Berlin. Sie saß in der Pizzeria, die von einer russischen Rakete getroffen wurde. Nun ist Victoria Amelina ihren schweren Verletzungen erlegen.

Die bei dem russischen Raketenangriff auf ein Restaurant in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk schwer verletzte Schriftstellerin ist ihren Verletzungen erlegen. Sie sei am Samstag im Mechnikow-Krankenhaus in Dnipro gestorben, teilte die Nichtregierungsorganisation PEN Ukraine mit.

„Wir teilen den großen Schmerz und sprechen der Familie, den Freunden und Kollegen unserer lieben Victoria unser aufrichtiges Beileid aus“, schreibt PEN Ukraine in der Mitteilung. Ihre Familie werde in Kürze den Ort und die Zeit ihrer Beerdigung bekannt geben.

Die 37-jährige Autorin hatte sich mit einer Delegation kolumbianischer Journalisten und Schriftsteller in dem Restaurant Ria Pizza aufgehalten, als dieses am Dienstag durch einen russischen Raketenangriff zerstört wurde. Sie erlitt nach Angaben des behandelnden Arztes „mehrfache Schädelbrüche“. Mit ihrem Tod steigt die Zahl der Todesopfer des Angriffs auf 13.

Eine Anwohnerin legt Blumen vor dem Restaurant in Kramatorsk ab, das durch einen russischen Angriff zerstört wurde.
Eine Anwohnerin legt Blumen vor dem Restaurant in Kramatorsk ab, das durch einen russischen Angriff zerstört wurde. © Alex Babenko/AP/dpa

Ukrainische Autorin beteiligte sich an der Dokumentation russischer Kriegsverbrechen

Die in Lwiw geborene Amelina verfasste Gedichte, Prosa und Essays, die unter anderem ins Deutsche, Englische und Polnische übersetzt wurden. 2014 erschien ihr Debütroman "Herbst Syndrom oder Homo Compatiens", der für mehrere ukrainische Literaturpreise nominiert wurde.

Seit der russischen Invasion 2022 beteiligte sie sich PEN Ukraine zufolge auch an der Dokumentation russischer Kriegsverbrechen in den besetzten Gebieten. Demnach arbeitete sie zuletzt an einem Sachbuch in englischer Sprache, das demnächst auch außerhalb der Ukraine erscheinen soll. Amelina erzählt darin laut PEN Ukraine die Geschichte von ukrainischen Frauen, die Kriegsverbrechen und ihr Leben im Krieg dokumentieren.

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Die Ermittler in Kramatorsk nahmen nach dem Angriff einen Mann fest, der die RIA Lounge für den russischen Geheimdienst ausspioniert haben soll. Dabei soll es sich um einen Mann aus Kramatorsk handeln. Er soll wenige Stunden vor dem Anschlag in dem Restaurant gewesen sein und Bilder von dem Lokal mit seinem Handy an die russischen Besatzer geschickt haben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte bereits an, den mutmaßlichen Agenten mit aller Härte bestrafen zu wollen. Dem Mann droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.(bef/afp)

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