Bachwochen: Akrobatische Leistung in der Jakobskirche

Das Casal-Quartett begeisterte bei den Thüringer Bachwochen in Weimar.

Das Cascal-Quartett in der Jakobskirche Weimar: Die vier musizierten auf historischen Instrumenten. Foto: Jens Haentzschel

Das Cascal-Quartett in der Jakobskirche Weimar: Die vier musizierten auf historischen Instrumenten. Foto: Jens Haentzschel

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Weimar. Eine tolle Truppe, dieses Casal-Quartett, das mit Corinne Chapelle (1.Viol.), Rachel Rosina Späth (2.Viol.), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Violoncello) bei den Thüringer Bachwochen in der Jakobskirche Weimar zu Gast war. Keine technische Eskapade, die sie nicht glänzend bewältigen würden. Kein Tempo, das sie nicht bis zum Extremen steigern könnten. Kein Piano, das nicht leise genug und kein Forte, das nicht markant genug sein sollte, und das Zusammenspiel, gesteuert durch aufmerksames und direktes Zuspiel oder auch nur durch einen winzigen Wimpernschlag, funktioniert hervorragend.

Für sie scheint die Erfüllung ihres Musizier-Ideals allein in der brillanten Aufbereitung des Notenbildes zu liegen, alle inhaltlichen Fragen rangieren danach erst an zweiter Stelle. So bekommen die Werke etwas Circensisches, etwas Akrobatisches: zweifellos zu bestaunen, zu bewundern wie ein perfekter Trapezakt in der Zirkuskuppel, ohne aber auch nur ein wenig auszustrahlen von dem, was Musik immer wieder so anziehend, so menschlich macht: ihre Seele.

Stolz sind die Quartettisten, wie sie direkt ansagen, auf ihre vier Instrumente - alle sind aus der Hand des Tiroler Meisters Jacobus Stainer (Mitte 17. Jahrhundert). Nach dem Erwerb mussten sie erneut aufbereitet und eingespielt werden. Ihre klanglichen und spieltechnischen Eigenheiten machten sich die Musiker neu zur Erfahrung. Hier aber stellen sie sich selbst ein Bein: Warum missachten sie dann, dass alle vier gleichermaßen im gemäßigten Tempo und im piano einen anheimelnd warmen Ton, für derart rasante, fast ruppige Tempi aber nur ein Röcheln, wenn auch ein delikates Röcheln übrig haben?

"Die Geburt des Streichquartetts" stand auf dem Programm mit Vorläuferwerken von Georg Philipp Telemann und Johann Friedrich Fasch. Übergeleitet wurde damit zu einem frühen Quartett von Joseph Haydn (C-Dur Hob. III:32) und dem Quartett G-Dur KV 387 von Wolfgang Amadeus Mozart. Dessen wohltuend transparente Quartett-Bearbeitungen von Fugen aus Bachs "Wohltemperierten Klavier" Teil II erfüllten, ebenso gespielt, mit fünf Exemplaren die programmatische Alibifunktion.

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