Duisburg/Essen. Bei einem Anti-Terror-Einsatz hat die Polizei in Duisburg einen Mann in Gewahrsam genommen. Der soll einen Anschlag geplant haben.

Ein Spezialeinsatzkommando der Essener Polizei hat am Dienstag einen vorbestraften Islamisten aus Duisburg wegen eines möglichen Anschlags auf eine pro-israelische Demonstration vorübergehend in Gewahrsam genommen. Nach Informationen unserer Redaktion aus Sicherheitskreisen hatte es zuvor Hinweise eines ausländischen Geheimdienstes gegeben, die darauf hindeuteten, dass der 29-jährige Gefährder Tarik S. mit einem LKW in eine Menschenmenge fahren könnte.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Es fanden sich bis dahin zwar weder Indizien für einen konkreten Tatort noch für eine mögliche Tatzeit. Es war allerdings aufgefallen, dass sich Tarik S. im Netz über dschihadistische Inhalte informierte. Die Sicherheitsbehörden in NRW hielten die Gefahr eines Terroranschlags für so real, dass am Morgen die Durchsuchung der Wohnung des Mannes eingeleitet wurde.

Lesen Sie auch: Terror in Brüssel: Polizei hatte zuvor brisante Erkenntnisse

Gefährder aus Duisburg hätte in den nächsten Tagen sieben Veranstaltungen treffen können

In den nächsten Tagen sind in Nordrhein-Westfalen allein sieben Pro-Israel-Demonstrationen angemeldet worden, so dass von einer Tatgelegenheit ausgegangen werden musste. Tarik S. ist zudem kein Unbekannter für die Terrorermittler. Der ursprünglich aus Ostwestfalen stammende Mann war 2013 Mitglied des Islamischen Staats (IS) in Syrien und wurde 2017 bereits wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung rechtskräftig in Deutschland zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt. Seither wird er relativ engmaschig von den Behörden überwacht.

Wie ernst die aktuellen Hinweise genommen werden, zeigt die Tatsache, dass die Ermittler in Essen sofort den kurzen Draht zum Generalbundesanwalt in Karlsruhe und zur Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf suchten. Ein Haftbefehl konnte aber offenbar zunächst nicht erwirkt werden, da der Anfangsverdacht auf Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat noch zu vage war. Das ist bei solchen Lagen nicht ungewöhnlich, da der Anfangsverdacht für eine schwere staatsgefährdende Straftat oder die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nicht so leicht zu erhärten ist. Mit Hochdruck versuchten die Ermittler bis zum Abend, ihren Verdacht mit Ergebnissen aus der Wohnungsdurchsuchung zu untermauern.

Die Anschlagspläne wecken Erinnerungen an das Attentat vom Berliner Breitscheidplatz, als der Islamist Anis Amri einen LKW als Waffe nutzte. 13 Weihnachtsmarktbesucher kamen dabei ums Leben. In der vergangenen Woche hatte Brüssel ein islamistisches Attentat erschüttert, als ein polizeibekannter Islamist zwei schwedische Fußballfans erschoss. Im Nachhinein hatte der IS die Tat für sich reklamiert.