Gotha. Im Gothaer Löfflerhaus interpretiert Elena Metelskaya mit Landsleuten Werke aus ihrer Heimat.

Jazep Kozlowski, Michal Oginski, Konstantin Gorski – wer hierzulande kennt diese Namen? Den Besuchern des jüngsten Löfflerhaus-Konzerts in Gotha zumindest waren sie bisher unbekannt.

Die aus Weißrussland stammende Pianistin Elena Metelskaya als Gastgeberin hat diesmal zwei befreundete Musiker aus der Heimat eingeladen, mit ihr gemeinsam Werke weißrussischer Komponisten zu spielen: den Flötisten Yakov Geller und den Fagottisten Alex Fralou.

Beginnend mit Klängen aus dem 12. Jahrhundert, über Frühbarock, Klassik und Romantik bis hin zur Moderne, entfaltet sich ein unterhaltsames musikalisches Mosaik, das es trotz aller gegenseitigen künstlerischen Befruchtung leider nie geschafft hat, hierzulande ins öffentliche Bewusstsein zu treten.

Motto des Abends: „Berühmt - vergessen - verboten“. Dieses „verboten“ bezieht sich auf regierungskritische Gegenwartskomponisten, deren Werke in Weißrussland nicht aufgeführt werden; Sergey Khovoshchinsky (englische Transkription) sitzt gar im Gefängnis.

Kurz nach Beginn erklingen vier anonyme frühbarocke Stücke aus dem „Heft von Polozk“. Für deutsche Ohren sind sie so interessant, weil sich in ihnen die uns bekannten Strukturen barocker Musik mit dem russischen Volkston und einer gewissen slawischen Schwermut verbinden.

Ein Weißrusse, der zum Polen wurde

Überraschung: Stanislaw Manuschka, der polnische Komponist der Oper „Halka“, hieß der nicht Moniuzsko? Nein, er ist in Ubiel bei Minsk geboren und aufgewachsen und hat seinen Namen erst später dem Polnischen angepasst! Und wieso taucht Dmitri Schostakowitsch im Programm auf? Ja, er war Russe, aber einer mit weißrussischen Ahnen!

Dass Elena Metelskaya mit ihren knappen, aber treffenden Erklärungen das Bild der Komponisten greifbarer macht, gehört zu den weiteren Vorzügen dieses Konzertabends, der Genuss und Bildung vereint. Nach der Pause erklingt Musik von Gegenwartskomponisten, darunter zwei Uraufführungen. Im Gegensatz zu hiesigen Komponisten haben sie offenbar niemals den Bezug zur Quelle verloren, den musikalischen Wurzeln ihrer Heimat. Das ist wohltuend.

Dass nicht nur Elena Metelskaya eine hervorragende Pianistin ist, sondern auch Yakov Geller seine Flöte brillant zu spielen weiß und Alex Fralou seinem Fagott gefühlsinnige Klänge zu entlocken weiß, verleiht dem Abend seine besondere Qualität. Das Publikum weiß das mit herzlichem Beifall zu würdigen.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Gotha