Fröhlich und kampfbereit: Weimars Kinderbeauftragte wurde 65

Autokraten kann dieses fröhliche Gesicht hinter dicken Brillengläsern in den Wahnsinn treiben. Wer auch immer im Rathaus je versuchte, die Weimarer Kinderbeauftragte an die kurze Leine zu nehmen, musste irgendwann erkennen: es geht nicht.

Die UN-Kinderrechtskonvention im Rücken haben alle, die sich im Kinderbüro setzen und reden. Die Stühle mit den beschrifteten Lehnen hat Steffi Engelstädter bei einem Verlag abgestaubt und Weimar geholt.

Die UN-Kinderrechtskonvention im Rücken haben alle, die sich im Kinderbüro setzen und reden. Die Stühle mit den beschrifteten Lehnen hat Steffi Engelstädter bei einem Verlag abgestaubt und Weimar geholt.

Foto: zgt

Weimar. Die vollständige Integration Steffi Engelstädters als Rädchen im Verwaltungsapparat war aus einem nicht hundertprozentig erklärbaren Grund nicht möglich. Sie hat sich dem entzogen – nicht mit Klauen und Zähnen, wohl aber mit eben diesem frohen Mut. Sollte es möglich sein, den Glauben daran, dass alles schon irgendwie gut werden wolle, in einem Gesichtsausdruck zu materialisieren, dann trüge er die lustig zusammen gekniffenen Augen von Steffi Engelstädter.

Das alles ist eine Haltung, und es entspricht dem Eigenschaften-Mix, den sich die Kinderbeauftragte nun, 19 Jahre nachdem sie das Weimarer Kinderbüro gründete, auch von ihrem Nachfolger wünscht: Mut, Fröhlichkeit, Kommunikationslust und ein bisschen Kampfbereitschaft. Sowas könne man unmöglich in eine Stellenausschreibung packen? Fehlanzeige. "Ich habe selbst am Ausschreibungstext mit gefeilt", sagt Engelstädter und grinst.

Dass Weimar die erste Stadt der neuen Bundesländer war, die sich ein Kinderbüro leistete, ist ihr Verdienst. Schon vor der Wende schielte Steffi Engelstädter von ihrem Orchideenfach aus – in der DDR hatte sie aus soziologischer Sicht das Verhältnis von Kindern und Jugendlichen zur Stadt und umgekehrt untersucht – nach dem Westen. Das "Bild des Kindes in der Gesellschaft" sei in beiden deutschen Staaten unterschiedlich betrachtet worden. Im Osten habe etwa das kindliche Spiel stets ein Ziel verfolgen müssen. Engelstädter fühlte sich in diesem ideologischen Korsett beengt.

Mit ihrem Konzept eines Kinderbüros empfahl sich Steffi Engelstädter eher unfreiwillig dem Weimarer Nachwende-OB Klaus Büttner. Ihm leuchtete die Idee ein, nur machte er die Realisierung von einer Personalie abhängig: entweder Engelstädter übernimmt den Job oder keiner.

Was lässt die Kinderbeauftragte, die am Dienstag 65 Jahre alt geworden ist und demnächst den Staffelstab weiterreichen wird, stolz auf die turbulenten Nachwendejahren zurückblicken? Manches, sagt sie. Doch ehe sie ins Detail geht, tritt sie einen Schritt zurück: "Ich habe hier und da vielleicht als Motor funktioniert, aber ohne ein Netzwerk aus Partnern, die mitziehen, hätte ich nichts bewirkt. Stolz macht mich, dass wir uns einen Namen machen konnten als Ansprechpartner für Eltern und Kinder in Weimar.

Aber auch, dass es gelang, den Ferienpass zu etablieren, in Weimar-Nord eine Skater-Anlage zu bauen. Und: Das Reithaus für die Kinder- und Jugendarbeit in Weimar erhalten zu haben." In den frühen Neunzigern begehrten etliche Investoren die Immobilie in hervorragender Parklage.