Branche denkt um

Nachhaltigkeit: Holz und Lehm als Baustoffe der Zukunft

Bernd Jentsch
| Lesedauer: 3 Minuten
Unternehmer Michael Kockelmann vor der natürlichen Lehmwand in Kleinfahner. 

Unternehmer Michael Kockelmann vor der natürlichen Lehmwand in Kleinfahner. 

Foto: Bernd Jentsch

Erfurt.  Jeder Beitrag zählt: Dominierten in der Vergangenheit Beton und Stahl auf den Baustellen, rücken jetzt ganz andere Materialien in den Blickpunkt.

Beim Errichten von Häusern, Wohnungen oder Fabrikgebäuden müssen Bauherren neu denken. Bei Neubauten und bei Sanierungen rückt die Nachhaltigkeit aller Maßnahmen immer stärker in den Fokus der Auftraggeber, der Architekten und der ausführenden Bauunternehmen.

Natürlich werden neu entstehende Gebäude heutzutage von vornherein soweit gedämmt, dass der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert werden kann. Doch auch dabei kommt es darauf an, wie diese geschieht. „Mit dem bisher üblichen Einsatz von Bauschaum, Klebstoffen und Styropor bei der Dämmung von Gebäuden erzeugen Bauherren enorm viel nicht recycelbaren Müll. Natürliche Dämmstoffe wie Hanf oder Holzfaserplatten haben ähnliche Eigenschaften, reduzieren aber den Müllberg nach der Einsatzzeit“, sagt Michael Schenk, Projektleiter Energie- und Ressourceneffizienz bei der Thüringer Energie- und Greentechagentur (Thega), der sich insbesondere mit dem Thema Nachhaltiges Bauen und Sanieren beschäftigt.

.„Wir müssen nachhaltig Bauen und Sanieren, den Einsatz von Beton und Stahl verringern“, sagt Schenk „Künftig wird regionales Holz eine große Rolle spielen, die Zahl der Holzbauten wird deutlich zunehmen“, ist der Experte überzeugt.

Ein Trend, den auch die Architektenkammer Thüringen bestätigt. So wurde zum jüngsten Tag der Architektur im Freistaat bewusst auch das innovative Bauen mit dem klimafreundlichen Baustoff Holz präsentiert. Architekten und Architektinnen seien von Berufs wegen Zukunftsgestalter, versichert die Kammer. „Nahezu alle aktuellen und künftigen Herausforderungen sind unmittelbar relevant in ihrem beruflichen Handeln“, sagt Kammerpräsident Hans-Gerd Schmidt. Die zum Tag der Architektur in diesen Jahr vorgestellten 72 Projekte belegten dies eindrucksvoll und würden „Ansprüchen an Nachhaltigkeit Energie- und Ressourceneffizienz, Nutzungsflexibilität und Barrierefreiheit gerecht“.

So sei etwa das neue Naturschutzzentrum im Erfurter Egapark im Erdgeschoss unter Verwendung von Recycling-Ziegelsteinen und das Obergeschoss in Holzbauweise und mit einer Fassade aus heimischen Lärchenholz errichtet worden. Auch das mobile Hörsaalgebäude „Green Campus“ in Erfurt rücke den Baustoff Holz in den Fokus. Es wurde aus gut zu transportierenden Modulen zusammengesetzt.

„Bauherren müssen auf nachhaltige Baustoffe wie Lehm zurückgreifen, dessen gute Eigenschaften nutzten schon unsere Vorfahren“, weiß Michael Schenk zu berichten. Das bestätigt auch Michael Kockelmann, seit dem Jahr 2020 Inhaber und Chef des Lehmwerkes in Kleinfahner im Landkreis Gotha. Lehm sei ein sehr vielseitiges Produkt, das sehr gute Eigenschaften für das Wohnklima hat.

Das Lehmwerk bezieht den Rohstoff aus der eigenen Lehmgrube, quasi vor der Haustür. Auch die weiteren Rohstoffe sind vorwiegend aus Thüringen. Der Firmenchef setzt auf regionale Kreisläufe. „Ich will den Lehmbau in die moderne Welt übertragen“, erläutert Kockelmann seinen Ansatz. Nicht nur altes Fachwerk könne mit Lehm repariert werden, sondern auch moderne Wohnhäuser konnten damit gebaut werden. Um die Nutzungsmöglichkeiten von Lehm zu erweitern, beteiligt sich das Lehmwerk an Forschungsprojekten. So arbeitet man mit dem Institut für Angewandte Bauforschung in Weimar gemeinsam an Baustoffen für die Zukunft, unter anderem unter Einsatz von recycelten Stoffen.

„Im Idealfall zerfallen Baumaterialien nach dem Ende des Nutzungszeit wieder zu Erde“, erläutert Michael Schenk von der Thega den positiven Ansatz im modernen Bauen und Sanieren.

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