Berlin. Seit dem Ukraine-Krieg ist die Bundeswehr auf dem Prüfstand. Drohnen werden wichtiger. Die Folge: Eine Rückbesinnung auf frühere Stärken.

Der Ukraine-Krieg zeigt, wie wichtig Luftverteidigung ist, insbesondere gegen Drohnen. Die Bundeswehr lernt daraus. Das Heer will einen Fehler korrigieren und die 2012 aufgelöste Heeresflugabwehrtruppe wieder aufstellen. Es ist die Rückbesinnung auf einstige Stärken.

In Militärkreisen löst die Meldung hohe Erwartungen aus. Noch am Donnerstag sah sich das Verteidigungsministerium von Boris Pistorius (SPD) allerdings nicht in der Lage, die Weichenstellung zu bestätigen, geschweige denn zu kommentieren.

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Anfang des Jahrtausends wurden die Streitkräfte sukzessive auf Auslandseinsätze wie in Afghanistan getrimmt. Nicht mehr zwingend erschien da eine Heeresflugabwehrtruppe. Man hat sie sich gespart, buchstäblich. Seither hat sich indes viel geändert.

Neue alte Flugabwehrtruppe

Zum einen kann ein russischer Angriff nicht ausgeschlossen werden. Kremlchef Wladimir Putin hat gezeigt, dass er keine Skrupel hat, politische Ziele auch mit Waffengewalt zu verfolgen. Die Landes- und Bündnisverteidigung steht wieder im Vordergrund. Zum anderen spielen Drohnen eine viel größere Rolle auf dem Gefechtsfeld. Auch andere Armeen sind dabei, daraus für Bewaffnung und Beschaffung Konsequenzen zu ziehen.

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Eine Ironie ist, dass Deutschland der Ukraine mehr als 30 Gepard-Panzer der Heeresflugabwehr lieferte, die 2010 ausgemustert worden waren. Sie haben sich im Krieg gegen Russland bestens bewährt. Es ist kein Fall dokumentiert, in dem einer dieser Flak-Panzer zerstört oder erbeutet wurde, ganz im Gegenteil. Der Gepard gilt als regelrechte Höllenmaschine gegen Drohnen. Deswegen haben auch die USA den alten Flak-Panzer aufgetrieben, zum Beispiel in Jordanien, und für die Ukraine aufgekauft.

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Dass die „Gattung“ wieder geschätzt wird, erkannte man allein schon daran, dass die Bundeswehr beim Rüstungskonzern Rheinmetall einen neuen Flak-Panzer bestellte: den Skyranger. Noch vor zwei Jahren (aber schon nach Kriegsbeginn) wollte Generalleutnant Alfons Mais, Inspekteur des Heeres, nicht die Heeresflugabwehrtruppe neu aufstellen, sondern diese Fähigkeit nur in die zukünftigen Artilleriebataillone eingliedern, wie er bei einem Parlamentarischen Abend erzählte.

Alfons Mais, Inspekteur des Heeres, will den Fähigkeitstransfer: von der Luftwaffe zum Heer.
Alfons Mais, Inspekteur des Heeres, will den Fähigkeitstransfer: von der Luftwaffe zum Heer. © DPA Images | Sebastian Kahnert

Zwei Jahre später erklärte eine Sprecherin des Heeres am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion, Generalinspekteur Carsten Breuer habe über einen „Fähigkeitstransfer für den Nah- und Nächstbereichsschutz von der Luftwaffe an das Heer entschieden“. Mais entschloss sich daraufhin, bis 2028 eine Heeresflugabwehrtruppe aufzubauen.

Warten auf den Skyranger

Fähigkeitstransfer, so nennt man es, wenn die Luftwaffe eine Aufgabe verliert – und das Heer eine Kompetenz wieder erhält. Über den Sitz ist längst entschieden worden. Es ist Lüneburg, wie „defense network“ meldete.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dass der Aufbau ein paar Jahre braucht, liegt nicht nur daran, dass der Skyranger beschafft und ausgeliefert werden muss. Auch das Personal muss erst ausgebildet werden. Von der ehemaligen Heeresflugabwehrtruppe dürfte man nicht viele aktive Soldaten finden und reaktivieren können. Der Start wird mühsam.

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