Berlin. Nach dem Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny bestellt das deutsche Außenministerium noch am Montag den russischen Botschafter ein.

Reaktion auf den Tod von Alexej Nawalny: Wie das Außenministerium in Berlin bekannt gab, soll der russische Botschafter noch am Montag einbestellt werden. Eine Einbestellung ist in der internationalen Diplomatie gängige Praxis, um als Staat seine Kritik an dem Verhalten einer anderen Nation auszurücken. In der Regel wird der einbestellte Repräsentant eines Landes dabei über die Sichtweise der gastgebenden Regierung zu einem Thema unterrichtet, um diese Informationen dann an die Führung seines Heimatstaats weiterzugeben.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Da es im Fall Nawalny noch keine zuverlässigen Informationen über die Todesumstände gibt, dürfte sich das Gespräch mit dem Botschafter eher um die allgemeine Situation und den Umgang mit Oppositionellen in Russland drehen. Die politisch motivierten Verfahren gegen Nawalny sowie gegen zahlreiche weitere Kritiker der russischen Regierung und die unmenschlichen Haftbedingungen zeigten, wie brutal die russische Justiz gegen Andersdenkende vorgehe und mit welchen Mitteln Präsident Wladimir Putin Meinungsfreiheit in Russland unterdrücke, sagte die Sprecherin. „Wir verurteilen dies auf das Allerschärfste und fordern ausdrücklich die Freilassung aller in Russland aus politischen Gründen Inhaftierten.“

Bundesregierung: Russland muss Nawalnys Tod aufklären

Die Bundesregierung forderte Russland auf, die Umstände von Nawalnys Tod in einem sibirischen Straflager vollständig aufzuklären und auch den Leichnam an die Familie freizugeben, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte. Zudem sollte ein straffreies Gedenken das Mindeste sein. Am Wochenende waren in Russland mehrere Hundert Personen wegen ihrer öffentlichen Trauer um Nawalny festgenommen worden. Wo sich der Leichnam des Kreml-Kritikers befindet, ist derzeit unklar.

Nawalny war in russischer Lagerhaft ums Leben gekommen. Sein Tod war am Samstag von dessen Sprecherin bestätigt worden. Zuvor hatte bereits der russische Strafvollzug über Nawalnys Tod informiert, der seit 2021 inhaftiert war.