Berlin. Auf dem militärischen Laufsteg macht er sich gut, in der Feuertaufe im Ukraine-Krieg nicht: Warum Putins T-14 ein Paradepanzer bleibt.

Nach dem Ukraine-Krieg werden sich die Militärs fragen müssen, ob Panzer aus der Zeit gefallen, ob sie Dinosaurier sind. Das britische International Institute for Strategic Studies (IISS) schätzt, dass Russland bisher etwa 1.120 Panzer verloren hat.

Der Ukraine ergeht es prinzipiell nicht besser. Auch vermeintliche Superpanzer wie der Leopard oder der amerikanische Abrams erwiesen sich als verwundbar.

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Ein Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin hat jetzt angedeutet, welche Konsequenzen die Russen daraus ziehen wollen. Sie werden ihren modernsten Panzer zurückhalten, den T-14, Armata.

Das ist er, der T-14 Armata-Panzer. Für die Parade geeignet, für den Krieg eher nicht.
Das ist er, der T-14 Armata-Panzer. Für die Parade geeignet, für den Krieg eher nicht. © DPA Images | Alexander Zemlianichenko

Panzer ist gegen Drohnen nur bedingt abwehrbereit

Sergej Tschemesow, Chef der staatlichen Rüstungsholding Rostec, verriet der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, der Panzer sei zu teuer. „Deswegen wird ihn die Armee jetzt wohl kaum einsetzen“.

Heute brauche man Geld, um neue Panzer, neue Waffen zu fertigen, womöglich billigere, erläuterte Tschemesow. Daher sei es angebracht, billigere T-90-Panzer zu kaufen, das Fahrzeug, das der Gucci-Panzer ablösen sollte.

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Tschemesow lenkt den Blick damit auf einen Aspekt, der dauernd unterschätzt wird: die Ökonomie des Krieges. Es geht

  • um die Stückzahl an Waffen und vor allem an Munition;
  • um ihren intelligenten Einsatz, also Effizienz;
  • und nicht zuletzt um das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Der Krieg war zwei Monate alt, als US-Präsident Joe Biden eine ganz bestimmte Waffenfabrik in Alabama besuchte. Hier bei Lockheed Martin Co. wird die Panzerabwehrrakete Javelin hergestellt. Eine Waffe, die im Zuge des Krieges abermals ins Rampenlicht rückte, weil die Ukrainer damit reihenweise Panzer abgeschossen und die Russen gezwungen hatten, ihren Vormarsch auf Kiew abzubrechen.

In jenen Februartagen 2022 war die Rakete tatsächlich ein Gamechanger. „Ehrlich gesagt machen wir das russische Militär in vielen Fällen lächerlich“, plauderte Biden vor den Arbeitern am Fließband.

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Panzer im Ukraine-Krieg: Der T-14 bleibt ein Paradefahrzeug

Eine Javelin-Panzerabwehrrakete kostet fast 200.000 US-Dollar. Zwei Jahre später hat der Krieg gezeigt, dass eine 08/15-Drohne mit verbesserten Sensoren und einigen Modifikationen für etwa 2.000 US-Dollar laut dem britischen ThinkTank Rusi unter den meisten Umständen „gleichermaßen effektiv“ ist.

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Der Armata wurde schon 2015 vorgestellt. Er rollte damals auf einer Parade und blieb liegen. Kein gutes Omen. Berichten zufolge ist er wegen technischer Probleme bis heute nicht in Serienproduktion gegangen.

Armata-Panzer: Sein Einsatzfeld ist die Propagandafront

Im August 2023 meldete die russische Agentur Tass, dass ein Erprobungsfahrzeug in der Ukraine getestet und abgezogen worden sei, um verbessert zu werden. Gut möglich, dass der Erlkönig nicht nur zu teuer ist, wie Tschemesow sagt, sondern vor allem nicht gut genug gegen Drohnen geschützt ist.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Bevor man das Risiko eingeht, dass ein superteures Fahrzeug von einer billigen Drohne abgeschlossen wird, erspart man ihm die Feuerprobe. Mehrere russische Staatsmedien hatten vermeldet, dass der Armata vier bis fünf Millionen US-Dollar pro Stück koste.

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Auch im Westen hat man Probleme damit, Kampf- und Schützenpanzer besser gegen Drohnen zu wappnen. Rheinmetall geht anders an die Herausforderung heran. Es entwickelt den neuen Flakpanzer Skywalker, um Drohnen abzuwehren. Kampf- und Schützenpanzer brauchen offenbar einen Schutzschirm aus Störsendern, Raketensystemen und eben Flakpanzern gegen Drohnen.

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Der britische Geheimdienst hatte früh am vermeintlichen Superpanzer gezweifelt. Wenn er eingesetzt werde, dann „wahrscheinlich in erster Linie zu Propagandazwecken“. Der General und Mitglied der Staatsduma, Viktor Sobolew, bemängelte im Gespräch mit dem russischen Nachrichtendienst NSN, „Armata ist ein erfolgloser und ungeschützter Panzer“. Die Besatzung sei nicht ausreichend geschützt. Steuerung, Betrieb, Wartung – alles müsse auf Zuverlässigkeit überprüft werden. „Das Konzept selbst ist falsch.“