren eine der Forschungsstärken der Sondershäuser und deshalb weltweit gefragt. Die mittelständische Ingenieur- und Forschungsgesellschaft mit heute knapp hundert Mitarbeitern gilt als Nachfolgeunternehmen der international anerkannten Kaliforschung des ehemaligen Kali-Kombinates der DDR. Die Kaliforschung war das Herzstück des einstigen Kombinates und der späteren Mitteldeutschen Kali AG zur Wendezeit. Von ehemals 450 Mitarbeitern des Kaliforschungsinstitutes wurden nach der Wende 330 entlassen. Im Jahre 1992 wurde der Rest der Kaliforschung privatisiert.

Der saarländische Unternehmer Heiner Marx aus Spiesen-Elversberg wagte im Februar 1992 die Ausgründung der Kaliforschung zusammen mit ehemaligen Kaliforschern in der damaligen Kali-Umwelttechnik GmbH in Sondershausen mit anfangs 35 Mitarbeitern. Marx (68), mittlerweile Vorstand seines vor einigen Jahren zur Aktiengesellschaft umstrukturierten Unternehmens, ist stolz darauf, dass seine Firma seit Anbeginn immer gewachsen ist und stets schwarze Zahlen geschrieben hat. Schon seit vielen Jahren macht die Kutec die Masse ihres Umsatzes im Ausland, die Mitarbeiter sind dafür weltweit unterwegs auf allen Kontinenten.

Dass es mit dem Sprung auf die Weltmärkte so trefflich geklappt hat, ist einerseits dem besonderen Expertenwissen zu verdanken, das bis heute im Unternehmenskomplex unterhalb des Petersenschachtes, eines der Wahrzeichen Sondershausens, gebündelt und gefragt ist. Den erfolgreichen Sprung auf die Weltmärkte verdankt die Kutec aber ausdrücklich einigen Initiativen und Förderprogrammen des Landes Thüringen. Der Vertragsabschluss der Sondershäuser mit dem Lithium-Weltmarktführer in Amerika ist dafür ein Parade- weil Vorzeigebeispiel. Denn buchstäblich „schuld“ daran, dass es zu dem spektakulären Vertragsabschluss kam, ist ursprünglich der Freistaat Thüringen und die LEG im Besonderen. Und das liegt allerdings schon mehr als ein Jahrzehnt zurück.

Damals ermunterte die LEG im Auftrag des Freistaates mit Unterstützung durch Vermarktungshilfeprogramme Thüringer Betriebe, internationale Geschäftskontakte zu knüpfen und auf internationalen Märkten Fuß zu fassen. Ohne diese Förderung über Vermarktungshilfeprogramme hätte die Kutec den erfolgreichen Gang von Nordthüringen aus auf die Weltmärkte kaum oder nie geschafft, ist ­Kutec-Vorstand Marx heute dankbar rückblickend überzeugt. Dies unterstrich er auch bei einem Zusammentreffen in Sondershausen mit den verantwortlichen Vertretern der LEG für das Geschäft mit Nord- und Südamerika: Arnulf Wulff, LEG-Prokurist und zuständig für Thüringen International und Clustermanagement, sowie die Projektleiterin für Lateinamerika, Carine Cornez-Fliege.

Dass die Wege zu einer solchen internationalen Zusammenarbeit manchmal auch etwas länger dauern und mit einigen Hürden bestückt sind, sollten Unternehmer nicht beargwöhnen, ist Heiner Marx überzeugt: „Geduld!“ Denn es ist mehr als zehn Jahre her, dass über ein Vermarktungshilfeprogramm mit Unterstützung der LEG eben jene Kontakte geknüpft wurden, die dann zu dem spektakulären Vertrag einer langfristigen exklusiven Zusammenarbeit mit seinem Unternehmen Kutec geführt haben.

Damals ging es um Südamerika-Kontakte, konkret zunächst um die Compania de Litio, das war für lange Zeit eine chilenische Tochtergesellschaft der früheren Chemetall in Frankfurt und wurde dann nach USA verkauft. Die von den Nordthüringer Kaliforschern mithilfe der LEG und der Außenhandelskammer schon früh geknüpften Geschäftskontakte in Südamerika, vor allem in Chile, brachten plötzlich Erfolge daheim in Deutschland. Die Kutec knüpfte Geschäftskontakte zur Chemetall in Langelsheim im Innerstetal nahe Goslar (Niedersachsen), vor allem aber zu jenen verantwortlichen Leuten, die Jahre später den Vertrag mit den Amerikanern einfädelten, deren Manager erstmals 2014 nach Sondershausen kamen.

Projekte in Chile wurden von der Kutec schon in den Jahren zuvor diskutiert. Etwa mit Chemetall, Quiborax Ltda oder Ecometales. Das waren innovative Wirtschaftsgespräche mit Forschungshintergrund, etwa zur Optimierung der Solar-Verdampfung (Evaporation) in der chilenischen Atacamawüste sowie am Salar de Maricunga oder Surire (Chile), die dann später in konkrete Projekte mündeten.

Welche Bedeutung und wirtschaftliche Größenordnung hat aber der daraus entstandene Vertrag zwischen einem amerikanischen Lithium-Weltmarktführer und der Kutec in Sondershausen? Heiner Marx sieht das sehr realistisch: Das mache so etwa ein Sechstel bis ein Fünftel des Jahresumsatzes seines Unternehmens aus. Konkret: „Vorhandene Prozesse müssen evaluiert und verbessert werden. Und es müssen neue Prozesse nach dem Stand der Technik geplant und entwickelt werden. Neue Projekte werden von unseren Auftraggebern definiert.“

Der Schlüssel zum Erfolg bei der Lithium-Gewinnung und -Aufbereitung liegt bei den Sondershäuser Kali-Ingenieuren in der Verfahrenstechnik, vor allem der Prozessoptimierung. Marx: „Wir trauen uns 80 bis 90 Prozent Effektivität zu, deshalb ist unser Expertenwissen weltweit so gefragt und erfolgreich!“ Kein Wunder also, dass bereits im Herbst 2018 weitere neue Projekte von Sondershausen aus in Argentinien und Chile in Angriff genommen werden sollen. Deutsche und internationale Anlagenbauer sollen dann diese Planungen nach den Vorgaben aus Nordthüringen realisieren - ein Millionengeschäft.

Weitere wichtige Lithium-Projekte der Sondershäuser Kaliforscher

Die Zusammenarbeit mit dem Lithium-Weltmarktführer ist nicht das erste spektakuläre Projekt zur Lithium-Gewinnung, welches die Kutec in Angriff genommen hat:

  • Für die US-amerikanische Firma Western Lithium bzw. Lithium Americas, die Lithiumcarbonat aus Tonerden in Nevada gewinnen will, betreibt die Kutec in einer eigens dafür errichteten Werkshalle in Sondershausen eine selbst entwickelte Pilotanlage und arbeitet dazu mit dem Weimarer Spezialchemie-Unternehmen und Industriedienstleister Ibu-Tec AG zusammen. Die Weimarer Aktiengesellschaft hat erst vor einigen Monaten den Börsen-gang in Frankfurt geschafft – als Premiere am neuen Börsensegment Scale und damit als „Eisbrecher“ für kleine und mittlere Unternehmen. Die Kutec-Ingenieure wollen die Zusammenarbeit mit der Ibu-Tec künftig noch ausbauen.
  • Für den bolivianischen Staat realisiert die Kutec gerade ein Großprojekt zur Lithiumgewinnung am weltweit größten Salzsee Salar de Uyuni. Mit dem Expertenwissen aus Thüringen und dem so entwickelten Verfahren plant die Kutec eine Anlage für das bolivianische Staatsunternehmen YLB. Ende 2018 oder Anfang 2019 will Bolivien mit dieser Anlage am Salar de Uyuni bis zu 15 000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr gewinnen. Das Vorhaben ist für Bolivien so wichtig, dass eine Firmendelegation der Kutec beim ersten Deutschland-Besuch des Staatspräsidenten Evo Morales Anfang November 2015 mit eingeladen und im Berliner Adlon vom bolivianischen Bergbauminister empfangen worden war.

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